Ramadan-Reihe "Ramadan"

Ehrlich gesagt war ich am überlegen, womit ich diese Reihe beginnen sollte, da es einfach recht viele Möglichkeiten gibt etwas über den Islam zu schreiben. Man kann bei der Entstehung anfangen, über Vergleiche wie der Koran entstanden und wie andere Religionen entstanden sind. Auch könnte ich darüber schreiben, wie der Koran aufgebaut ist oder welche Grundsätze er beinhaltet.


Letztendlich habe ich mich jedoch dafür entschieden etwas über den Ramadan an sich zu schreiben; um was es sich dabei genau handelt und was es für Regeln gibt.


Beim Ramadan(übersetzt: der heiße Monat) handelt es sich nicht einfach nur um eine Zeit des Fastens, sondern stellt im islamischen Jahr die Zeit dar, die an Festlichkeit den höchsten Rang hat. Zwar gibt es noch andere Zeiten, die einen hohen Stellenwert, in den zu feiernden Tagen haben, jedoch ist der Ramadan dabei ganz besonders wichtig.


Doch warum? Beispielsweise fasten einige Christen, Juden usw. auch, dabei fasten sie dann entweder über die (nicht) Nahrungsaufnahme oder Rauchen nicht oder halten sich vom Internet fern usw.


Die Wichtigkeit kann erst besser nachvollzogen werden, wenn man sie in historischem Kontext betrachtet.


Der Monat Ramadan, in dem der Koran herabgesandt worden ist als Führung für die Menschen, klare Zeugnisse der Führung und der Entscheidung“ (2,185)


Eine ähnliche Übersetzung:


Koran (erstmals) als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist, und (die einzelnen Koranverse) als klare Beweise der Rechtleitung und der Rettung (?). Wer nun von euch während des Monats anwesend (d. h. nicht unterwegs) ist, soll in ihm fasten.1


Der Koran selbst datiert die eigene Herabsendung auf den neunten Monat des muslimischen Kalenders. Dabei handelt es sich bei diesem Ereignis, nach muslimischen Kommentatoren, um die „Nacht der Bestimmung“ (laylat al-qadr: 97, 1 – 3), wird jedoch unterschiedlich gedeutet.


Für die einen ist es die erste Offenbarung die Mohammed erfuhr und danach noch viele folgten. Für die anderen handelt es sich dabei um „die Herabkunft des Koran als Ganzes in die unterste Himmelssphäre, von wo er bei entsprechenden „Offenbarungsanlässen“ Mohammed stückweise anvertraut wurde.“2

Wobei jedoch die genaue Datierung dieses Ereignisses innerhalb des Ramadan uneinheitlich ist. Da es diese Uneinigkeit gibt, wird meist in der Nacht zum 27. Tag des Ramadan dieser Tag gefeiert, aber auch an anderen ungeraden Tagen der letzten zehn Tagen der Fastenzeit.

Für Muslime ist diese Nacht in mehrfacher Hinsicht besonders, nicht nur weil Mohammed den Koran empfangen hat, sondern weil damit auch Gott das ganze Geschick der Welt entscheidet. Diese Nacht wird auch „Nacht der Bestimmung“ genannt was sich auf eine gleichnamige Sure bezieht:


Wir haben ihn hinabgesandt in der Nacht der Bestimmung.

      Woher willst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?

Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.

Die Engel und der geist gehen in ihr hinab mit der Erlaubnis ihres Herrn wegen jeglicher Verfügung.

Friede ist sie bis zum Anfang des Morgens.“ (97. Sure)


Mit der Nutzung der Zahl 1000, soll dabei die Wichtigkeit, Größe oder auch Würde3 aufgezeigt werden, die dieser Nacht innewohnt.


Man kann also schon sehen, dass es sich dabei nicht nur um eine reguläre Zeit des Fastens geht, sondern auch um die Erinnerung der Entstehungszeit des Korans.


Jetzt könnte man als Außenstehender sagen „Ach, ist doch nur ein Buch“. Aber das ist eben der Unterschied zwischen jemandem, der fest an etwas Glaubt und jemandem, der sich mit dieser Religion oder Religion allgemein nicht großartig befasst hat bzw. sich nicht verbunden damit fühlt.

Ein Moslem fühlt sich mit dem Koran eng verbunden, was daran liegt, dass es als Gottes Wort angesehen wird. Doch nicht nur das, Mohammed ist zusätzlich der letzte Prophet gewesen und somit der Koran auch der Abschluss der Offenbarung Gottes gegenüber dem Menschen – zumindest in so einer großen Form.

Natürlich könnte man jetzt sagen, dass bspw. die Bibel das auch sei, jedoch bringt Murad Hofmann4 den Einwand vor, dass es sich bei der Bibel um viele unterschiedliche Fragmente handelt, teilweise von Menschen, die gar nichts mit z.B. Jesus zu tun hatten und lange nach ihm lebten. Teilweise aber auch Fragmente aufgenommen wurden, bei denen man nicht einmal weiß von wem sie genau stammen.

Beim Koran hingegen waren alle Personen bzw. Quellen von Fragmenten bekannt. Zudem wurde er relativ zeitnah aufgeschrieben. Zudem gab es nicht mehrere Übersetzungen, was ja gerade auch bei der Bibel für Übersetzungsfehler sorgte, sondern der Koran ist immer noch auf Arabisch geschrieben. Zwar gibt es auch vom Koran Übersetzungen in andere Sprachen, aber dazu schreibe ich die Tage noch etwas eingehender. Wichtiger ist, dass der Koran all die Zeit über unverändert geblieben ist.


Dementsprechend wichtig ist gerade für den Moslem auch der Koran. Ich habe dabei immer den Vergleich mit einem Diamanten im Kopf.

Man kann daher den Ramadan etwa ähnlich sehen wie ein Geburtstag (der sich jedoch über eine längere Zeit erstreckt), doch ist dieser in dem Falle einzigartig und das Höchste, da es um die Offenbarung des Koran geht. Hans Zirker vergleicht es auch mit dem christlichen Weihnachten.5


Zum Koran werde ich etwas mehr in einem anderen Artikel schreiben, ebenso zu verschiedenen Übersetzungsarten. Doch denke ich, ist schon jetzt klar, wie wichtig einem Moslem der Koran ist.


Doch weiter zum Ramadan als solchen.

Wie wir ja schon wissen, wird in der Zeit des Ramadans gefastet. Wobei zu sagen ist, dass es sich dabei nicht um ein durchgehendes Fasten handelt, wie es z.B. bei den Juden oder Christen vorkommt, sondern sich das Fasten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang erstreckt.


Von dem Augenblick an, da man einen schwarzen faden von einem weißen unterscheiden kann.“ (2,183-187)


Das bezieht sich jedoch nicht nur auf das Verzichten auf Nahrung, sondern auch auf Trinken und sexuelle Aktivitäten. Wer sich hingegen auf Reisen befindet, Schwanger ist, Stillt, Kind oder Krank ist, ist davon ausgenommen, wobei das rituelle Fasten nachgeholt werden sollte.


Nachdem die Sonne untergegangen ist, darf man dann auch wieder essen und trinken. Potentiell auch anderen gelüsten hingeben, jedoch etwas Genaueres fand ich dazu leider nicht.


Wenn man das im historischen und geographischen Kontext sieht, ist diese Methode auch sehr human, schließlich hätte es auch heißen können, dass man die 30 Tage gar nichts essen darf und nur nach Anbruch der Dunkelheit trinken.


Gerade weil im „heißen Monat“, (der ja nun mal in arabisch sprechenden Ländern wirklich heiß ist) Speisen schneller verderben und somit auch Krankheiten hervorrufen können, ist es klüger diese dann zuzubereiten, wenn es dunkel und somit kühler geworden ist.

Da aber genau in dieser heißen Zeit der Gläubige Probleme mit seinem Energiehaushalt und somit auch mit dem Kreislauf bekommt, kann dieser dann in der Nacht etwas essen und sich etwas regenerieren.

Gleichzeitig bewahrt das Fasten am Tage davor träge und müde zu werden, wenn man bspw. etwas schweres gegessen hat.


Human ist in dem Fall auch, dass besondere Gruppen, wie Kranke und Schwangere davon ausgenommen sind, da das Fasten eine weitere Belastung für den Körper bedeuten würde. Wenn sie dann in der Lage sind es nachzuholen, können sie das machen.


Daran kann man sehen, dass es zwar eine sehr wichtige Zeit für den Moslem ist, sie aber nicht auf die Gesundheit des Gläubigen zu gehen hat.


Leider fasten die meisten schwangeren Muslimas dennoch, was statistisch gesehen zur Folge hat, dass das Geburtsgewicht des Kindes verringert und ebenso die Schwangerschaft verkürzt. Dadurch werden sowohl körperliche als auch geistige Behinderungen viel wahrscheinlicher.6


Am Ende des Ramadan bzw. im letzten Drittel gibt es zudem eine fromme Übung die sichIʿtikāf(Absonderung) nennt. Dabei ziehen sich die betroffenen Personen in die Moschee zurück, wo sie aufgrund eines Gelübdes für mehrere Tage und/oder Nächte verweilen und beten, Andacht halten oder den Koran rezitieren. Gleichzeitig fasten sie weiter und enthalten sich sexuell.

Das Gelübde kann bspw. auch Schweigen beinhalten, jedoch ist dies dann nur für die Nächte erlaubt.

Diese Absonderung bezieht sich auf die Sure 2,187, in der darauf noch mal besonders eingegangen wird.

Ein Grund für diese Absonderung, ist dass man an den besonderen Segen der Herabkunft des Korans teilhaben möchte, welcher in dieser Zeit stattfand.

In diesem Fall habe ich versucht meine Worte sehr gewählt zu nutzen, denn wenn man die falschen Worte dafür benutzt, dann kann es so aussehen als würde der Gläubige den Segen erhalten wollen. Das würde aber so nicht stimmen, denn er möchte in dieser Zeit Teil davon sein, aber würde niemals verlangen den Segen zu erhalten oder einzufordern.


Ähnlich wie man es von einigen Christen kennt, die über die Fastenzeit z.B. das Rauchen einstellen, gibt es das auch im Islam. Die vielen weltlichen Süchte und Dinge sollen dabei ausgegrenzt werden, was auf Außenstehende einen sehr spirituellen Eindruck macht, da es einer Askese ähnelt, wie man sie von Mönchen oder Yogis kennt.

Was diesen Eindruck noch verstärkt,ist , dass es dabei auch um das ethisch-moralische Handeln geht. So sollen unbedingt üble Nachrede, Verleumdungen, Lügen und Beleidigungen aller Art unterlassen werden.


Im Anschluss des Ramadan folgt das Fest des Fastenbrechens ʿĪd al-Fitr, dies gehört jedoch nicht direkt zum Ramadan und ist ein eigenes Fest, daher werde ich hier darauf nicht mehr eingehen. Vor allem da es diesbezüglich auch regionale Unterschiede gibt.


Dies soll nur eine kleine Übersicht sein, was den Ramadan ausmacht und warum er für Muslime so wichtig ist. In dem einen oder anderen Artikel werde ich sicher immer mal wieder auf diesen Artikel hier verweisen, da einige Zusätze und Feinheiten erst im Zusammenhang besser verstanden werden können.


1Vgl. Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Ramadan#Stellung_des_Ramadan

2Zirker, Hans; Der Koran – Zugänge und Lesarten –; Lambert Schneider Verlag, 2. Auflage, 2012, S. 64

3Vgl. Zirker, Hans; Der Koran – Zugänge und Lesarten –; Lambert Schneider Verlag, 2. Auflage, 2012, S. 65

4Vgl. Hofmann, Murad; Koran; Hugendubel Verlag; München; 2002, S. 10 ff.

5Vgl. Zirker, Hans; Der Koran – Zugänge und Lesarten –; Lambert Schneider Verlag, 2. Auflage, 2012, S. 66

6Vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Ramadan#Ausnahmen_von_der_Fastenpflicht

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