Kommunikation mit Menschen außerhalb des Arbeitsplatzes

Wie wir alle wissen, ist Kommunikation sehr essentiell, sei es in der Partnerschaft, mit Freunden, im alltäglichen Umgang mit anderen Menschen oder am Arbeitsplatz.

Überall benutzen wir Kommunikation in den verschiedensten Formen, mal als Wort und mal als Gestik oder Mimik. Doch alle Arten der Kommunikation haben miteinander gemein, dass wir uns ausdrücken möchten und die Person gegenüber uns verstehen soll.

Im Alltag klappt das meistens auch ganz gut, da wir oft mit Menschen zu tun haben, die uns verstehen oder verstehen wollen.

Ich gehe hierbei von Standartsituationen aus, bei denen es nicht um Gefühlsausbrüche geht oder um massive Missverständnisse.


Doch hin und wieder scheinen, besonders gerne in der Arbeitswelt, einige Menschen Wörter zu benutzen, deren Sinn sich dem Gegenüber nicht immer wirklich erschließen oder total unsinnig erscheinen.

In der Arbeitswelt bzw. in einigen Firmen nutzt man bestimmte Wörter oder Abkürzungen, um eine Kommunikation schneller und einfacher zu gestalten. Man könnte sagen: „Zeit ist Geld, also sprich schneller.

Bei einigen Wörtern ist dieses Vorgehen sogar verständlich, da bspw. einige Maschinen ewig lange Namen haben und da ist es einfacher Abkürzungen zu benutzen. Ein Außenstehender, der diese Abkürzung nicht kennt, würde damit nichts anfangen können oder assoziiert sogar etwas anderes, vielleicht aus seiner eigenen Firma damit.


Angefangen hat dieses Thema für mich, als ich vor Jahren mal etwas an einem Bahnhof entdeckte. Es handelte sich dabei um einen kleinen Kasten, in Silber gehalten und mit blau-roter Glasoberfläche ausgestattet. In der Mitte des Kästchens war ein roter Punkt abgebildet und oben drüber stand „Touch Point“.

Da ich damals damit nichts anfangen konnte, recherchierte ich etwas und fand heraus, dass dieses Gerät, einfach gesagt, für das Ein- und Ausloggen von Fahrkarten via Mobiltelefon, zuständig war.


Der „Touch Point“ ist Teil des „Mobile Ticketing“, sollten Sie dazu Fragen haben, können Sie sich gerne an jedem „Service Point“ der DB darüber informieren – so oder so ähnlich könnte ein Satz der Deutschen Bahn lauten, wenn man sie nach dem Touch Point fragen würde.

Die Deutsche Bahn war schon immer sehr amüsierend, wenn sie versucht Neologismen zu schaffen und dabei mehr Verwirrung verursacht, als wirklichen Inhalt zu vermitteln. Der Service Point, ist übrigens der Informationsstand in den meisten Vorhallen von großen Bahnhöfen in Deutschland.


Solche Sätze finde ich immer wieder sehr zum lachen, weil es einfach einen ziemlich karikierenden Charakter mit sich bringt. Es ist ja nicht so, dass man solche Begriffe erfindet, um sich dann über jemanden oder etwas lustig zu machen, sondern mit solchen Versuchen karikiert sich das jeweilige Unternehmen immer selbst, da einige Unternehmen in dem Fall nicht versuchen etwas zu vereinfachen, damit bestimmte Kommunikationsabläufe schneller funktionieren, sondern man stellt sich damit ein Bein, da hunderte von Menschen dann zum Service Point laufen um zu fragen, was denn der Touch Point so macht.

Vielleicht konnte der eine oder andere es auch heimlich beobachten, wie in den ersten Wochen und Monaten, die Menschen immer wieder auf den roten Punkt in der Mitte des Touch Points drücken wollten und als nichts passierte wie das Gehirn anfing zu rattern.


Wie Oswald Henke (Sänger, Komponist, Autor) mal in einem seiner Artikel sinngemäß schrieb - Wenn da ein roter Knopf ist, dann will man ihn betätigen, selbst wenn es verboten ist ihn zu drücken. -


Auch immer wieder schön: Durchsagen der Deutschen Bahn auf Englisch.


Doch in diesen Fällen ist die Deutsche Bahn nicht schlimmer als alle anderen, sie ist einfach nur präsenter und deswegen fällt einem so etwas schneller auf, als bei Firmen mit denen man gar keinen Kontakt hat oder die weniger in der Öffentlichkeit stehen.


Dennoch auch hier kann es zu kuriosen Wortschaffungen kommen. „Kick-Off“ - haben Sie noch nie gehört? Ich nicht, also bis vor Kurzem. Als ich es das erste Mal las, war der Zusammenhang total unklar, da es sich um ein geschäftliches Erstgespräch handelte. Ich dachte es könnte sein, dass Leute eingestellt und rausgeworfen werden am gleichen Tag.


Hielt ich aber für eher unwahrscheinlich.


Dann bemühte ich einfach mal google... Hätte ja klappen können, denn ich dachte nicht, dass es sich dabei um Fußball oder ähnliche Sportarten handelte, wie google mir weismachen wollte. Außer der Personalchef wäre inbrünstiger Fußballliebhaber und wollte mit einem bei einer Runde Fußball reden.


Auch das erschien mir unwahrscheinlich.


Irgendwann erfuhr ich, dass es sich dabei um Fachjargon von Unternehmen handelte – was ich mir schon dachte, es aber um verschiedenste Dinge gehen kann, wie Bewerbungsgespräche, Gespräche allgemein, Probearbeit, Vertragsbesprechungen und einiges mehr.

Im Endeffekt scheint das niemand so genau zu wissen, aber Hauptsache man wirkt kompetent, wenn man einfach mal englische Wörter von sich gibt.


Das ist ein massives Problem. Wenn man das Firmenintern benutzt, wird jeder damit umgehen können, doch wenn Personen von Außerhalb involviert werden, dann ist es äußerst wichtig, wenn man die Dinge, die man sagen möchte, vorher überdenkt, da es zu mehrfachen Stolpersteinen kommen kann.

Einer davon ist, dass die Person von Außen nicht weiß um was es geht und somit die Kommunikation unnötig verlängert wird.

Zum anderen, wenn die Person von Außen das Gefühl hat, dass mit Wörtern um sich geworfen wird, von denen niemand wirklich weiß was sie bedeuten oder einfach benutzt werden, damit man kompetent klingt, die eigentliche Kompetenz in Frage gestellt wird und der Gesprächspartner in seiner Stellung sinkt.

Das machen wir nicht mit Absicht, sondern passiert automatisch, da der Mensch gegenüber den Eindruck macht, etwas zu sein, was er nicht ist – im Klartext: es kann den Eindruck machen, dass man ein Wichtigtuer wäre.


Wissen Sie was eine „High Bench“ oder ein „Absorber“ ist? Bis vor einer Woche wusste ich das nicht.


Bei Ersterem würde ich es mit so etwas wie Hochbank oder Hochsitz übersetzen (engl. high: hoch; engl. bench: Bank). Ich wurde eines Besseren belehrt. Es handelt sich dabei um einen Stehtisch. Von www.dict.cc wird der allgemeine Stehtisch mit „bar table“ übersetzt.

Eine high bench scheint es aber wirklich zu geben und ist eine Art erhöhte Bank, an die man sich eher anlehnt, als dass man darauf sitzt. Würde ja auch zum Namen passen. In der Pariser Metro kann man solche high benches öfters sehen, die als Alternative zu den herkömmlichen Sitzen (die es aber auch noch gibt) angebracht wurden.


An dieser Wortumdeutung kann man gut erkennen, wie schnell die Kommunikation unsinnig werden kann und es wirklich den Eindruck macht, als würde man auf biegen und brechen Englisch sprechen wollen um modern zu wirken. Das dann aus einem Tisch dann eine Bank wird ist schon ziemlich prägnant.


Das zweite Wort „Absorber“ auch wahrhaft vielschichtig gewählt und dabei so nichtssagend.

Es kann sich dabei um einen Gaswäscher in der Physik bzw. Chemie handeln, im Autotuning handelt es sich um ein Teil in der Auspuffanlage, in der Solartechnik ist es ein Teil der Solaranlage usw.

Also ein Wort für viele Dinge, die dann auch noch ziemlich unterschiedlich sind, weil sie in jedem Bereich etwas anderes bedeuten.

Es kann sich aber auch um Bilder und Gegenstände handeln, die den Schall z.B. in einem Raum verringern sollen. Sie sollen den Schall – absorbieren. Ziemlich weit hergeholt.


Wie gesagt, es ist kein Problem, wenn man sich Firmenintern mit diesen Wörtern zurecht findet, auch wenn einige von ihnen absolut unsinnig sind und man das Gefühl hat, die Person, die sich die Wörter zu den Begriffen und Gegenständen ausgedacht hat, nicht wirklich weiß was sie da verzapft.

Doch sobald man mit Personen außerhalb der Firma, Universität, usw. anfängt zu kommunizieren, sollte man auf solche Problemwörter verzichten.

Als Philosoph spreche ich im Supermarkt auch nicht über den Kategorischen Imperativ oder den Existentialismus und benutze dabei dann auch noch akademische Fachwörter – das hilft niemandem weiter.Mal abgesehen davon wird man ganz schön seltsam angeschaut, wenn man das macht...


Kommunikation kann so einfach sein, wenn man nicht alles verkomplizieren will.



Zusatz:


Nachdem ich diesen Text fertig geschrieben hatte, stieß ich gestern Abend auf einen Artikel des Chip-Magazins, in dem diese Thematik aufgegriffen wurde.


Wörter wie „Remixen“, „Downsizing“ oder „Jobenlargement“ kommen darin vor und werden näher erläutert.


Viel Spaß beim weiterlesen: Zum Chip Artikel

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