Digital Detox

Schon länger habe ich mir Gedanken über das Internet und die wahnsinnige Informationsflut gemacht, der man damit immer wieder ausgesetzt, sich dessen aber gar nicht mehr so bewusst ist.


Täglich nutzen fast alle von uns, sowohl privat, als auch beruflich das Internet, sei es per Mail, Whatsapp, Facebook, Instagramm, Twitter und noch viele Möglichkeiten mehr.

Wir wollen – oder müssen – für alle anderen ständig erreichbar sein. Sei es am Computer oder wenn das nicht geht, unbedingt am Smartphone, damit wir auch unterwegs „mobil“ sind, wie uns auch die Werbung immer wieder suggeriert.


Doch nicht nur das, besser noch wir sind rund um die Uhr erreichbar, sei es für den Arbeitgeber oder die Freunde. Da kann der Freund auch ruhig mal betrunken Nachts um 3 Uhr anrufen und fragen, wie es denn einem so geht oder dem Chef fällt noch etwas ganz wichtiges ein, was am nächsten Morgen unbedingt in der Firma besprochen werden muss.


Dass so ein Verhalten auf Dauer nicht gesund ist, zeigen die in Süd-Korea entstandenen Kliniken gegen Internetsucht, die genau aus dieser Suchtproblematik entstanden sind. Diese Kliniken behandeln nicht nur junge, internetsüchtige Menschen, sondern auch Menschen mittleren und hohen Alters, wobei der Schwerpunkt aber bei der jungen Generation liegen wird.


So soll das Gehirn durch übermäßige Nutzung Schaden nehmen, was u. a. durch eine Reduzierung des Medienkonsums reversibel ist, jedoch seine Zeit dauert. Natürlich gibt es dazu in solchen Kliniken auch gleich die richtigen Therapien. Da ich aber kein Neurowissenschaftler bin, weiß ich noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Aber die Therapien in diesen Kliniken sollen hier auch nicht das Thema sein. Interessant finde ich nur, dass ich in unserer Medienlandschaft noch nichts tiefer gehendes über diese Thematik gehört, gesehen oder gelesen habe.


Während meines Studiums habe ich fälschlicherweise mal ein Seminar von Pädagogen besucht, in dem die psychische Hygiene das Thema war. Dort wurde die Frage gestellt, ob jemand zu seiner Schulzeit einen Lehrer hatte, der etwas mehr trank – oder einfach gesagt: ein Alkoholproblem hatte. Bis auf zwei oder drei meldeten sich alle der Studenten (ca. 40 – 50).

Da jetzt nicht alle auf dieselbe Schule gingen, ist diese Anzahl schon sehr massiv. Vor allem, weil die Schüler es mitbekommen, dass der Lehrer ein Problem hat. Der bei den Lehrern auftretende Alkoholismus hat definitiv mit der psychischen Hygiene zu tun, so der Dozent des Seminars. Umso wichtiger ist es, dass man diese Hygiene praktiziert.


Abschalten und entspannen ist hier das Stichwort. Die Arbeit, Arbeit sein lassen, egal was da kommt. Wenn der Chef einem Nachts, kurz bevor man ins Bett gehen will, eine Mail zuschickt, dann ist das für den Schlaf nicht besonders förderlich.

Das kann sogar bis zum digitalen Burnout gehen. Letztens habe ich genau über dieses Thema eine Dokumentation gesehen und wer jetzt sagt, dass das alles doch vielleicht etwas überbewertet wird, der liegt falsch.

Als Beispiel wurde eine Frau benannt, die sich aufgrund dieser massiven Informationsflut, sogar das Leben nehmen wollte, weil sie dagegen einfach nicht ankam. Sie sollte unerledigte Arbeit mit nach Hause nehmen und außerdem immer so schnell wie möglich auf die Mails ihrer Kollegen und Vorgesetzten antworten, egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit. Antwortete sie mal nicht, weil sie es zeitlich nicht schaffte oder auch mal ihre Ruhe brauchte, dann kam kurze Zeit später die nächste Mail, die zum einen als wichtig markiert wurde und sie gefragt wurde, warum sie noch nicht nicht auf die vorangegangene Mail geantwortet hat.


Man kann also sehr gut erkennen, was für ein Druck auf den einen oder anderen Menschen aufgebaut wird, der dann irgendwann einfach nicht mehr kann.

Dass ein Mitarbeiter, der ständig unter Druck gesetzt wird und keine Ruhezeiten findet, weil er ständig von der Arbeit belästigt wird, haben einige Chefs noch nicht verstanden.


Andere hingegen schon. Wie z.B. in Frankreich, wo sich Firmen zusammengeschlossen und eine Konvention unterzeichnet haben, die sich für diese Ruhezeiten einsetzt.

Die Firmen verpflichten sich damit auch, dass sie diese Regeln einhalten und zum Wohl des Arbeiters umsetzen.

Was sich erst mal wie eine leere Floskel anhört, wird aber wirklich in die Tat umgesetzt. Sei es, dass man bspw. ab 21 Uhr keine Mails mehr verschicken darf oder beantworten soll, die sich auf die Arbeit beziehen. Das heißt auch, dass die Vorgesetzten als gutes Beispiel vorangehen und dementsprechend, ab 21 Uhr niemandem mehr von Arbeit eine Mail schicken. Gleichzeitig ist der Angestellte ab dieser Uhrzeit der Arbeit gegenüber zu nichts mehr verpflichtet.

Es gibt dazu noch einige weitere Regeln, aber diese soll nur einmal verdeutlichen, was die Firmen unternehmen, damit sich der Angestellte auch wirklich ausruhen kann; denn niemand der ständig von Arbeit unter Druck gesetzt wird, ist eine gute und effiziente Arbeitskraft.


Dieser Gedankengang kommt aber nur sehr langsam in der Arbeitswelt an. Dafür entstehen jedoch immer mehr „Digital Detox Parties“, für die Leute, die etwas Abstand nehmen wollen von den digitalen Medien.


Um noch kurz auf diese Begrifflichkeit einzugehen: Digital Detox kann verstanden werden als „digitale Entgiftung“ oder „digitales Entgiften“.

Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Der eine versucht sich gänzlich den digitalen Medien zu entziehen und der andere stellt sich einige Regeln für den Alltag auf, um nicht dauerhaft den Medien zu verfallen.


Solche Parties kann man sich ungefähr so vorstellen, dass dabei jeder ein Hobby von sich oder etwas was diese Person gerne mag (ausgenommen digitale Medien) vorstellt und somit alle sich etwas zu erzählen und zu erfahren haben. Handys, Laptops und alles in dieser Art ist dabei nicht gestattet. Das Ganze hat etwas von einem Mini-Festival.


Natürlich kosten diese Parties oder Seminare auch etwas und das nicht zu knapp. Doch bevor man auf diesen teuren Hippster-Zug aufspringt, kann man auch viel einfacher und günstiger für sich selbst Regeln oder eine Art Filter aufstellen, damit man auch genügend Ruhe und Freiraum bekommt.

Zum Beispiel kann man aufhören ab der Uhrzeit X nach seinen Mails zu schauen oder sagt sich ab der Uhrzeit Y gehe ich in keine sozialen Medien mehr und stelle somit auch die Kontaktmöglichkeiten ab.

Wichtig ist nur, dass man auch wirklich versucht daran zu halten. Dass man dann doch vielleicht mal gegen seine eigene Regel verstößt, kann passieren, aber wenn man sich wirklich daran halten will, dann verfolgt man am nächsten Tag diese wieder und gibt nicht komplett auf.

Es geht auch weniger darum sich strikt an die Regeln zu halten, sondern eine Distanz zwischen den Medien und sich selbst zu schaffen, bei der man merkt, wie wenig man sie braucht und ihr somit das Suchtpotential nimmt.

Ich habe mir z.B. angewöhnt, wenn ich, wie jetzt an diesem Text schreibe, mein E-Mailprogramm auszuschalten und mich in keinen sozialen Medien zu befinden, so dass ich mich nur auf eine Aufgabe konzentrieren kann und nicht immer wieder abgelenkt werde. Das hört sich zwar simpel an, kann aber schon viel ausmachen.


Man kann sich von der massiven Informationsflut und ständigen Erreichbarkeit erholen, wenn man es denn möchte. Wir leben zwar in einem digitalen Zeitalter, in dem alles mit allem und jedem verbunden ist, aber auch hier gilt das Zitat von Paracelsus:


Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis [sic] machts, daß ein Ding kein Gift sei.(zeno.org, Paracelsus, Septem Defensiones, Die dritte Defension wegen des Schreibens der neuen Rezepte)


Überdenken wir doch einfach mal wieder, wie sehr wir in den Medien gefangen sind und wie sehr sie unseren Alltag beanspruchen oder ob wir uns gewisse Freiräume zurückholen wollen, die wir freiwillig aufgegeben haben.


Oder wie auch die Internetsendung Fernsehkritik.tv regelmäßig drauf hinweist:


Einfach mal wieder abschalten.

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