Ramadan-Reihe "Einleitung"

 Wie vor einigen Tagen schon erwähnt, werde ich in der Zeit des Ramadan eine kleine Reihe veröffentlichen, die sich zum einen auf die Sonderausgabe des Philosophie Magazins bezieht und zum anderen auf eine meiner Arbeiten als Religionswissenschaftler, die ich während meines Studiums als Hausarbeit fertigte.

 

Religion ist im Allgemeinen ein nicht so ganz einfaches Thema, aber warum ist das so?

 

Da spielen viele Faktoren eine Rolle.

 

Gehen wir als erstes mal von mir als Person aus: Verfolge weder eine Religion, bin Philosoph – daher muss ich Dinge hinterfragen und kritisch betrachten –; gleichzeitig ist es meine Aufgabe als Religionswissenschaftler Glaubenssysteme neutral zu betrachten, ohne Kritik, ohne Hinterfragen – nur das was es an Fakten gibt darlegen und deuten bzw. darstellen.

 

Natürlich gibt es das Thema Religionskritik auch in der Religionswissenschaft, jedoch nicht als aktives Bestreben Kritik zu üben, sondern um zu schauen, wer übt Kritik an welcher Religion und ist diese vielleicht schlüssig begründet oder eher nicht?

 

Ähnliches findet man in der Philosophie bzw. Religionsphilosophie; Religionen bzw. der Glauben als solches wird hinterfragt, mit dem Gedanken eines Gottes gespielt und analysiert.

 

Diese ganzen Bereiche hängen miteinander zusammen und das macht es natürlich umso schwerer alles auseinander zu halten oder mal einen Punkt zu übersehen.

 

Jemand der religiös ist, wird dabei sicherlich oftmals einen noch tieferen Einblick in seinen Glauben haben und sie anders wahrnehmen, als jemand der die Religion von außen betrachtet, ohne mit ihr verbunden zu sein.

 

Doch bin ich der Meinung, dass es immer auch auf den Blickwinkel ankommt, mit dem man etwas anschaut, das heißt welche Absicht man verfolgt.

 

Der Satiriker macht sich lustig und möchte humoristisch auf das Thema hinweisen. Der Kritiker will eher auf das Negative hinweisen, das die jeweilige Religion oder der Glaube als solcher mit sich bringt. Der Wissenschaftler versucht die Fakten neutral zu deuten, was aber eigentlich auch nicht ganz unmöglich ist, da auch immer etwas subjektives in bspw. Interpretationen einfließt oder manchmal die Fakten so umgedeutet werden, dass sie plötzlich für den jeweiligen Geldgeber sprechen.

 

Aber nicht nur der Blickwinkel desjenigen, der sich zu einem Thema äußert ist wichtig, sondern auch wie der Hörende/Sehende/Lesende es aufnimmt.

 

Bin ich heute verärgert oder gefällt mir der Schreibstil nicht?

 

Dann nehme ich den Text wahrscheinlich eher negativ auf und weise auf jeden kleinen Fehler hin.

 

Habe ich gute Laune und bin glücklich?

 

Möglicherweise sehe ich dann über Fehler hinweg und lasse mich nicht aufregen.

 

Was jedoch Fakt ist: Gelebte Religion ist etwas persönliches.

 

Das schrieb auch schon der Philosoph Immanuel Kant, der meinte, dass man zwar eine (göttliche) Erfahrung haben könnte, es jedoch nicht das gleiche ist, einem anderen davon zu erzählen oder es zu beschreiben.1

 

Das macht es gleichzeitig sehr schwer über Religion zu schreiben, besonders, wenn man selbst gar keine oder nicht die gleichen bzw. ähnliche religiöse Erfahrungen gemacht hat.

 

Und gerade weil es etwas persönliches ist, kann es auch passieren, dass sich jemand, dessen Religion man kritisiert, sich lustig darüber macht oder auf bestimmte Punkte hinweist, dementsprechend auch angegriffen fühlt. Das bezieht sich nicht alleine auf den Islam, sondern auf jegliche Religionen und Glaubensarten. Der Christ oder Hindu kann sich genauso beleidigt fühlen, wenn man seinen Glauben kritisiert, wie jemand, der den Islam lebt.

 

Man kann also gut sehen, dass es viele Punkte zu beachten gibt und ich dabei sicherlich noch nicht alle aufgezählt habe.

 

Dennoch hoffe ich, etwas Licht ins Dunkel bringen zu können.

 

Sollte ich in einem Bereich doch mal falsch liegen, dann kann man mich gerne anschreiben und auf meinen Fehler hinweisen.

 

Doch ich möchte zu bedenken geben, dass den Übersetzungen und Interpretationen etwas Spielraum gegeben werden sollte, da es sonst möglicherweise in religiöse Diskussionen ausarten könnte und jeder eine andere Meinung zu dieser oder jener Passage hat, was aber nicht mein Ziel für die Zeit des Ramadan ist.

 

Ebenso möchte ich damit den Islamkritikern aufzeigen, dass einige Argumente, die gegen den Islam immer wieder hervor gebracht werden, wenn man sie in Relation zu anderen Religionen setzt, gar nicht mehr wirklich haltbar sind.

 

Wie gesagt, ich bin weder selbst religiös, noch bin ich ein Sprecher für oder gegen etwas, sondern werde in meinen Beiträgen ausschließlich religionswissenschaftliche und philosophische Ansätze und Ideen verfolgen.

 

Über jegliches Feedback freue ich mich – über positives mehr als über negatives, aber wer wird nicht gerne gelobt. Aber auch Kritik nehme ich gerne entgegen, denn auch daran kann man lernen und sich verbessern.

 

 

Anmerkung:

 

Normalerweise ist es unter Muslimen so, dass wenn bspw. der Name eines Propheten wie Moses, Jesus oder Mohammed geschrieben bzw. ausgesprochen wird, sie eine Segensformel wie „Der Friede Gottes sei mit ihm!“ anfügen.

 

In meinen Texten verzichte ich jedoch darauf, das hat mit keiner Wertung zu tun, sondern ist schwieriger was den Lesefluss angeht und zum anderen sich meine Besprechungen auch an Nicht-Muslime richten – es geht also um den aufklärenden Schwerpunkt.

 

Ich benutze in den meisten Fällen das Wort „Gott“, da sowohl „Allah“ als auch „Gott“ die gleiche Sinnbestimmung haben und damit aufgezeigt werden soll, dass es für alle Menschen nur ein höchstes Wesen gibt.

 

Jedoch sollte man dabei bedenken, dass der muslimische Begriff frei von christlichen Assoziationen ist (wie z.B. der Dreifaltigkeit).

 

Wenn ich hinter ein Zitat aus dem Koran etwas in Klammern schreibe, wie (2,185), dann bedeutet das 2. Sure 185 Vers. Ähnliches kennt man aus der Kennzeichnung der Bibel.


1 Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft; Elementarlehre II., Th., II. Abth., II. Buch, 3. Hauptst.; Hrsg. Hartenstein, Leopold Voss (Verlag), Leipzig, 1868, S. 410f.

 

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