Heute schon gegessen?

Eigentlich seltsame Frage oder? Der eine oder andere hat vielleicht noch nicht gegessen, hat es eben grade getan oder ist jetzt mitten dabei.

Für viele Menschen ist der Prozess des Essens ganz selbstverständlich.

Man steht morgens auf, isst vielleicht eine Kleinigkeit, später auf der Arbeit dann wieder und so zieht sich das den lieben langen Tag hin.

Manch einer beschäftigt sich intensiver mit seiner Ernährung, der andere weniger. Sportler bspw. werden sich etwas genauer damit auseinandersetzen, da es zu ihrem Lebensstil gehört.


Aber was ist mit denen, die nicht so eine selbstverständliche Beziehung zum Essen haben?

Keine Angst, ich werde jetzt keinen Text über hungernde Kinder in Afrika vom Stapel lassen.


Dennoch: vielleicht kennt jemand ja folgenden Satz „Du isst nicht auf und die Kinder in Afrika hungern.


So oder so ähnlich wird es der eine oder andere Leser in seiner Jugend wahrscheinlich schon mal zu hören bekommen haben. Doch was bedeutet dieser Satz eigentlich und was kann er in einem Kind oder Jugendlichen auslösen?

Erstmal bezieht sich der Satz auf den Hunger in so genannten Dritte Welt Ländern, wo Unterernährung und Nahrungsmangel an der Tagesordnung sind. Gleichzeitig wird dem Kind ein schlechtes Gewissen gemacht, weil es nicht aufisst und die Reste davon somit potentiell in den Müll wandern.


Es wird die Idee geschaffen, dass man das, was da auf dem Teller liegt, aufessen muss, weil ja andere Menschen in anderen Ländern Hunger leiden. Das Problem ist nur: Durch das Aufessen werden Menschen in anderen Ländern auch nicht satter, sondern es entstehen ganz andere Schwierigkeiten.

Das eine kann (muss aber nicht) Übergewicht sein. Das Kind wurde dazu angehalten zu aufzuessen, auch wenn die Portion eigentlich zu groß für das Kind war. Dementsprechend wird ein Überschuss an Energie aufgenommen, was aber eigentlich gar nicht notwendig gewesen wäre.

Ein anderer Punkt ist, dass es zu einem gestörten Verhältnis zum Essen kommen kann, wie Anorexia nervosa, Bulimie, Anorexia athletica, Orthorexia nervosa usw.


Wichtig ist hier das Wort „kann“, was bedeuten soll, dass es nicht notwendigerweise dazu kommen muss oder dass eine Essstörung unbedingt darauf zurück zu führen ist, andere Ursachen sind dabei auch möglich.


Als Elternteil möchte man natürlich normalerweise nur das Beste für das Kind, was bedeutet, es soll genügend essen und wohlbehalten aufwachsen. Tritt nun eine Essstörung auf, fragt man sich schnell was man dagegen tun kann. Das Kind wird vielleicht regelmäßig gewogen, mal zur Kur geschickt, angehalten sehr viel zu essen, damit wieder etwas Gewicht auf die Rippen des Kindes kommt; vielleicht werden auch noch die körperlichen Aktivitäten eingeschränkt, damit weniger Energie verbraucht wird.


Nur, ist das der richtige Weg? Sollte man sich nicht eher fragen, warum diese Essstörung aufgetreten ist und wie man mit dem Kind zusammenarbeiten kann, damit diese Störung aufgehoben wird?

Zusammenarbeiten ist das Zauberwort hierbei. Dem Kind zuhören und schauen was es zu sagen hat. Keinen Druck verursachen, der die Essstörung vielleicht noch verstärkt.

Ideen sammeln, sowohl eigene, als auch die des Kindes berücksichtigen.

Fortschritte positiv bestärken und keinesfalls Rückschläge noch mehr bestrafen.


Man kann das vergleichen mit Zensuren in der Schule:

Haben Sie schon mal eine 6 bekommen oder eine 5? Wenn nicht, dann herzlichen Glückwunsch.

Wenn Sie aber mal eine solche Zensur bekommen haben, dann wissen Sie, dass das kein schönes Gefühl war.


Haben Sie eine solche Zensur schon mal bekommen, obwohl Sie sich richtig angestrengt und gelernt haben? Das Gefühl ist noch viel unangenehmer. Es ist nicht nur ein Gefühl des Versagens, sondern des totalen Absturzes und Nichtkönnens. Obwohl man sich so angestrengt hat, hat man dennoch versagt, als wäre die Zensur nicht schon schlimm genug, nein, man bekam sie auch noch, als man sich auf die Prüfung vorbereitet hat.


Stellen Sie sich jetzt mal vor, wie es für ein Kind sein muss, dass versucht zuzunehmen, aber es auf der Waage plötzlich ein Kilo weniger anzeigt. Das ist ein Rückschlag. Dabei hat das Kind dann vielleicht sogar schon auf Außenaktivitäten verzichtet und sich nicht mit Freunden getroffen.

Für das Kind ist das, wie die 5 oder 6 als Zensur. Wenn nun noch die Eltern diesen Rückschlag als etwas Negatives (was es ja an sich auch ist) mit drohenden Sanktionen behaften, fühlt sich das für das Kind an, als hätte es für die Prüfung gelernt und trotzdem noch eine schlechte Note bekommen. Also quasi ein „Worst-Case-Szenario“.

So etwas sollte gerade bei Essstörungen vermieden werden.


Jetzt werden sich einige Fragen: „Was zu Hölle hat das mit Philosophie zu tun?

Gute Frage.

Dialoge finden überall statt. Auf Arbeit, in der Freizeit, in der Familie, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Einige Dialoge sind eher trivial und andere wiederum sind tiefgehender. Da ist es wichtig, dass, wenn es auf psychologische Aspekte (oder Störungen) ankommt, der Dialog überdacht wird. Also wie man dem anderen Gegenübertritt, welche Position man einnimmt, ob man Verständnis für den Gegenüber entwickelt, wie man auf den anderen wirkt.


Als Elternteil ist man eher eine Autorität dem Kind gegenüber, wenn man dann noch mit Sanktionen droht, dann entsteht ein Druck oder Zwang.

Hingegen wenn die Eltern versuchen gemeinsam mit dem Kind Lösungen und Wege zu finden (also dem Kind auf gleicher Augenhöhe gegenübergetreten wird), dann ist es einfacher diese Störung aufzulösen. Das Kind nimmt das als Gleichberechtigung wahr und bekommt so eher das Gefühl ernst genommen zu werden, als wenn man ihm als Autorität gegenüber tritt.


Daher: Einfach mal sich selbst reflektieren und versuchen zu schauen, wie wirke ich mit meiner Mimik, Gestik und Art dem Anderen gegenüber. Das als Gespräch aufgreifen und in die Gesprächshilfe mit aufnehmen, damit man schauen kann, ob die Kommunikation untereinander überhaupt stimmig ist oder ob Wörter und Sätze ganz anders ankommen, als beabsichtigt ist.

Dazu kann man auch gerne einen Moderator (wie z.B. mich - aber natürlich auch andere befähigte Menschen) zur Hilfe holen, der einen dabei unterstützt.


Das kann man bei diesem Thema machen, aber auch in anderen Bereichen bspw. unter Freunden.

Ist doch sicher auch mal interessant zu wissen, wie einen Freunde sehen und wahrnehmen. Wenn es dann noch echte Freunde sind umso besser.


Und jetzt: Viel Spaß beim Essen – oder selbst reflektieren.


Ein schönes Wochenende.


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