Das Märchen vom ewigen Wachstum

Dieses Mal geht es um ein Thema, von dem sich jemand wünschte, dass ich etwas darüber schreiben würde.

 

Die Thematik ist meistens eher in den Wirtschaftswissenschaften anzutreffen und weniger in der Philosophie, dennoch handelt es sich dabei auch um ein philosophisches Thema, wenn auch nicht gleich ersichtlich.

 

In der Ökonomie wird immer nach Wachstum gestrebt. Wachstum bedeutet mehr Einnahmen und damit verbunden mehr Möglichkeiten zur Expansion, aber auch Sicherheit vor eventuellen Fluktuationen, die im Markt vorkommen.

 

Expansion wiederum heißt, dass man einen größeren Markt erschließen und somit noch mehr Geld einnehmen kann – zumindest theoretisch.

 

Man kann sich das wie eine Aufwärtsspirale vorstellen, die immer größer wird und immer mehr Platz einnimmt. So versuchen sehr viele Unternehmen zu agieren und dementsprechend präsent werden sie auf dem Markt.


Dass dieses Vorgehen aber so nicht dauerhaft funktionieren kann, haben schon viele Wirtschaftswissenschaftler erwähnt und bei den Vorhaben der Unternehmen bemängelt.

 

Ein ständiges und dauerhaftes Wachstum einer Firma oder eines Produktes ist nicht möglich, da die Verbreitung endlich ist.

 

Gehen wir mal von 7 Milliarden Menschen aus – dann kann man bspw. ein Mobiltelefon einer Marke und Bauart höchstens 7 Milliarden Mal verkaufen, potentiell auch etwas öfter, da das eine oder andere kaputt geht usw.

 

Es gibt also einige Fluktuationen in dem Markt selbst, doch man ist, wenn man dieses Mobiltelefon so oft verkauft hat, kaum mehr im Wachstum, denn schließlich haben alle eins. Zumindest rein theoretisch.

 

In der Praxis sieht das Ganze etwas anders aus, denn nicht jeder will die Marke A haben, sondern vielleicht Marke B. Oder will vielleicht sogar gar keines haben und verweigert sich dem Konsum dieser Güter. Dann sind es plötzlich nur noch 500 Millionen.

 

Aber bleiben wir erst einmal bei dem Gedanken, dass ein Unternehmen sein Mobiltelefon an alle Menschen der Erde verkauft. Der Markt wäre damit gesättigt, ein weiteres Wachstum wäre nur durch mehr Menschen möglich. Dies scheitert jedoch derzeit an Platzmangel. Dementsprechend ist das Wachstum nicht oder nur kaum vorhanden. Was bedeuten würde, dass ein weiterhin verlangtes Wachstum nicht machbar ist.

 

Aber die Technik wird weiterentwickelt und da die Firmen untereinander konkurrieren, gibt es natürlich nicht nur ein Mobiltelefon, sondern tausende. So oder so ähnlich könnte man für ein weiteres Wachstum argumentieren. Dieser Gedanke stimmt auch und kann so lange standhalten, so lange der Mensch zum konsumieren animiert wird und er das ganze Vorgehen nicht hinterfragt.

 

Dennoch ist ein immerwährendes Wachstum damit nicht gewährleistet, denn spätestens, wenn die Menschen nur noch das kaufen, was sie wirklich benötigen, fällt das Kartenhaus als solches in sich zusammen.

 

Dies bezieht sich jedoch nur auf Güter die man kaufen kann. Hin und wieder hört man auch im Zusammenhang mit der Politik, dass Wirtschaftswachstum wichtig sei und es wird immer weiter nach diesem Wachstum gestrebt.

 

1972 hat Dennis L. Meadows mit dem Club of Rome, eine Studie (The Limits to Growth) ins Leben gerufen, die genau diese Frage nach dem ewigen Wachstum überprüfen sollte. Mit Computern haben sie die verschiedensten Szenarien durchgespielt und sind dabei zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen.

 

Die Studie prognostiziert ein Zusammenbrechen der Weltwirtschaft bis zum Jahre 2100. Faktoren dabei waren, Bevölkerungswachstum, Lebensmittelknappheit, Umweltverschmutzung, Rohstoffknappheit usw.

 

Meadows hat auch Lösungsansätze vorgeschlagen, wie sparsamere Rohstoffkreisläufe, Umweltschutz, Geburtenkontrolle. Nur durch eine Veränderung unserer Gewohnheiten und unserer Sicht auf die Dinge, die wir nutzen, könne man ein stabileres Wirtschaftssystem schaffen.

 

Im Endeffekt weist Meadows auf Nachhaltigkeit hin und ein besseres Zusammenspiel aller teilnehmenden Elemente in diesem Wirtschaftssystem. Doch nicht nur das, gleichzeitig kann man diese Studie auch als Kritik an unserem derzeitigen System ansehen.

 

Reiner Kapitalismus, ohne Rücksicht auf Verluste funktioniert auf Dauer einfach nicht, da die hinterlassenden Schäden potentiell viel zu groß sind oder zu spät die Notbremse gezogen wird.

 

Wenn also die Politiker sagen, man müsse Wachstum schaffen, damit es einem Land oder den Menschen als solchen besser geht, sollte man das mit Vorsicht genießen.

 

Vielleicht könnte man sogar von einer Lüge sprechen, die aber jene, die sie aussprechen, vielleicht selbst noch gar nicht als solche wahrgenommen haben.

 

Meadows entwirft seit 1982 Brettspiele, die die Thematik der Nachhaltigkeit behandelt und wo ein nachhaltiges Verhalten eingeübt werden kann. Man könnte sagen, diese Spiele verändern die Sicht auf die Dinge und hinterfragen das bisherige Verhalten.

 

Um mal in ein anderes Beispiel überzugehen:

 

In Großbritannien gibt es immer mehr Städte, die bspw. ihre öffentlichen Grünanlagen in, für jeden zugängliche Gemüsegärten umwandeln und jeder Bewohner kann sich nehmen was er benötigt, gleichzeitig gibt er auch etwas, sei es dass er selbst etwas für andere anpflanzt oder bei der Gartenarbeit hilft.

 

Durch dieses Verhalten werden andere Strukturen erzeugt.

 

Zwar könnte man jetzt sagen „Die armen Bauern! Dadurch verkaufen sie doch weniger!“, was auch nicht ganz falsch ist, aber gleichzeitig ist es auch besser.

 

Hört sich auf den ersten Blick widersprüchlich an, aber wenn man die Zusammenhänge erkennt, wird es schnell klarer.

 

Gehen wir mal von einer kleinen Stadt aus, die ihre gesamten öffentlichen Grünanlagen für den Anbau von Obst und Gemüse freigibt, welche die Bewohner auch komplett nutzen. Die Bewohner kaufen also weniger im Supermarkt ein, was die Nachfrage bei der Erwirtschaftung der Menge bei den Bauern sinken lässt.

 

Das bedeutet wiederum, dass der Bauer nicht mehr so viel produzieren muss. Die Monokultur wird verringert und der Druck auf den Bauern, unbedingt die Menge X aus dem Ertrag zu holen, gemindert. Das bedeutet auch, dass der Bauer ganz andere Methoden für seine Felder benutzen kann, sprich: ökologischere.

 

Die Notwendigkeit von Pestiziden u.ä. wird verringert und die Qualität steigt.

 

Wir könnten also weitaus naturnaher und nachhaltiger leben, ohne jedoch an unserem Komfort stark einbüßen zu müssen.

 

Viel hilft nicht immer viel, das gilt besonders in unserer stark Monokultur zentrierten Zeit.

 

Das gilt ebenso für das immer auf Wachstum ausgerichtete System, was nachweislich so nicht funktionieren kann und wird.

 

Interessanterweise passt dieser Artikel, zu meinem vorherigen, der sich mit einer ähnlichen Thematik beschäftigte.

 

Beenden möchte ich meinen heutigen Beitrag mit einem Zitat (wird seltsamerweise immer wieder Aristoteles zugeschrieben) von Sokrates , der es ganz gut auf den Punkt bringt, wie wir uns mal unsere Wirtschaft und unser Konsumverhalten überdenken sollten.

 

Was es alles gibt, was ich nicht brauche.“ - Sokrates -

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Birgit Rosenbaum (Montag, 07 März 2016 06:50)

    Natürlich gibt es kein unendliches Wachstum, das muss jedem mit "normalem" Verstand klar sein. Mich verblüffen immer wieder Wachstumsprognosen, die höher und höher werden. Das kann auf die Dauer nicht gutgehen. Aber die Gier der Menschen – gerne der Konzernleitungen, aber auch der Politik –, ist verblendet von der Aussicht auf Geld, auf noch mehr Geld und noch mehr. Da schaltet sich einfach manchmal das Hirn ab und alle hören nur die Kasse klingeln. Das die Suche nach Wachstum irgendwann endlich, ist scheint vielen nicht einzuleuchten.