- Do you think animals believe in God? -

2003 kam mit einer CD von dem Musiker Marilyn Manson ein Kurzfilm mit dem Namen Doppelherz heraus. Dort stieß ich das erste Mal auf die Frage, ob man selbst denke, dass Tiere an Gott glauben würden.

 

Schon 1980 fragte die Post-Punk Band Pink Military etwas ähnliches auf ihrem Album-Cover (Do animals believe in God?).

 

Die Frage stellte sich auch schon lange vor 1980 in der Philosophie, wo es dabei um die Frage nach der Seele, des Geistes und den Rechten von Tieren ging. Ebenso wurde des öfteren die Beseelung von Pflanzen diskutiert, die heute jedoch nicht Gegenstand des Themas sein soll.

 

Es geht vielmehr um die Frage, ob Tiere potentiell wirklich an eine Art Gottheit glauben könnten. Da sie uns sich nur bedingt mitteilen können, bleibt uns entweder das Rätselraten oder das Forschen. Letzteres gestaltet sich natürlich recht schwierig, kann aber dennoch funktionieren.

 

In diesem Fall geht es dabei um eine wilde Schimpansenart, die dabei beobachtet wurde, wie sie potentiell Rituale vollzieht. Ich benutze hier das Wort „potentiell“, da die Forschung und Interpretation von Daten auch immer wieder subjektive Ideen miteinbezieht.

 

Dabei handelte es sich um Schimpansen, die nicht in einem abgesicherten Raum lebten, wie bspw. einem Zoo, sondern lebten wie alle anderen in einem Wald in der Republik Guinea. Auch wurde diese Schimpansenart bislang nicht näher untersucht.


 

Während eines Ausfluges entdeckten die Forscher etwas interessantes. Es handelte sich dabei um einfache Markierungen an einem Baumstamm. Normalerweise hätten sie es übersehen, wenn sie nicht darauf hingewiesen worden wären, da es nicht auffällig war und in der Landschaft untergegangen wäre.

Einige der Mitreisenden dachten, dass es sich vielleicht um Abschabungen von Wildschweinen handeln könnte, wenn sie sich am Baum schubbern. Andere dachten, es könnte sich um die Überreste von Teenagern handeln, die herumgealbert haben.

 

Doch der Reiseführer hatte da eine andere Vermutung, weswegen eine Kamerafalle (die automatisch filmt, wenn sich etwas vor dem Bewegungsmelder bewegt) aufgestellt wurde, um zu beobachten worum es sich bei diesen Markierungen handeln könnte.

 

Heraus kam, dass es sich dabei um ein Verhalten von Schimpansen handelte, welches so noch nie gesehen wurde.

 

Die Affen kamen meist sehr langsam auf den Baum zu, pausierten dann kurz, schauten sich um, nahmen einen großen Stein auf und bewarfen damit den Baumstamm.

 

Seit den 1960er Jahren wurden Schimpansen bei den unterschiedlichsten Verhaltensweisen beobachtet; wie sie Blätter, Stöcke und auch Steine benutzten, um an Essen zu kommen.

 

Sie wurden sogar dabei beobachtet, wie sie Steine warfen, um ihre Kraft zu demonstrieren und ihre Stellung in der Gruppe zu festigen.

 

Das auf Video festgehaltene Material ist aber weder zur Futtergewinnung, noch zur Statusbehauptung in der Gruppe anzusehen, deshalb stellt sich die Forscherin die Frage, welchen Zweck dieses Verhalten wohl hat.

 

Zudem fand man heraus, dass sich nicht nur diese Gruppe so verhalten hat oder es sich potentiell um eine einmalige Sache handeln könnte, sondern, dass sich dieses Verhalten über die Gruppe hinaus erstreckte.

 

Die Forscherin Laura Kehoe hat zu ihrer Entdeckung zwei Theorien.

 

Es wäre möglich, dass es sich dabei doch um ein Männlichkeitsritual handelt, da in anderen Regionen wo dieses Verhalten bei den Schimpansen nicht gesehen wurde, gleichzeitig aber auch viel mehr Lianen vorhanden sind. In diesen Regionen trommeln sie mit ihren Händen und Füßen auf Lianen ein, um ihren Status in der Gruppe zu behaupten.

 

Es ist quasi eine Ersatzhandlung, für die nicht vorhandenen Lianen. Der dumpfe Knall der dabei entsteht ist ein Merkmal für die Stärke.

 

Die andere Theorie, von Kehoe geht in eine eher Richtung, die weitaus symbolischer sein könnte, denn gemessen an der Menschheitsgeschichte hatten Markierungen von Gebieten und Territorien schon immer eine starke Bedeutung.

 

Gleichzeitig wurde jedoch auch entdeckt, dass die Schimpansen eine Art Schrein erstellt haben, die möglicherweise auf heilige Bäume hinweisen könnten. Ähnlichkeiten gibt es zu westafrikanischen indigenen Völkern, aber auch auf der ganzen Welt verteilt.

 

Aufgrund dieser Entdeckungen, sollten wir uns wirklich die Frage stellen, ob Tiere religiös sein könnten, denn mich erinnert diese Verhaltensweise sehr an Freuds „Totem und Tabu“.

 

Und wenn Tiere religiös sein können, ab welchem Punkt sind sie es? Bevor sie einen Schrein bauen oder erst danach?

 

Wenn Tiere religiös sein können, entscheiden sie es selbst, ob sie es sind oder sind sie es von Natur aus?

 

Müsste man spätestens dann den Tieren nicht auch Geist und Seele zusprechen?

 

Wo würde man die Grenze ziehen wollen?

 

Das sind Fragen, mit denen man sich in Zukunft wieder mehr beschäftigen muss, besonders im Bezug auf die Massentierhaltung und Tierhaltung im Allgemeinen.

 

Ebenso unser allgemeines Verhalten auf der Welt und auch über das was wir möglicherweise für immer zerstören.

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