Der tortale Krieg

Mit Politik tun sich viele Philosophen ja immer etwas schwer, ich bin da keine Ausnahme; deswegen schreibe ich auch so selten Artikel über politische Themen.

 

Dabei sollte die Politik, wie alle anderen Themen auch, immer wiederkehrend in der Philosophie vorkommen. Zumal die Philosophen in der Antike an der Politik nicht ganz unbeteiligt gewesen sind.

 

Daher habe ich mir überlegt, auch wenn mich Politik als solche eher weniger interessiert, sie dennoch öfter zum Thema zu machen.

 

Den Anfang möchte ich nun, einige Leser werden es an der Überschrift erkannt haben, mit dem Tortenangriff auf Beatrix von Storch machen.

 

Für die, die es vielleicht nicht mitbekommen haben, die AfD Politikerin, ist bei einer nicht-öffentlichen Sitzung ihrer Partei, von einem als Clown verkleideten Mann attackiert worden – mit einer Sahnetorte.

 

Auch der Vizevorsitzende Albrecht Glaser wurde von einem zweiten Clown mit einer Torte beworfen worden und sie erklärten der AfD damit den „tortalen Krieg“.

 

Hinter dieser Aktion verbirgt sich das sogenannte Peng Collective. Einer der beiden Clowns Tortenwerfer (Aktionskünstler) wurde festgenommen und muss sich nun wegen Beleidigung verantworten.

Eingetortete Beatrix von Storch

(Foto : Facebook/Beatrix von Storch)

Auf die Dinge, die da noch so geschehen sein sollen, gehe ich jetzt nicht ein. Nicht weil es unerheblich ist (Afd Mtglieder sollen, den Festgenommen angegriffen haben), sondern weil sich dahingehen andere Stellen damit auseinandersetzen müssen und es in den Medien Thema war – ich bin eben kein Journalist und überlasse das Berichten anderen.

 

Kurz nach der Attacke stellte Frau von Storch ihr Bild, wie sie mit Sahne beschmiert war, ins Netz. Doch es gab weniger Mitleid, sondern eher Spott und Häme in ihren sozialen Profilen.

 

Ihr Kommentar auf Facebook war dazu:

 

„Wer keine Argumente hat, der zündet Autos an. Oder schmeißt mir Torten ins Gesicht. Heute in Kassel, während unserer Bundesprogrammkommission. Das ist einfach so fürchterlich armselig. Eigentlich ein Offenbarungseid. Wir! Machen! Weiter!!! PS: Das nächste mal aber lieber Erdbeerkuchen. Sahne macht doch dick.“


Auf der Seite https://tortenbefehl.wordpress.com/ findet man ein Bekennerschreiben und verschiedene Äußerungen zu dieser Aktion.

 

Kein Aktivist will einen Politiker torten. Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Sahnetorten. Und derzeit ist der Gebrauch von Torten das moralische Gebot der Stunde. Der Tortenwurf ist letztes Mittel am Grenzbaum zur Unmenschlichkeit und dringlichster Ausdruck direkter Demokratie.

 

Sogenannte besorgte Bürger sind die steinerne Grabplatte, unter der Demokratie und Menschenrechte begraben liegen. Die Torte ist das Stemm-Eisen, mit dem man diese Grabplatte lüften kann.

 

Es steckt also weitaus mehr dahinter, als eine einfache Lächerlichmachung von Frau von Storch.

 

Mich erinnert das sehr an das antike Scherbengericht, das besonders in Athen genutzt wurde. Dabei wurden Namen der Person auf Tonscherben geritzt, die unliebsam oder zu mächtig in der Politik bzw. Stadt geworden waren.

 

Es handelte sich also um Stimmzettel. Die meistgenannte Person wurde dann für zehn Jahre verbannt, durfte aber sein Hab und Gut behalten und wurde auch nicht gänzlich entrechtet.

 

In anderen Städten handelte es sich um eine geringere Zeit, die die verbannte Person fort sein sollte.

 

Es war also ein direktes demokratisches Verfahren, durch das eine Person ins zeitliche Exil geschickt wurde.

 

Heute gibt es diese direkte Demokratie nicht mehr. Das bedeutet, wenn sich ein Politiker ethisch gesehen nicht sonderlich gut verhält, dann hat man keine Möglichkeit diese Person direkt abzuwählen oder ins temporäre Exil zu schicken.

 

Vor allem das Volk würde sicherlich gerne mehr Mitspracherecht haben – doch dazu ein anderes Mal mehr.

 

Doch nun zu der Aussage von Frau von Storch, dass man keine Argumente hätte, wenn man ihr eine Torte ins Gesicht schmeißen würde.

 

Ich erkenne darin ein direktes Scherbengericht, was dann sehr wohl ein Argument wäre.

 

Diese Clowns Aktionskünstler haben damit ein Zeichen gesetzt, dass sie Frau von Storch als nicht tragbar empfinden und sie mit ihren Äußerungen moralisch und ethisch weit daneben liegt.

 

Ehrlich gesagt halte ich diese Aktion, so kindisch sie für die gehobene Politik (und einige Erwachsene) anmuten mag, für ein gelungenes Statement gegen die Politik der AfD bzw. der Frau von Storch.

 

Aber in einem Punkt muss ich der Frau von Storch zustimmen, Autos anzuzünden halte ich für einen ganz falschen Weg, da ist die Torte ein weitaus besseres Mittel der Äußerung, auch besser, als der früher schon oft benutzte Farbbeutel. Im Gegensatz zur Torte, sind die anderen eher gewalttätige Akte. Anzünden von Dingen beherbergt sehr viel tiefliegende Gewalt, die eines Psychologen bedürfen und auch der Farbbeutel erinnert eher an das Bewerfen mit faulem Obst und Gemüse.

 

Da hat die Torte einen größeren Unterhaltungswert und ist im Akt weitaus weniger martialisch.

 

Zwar fehlt bei dieser Art des Scherbengerichts noch die temporäre Verbannung, doch würden sich mehr Menschen Torten nehmen oder hätten sie die Möglichkeit eines direkten Eingreifens in die Politik, dann würde diese Verbannung ganz automatisch passieren.

 

Besonders die ethisch und moralisch getätigten Äußerungen von Frau von Storch sind meiner Meinung nach sehr fragwürdig. Wobei sie dann natürlich auch behauptete mit ihrer Maus abgerutscht zu sein usw.

 

Als Politiker habe ich Vorbildfunktion, das war früher so, das ist heute so, nur scheinen das viele Politiker vergessen zu haben und wenn ich mir dann einen Fehltritt leiste, muss ich damit rechnen diesen entweder zuzugeben oder ich sitze ihn aus und komme nicht in Beugehaft wie Helmut Kohl.

 

Fehltritte sind menschlich, sich dann nur nicht eingestehen zu können, dass man möglicherweise doch etwas falsch gemacht haben könnte und über das Ziel hinausgeschossen ist, das ist vielleicht der weitaus größere Fehltritt.

 

Diese Aktion gefällt mir, so beleidigend sie vielleicht auch für die Frau von Storch ist.

 

Dennoch setzt die Kreativität, die dahinter steckt und die sich auf ethisches und moralisches Handeln begründet, damit ein deutliches Zeichen:

 

Politik und Meinungsäußerung sind o.k., der Verlust der Menschlichkeit hingegen ist moralisch verwerflich und wird mit einem Scherbengericht dem tortalen Krieg geahndet.

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