Wer wagt gewinnt - oder doch nicht?

 

Manchmal stolpert man ja im Alltag über philosophische Fragen oder Themen, die nicht immer ganz offensichtlich sind.

 

Dann und wann kann das ziemlich verwirrend sein, wenn man nicht alles was gesagt oder propagiert wird, einfach so hinnimmt, sondern hinterfragt.

 

 

 

Vor einigen Monaten stieß ich auf ein Schild, dass in einer Sparkassenfiliale hing. Damals fotografierte ich das Schild und vergaß es dann. Letztens stand ich in der gleichen Filiale und da hin das Schild noch immer.

 

Dieses Mal habe ich wieder ein Bild davon gemacht und so gleich angefangen den Text hier zu verfassen, weil ich es sonst wahrscheinlich wieder vergessen würde.

 

 

 

Das Schild sagt dem Leser:

 

 

 

„WER

 

(keinen Blick in die Zukunft)

 

WAGT,

 

GEWINNT

 

(im Leben nur an Sorgenfalten).“

 

 

 

Captain Capslock lässt grüßen, aber gut.

 

 

 

Auf diesen Satz schaue ich etwas argwöhnisch und das nicht nur wegen Captain Capslock.

 

Eigentlich sind es ja mehrere Sätze und Aussagen, das ist zwar sicher auch so gewollt, aber oftmals nicht schön, vor allem wenn man dann anfängt es kritisch zu betrachten, denn dann entstehen ganz neue, teils auch amüsante Sätze.

 

 

Erst einmal der Satz auf den es dem Werbenden hauptsächlich ankam:

„Wer wagt, gewinnt.“

 

 

 

Als Optimist könnte man sagen: „Ja, das stimmt in jedem Fall.“

 

 

 

Als Kritiker hingegen würde man vielleicht sagen: „Kommt darauf an.“

 

 


 

Beziehen wir uns mal hierbei nur auf Geld, worum es dem Anbieter ja geht. Ich wage also eine Investition und gewinne vielleicht etwas dazu, dann freut mich das, weil ich aus etwas Wenigem Mehr machen konnte.

 

Habe ich aber dabei verloren, dann gewinne ich höchstens an Erfahrung, was das Unterfangen, aber nicht unbedingt toller macht. Wobei man auch wenn man verloren - trotzdem gewonnen hat, auch wenn nicht mehr an Geld.

 

Das bedeutet aber gleichzeitig, dass ich, auch wenn ich etwas wage, nicht unbedingt gewinne, zumindest nicht das, was mit dem Wagnis erreicht werden soll.

 

 

 

Also ist der Satz schon mal sehr zwiegespalten.

 

 

 

Nehmen wir nun den ganzen Satz:

 

 

 

„Wer keinen Blick in die Zukunft wagt, gewinnt im Leben nur an Sorgenfalten.“

 

 

 

Die Zukunft als solches ist komplett ungewiss. Dass was wir uns heute vorstellen, wie es übermorgen sein soll, ist nur eine Phantasie und kann morgen schon ganz anders aussehen.

 

Das bedeutet auch, dass, wenn wir uns immer wieder über die Zukunft Gedanken machen, es nur Vermutungen sind, wie etwas werden könnte oder wie wir es gerne hätten, dass etwas nach unseren Vorstellungen ist.

 

Gleichermaßen heißt das auch, dass wir uns Sorgen über das Bevorstehende machen können. Der Blick in die Zukunft muss also nicht immer positiv sein.

 

 

 

Damit gibt es jedoch auch die Möglichkeit der Sorgenfalten, weil man vielleicht etwas als nicht gut in der Zukunft ersieht.

 

 

 

Der Satz könnte also genauso gut „Wer (k)einen Blick in die Zukunft wagt, gewinnt im Leben nur an Sorgenfalten.“ heißen.

 

 

 

Wenn ich mir immer Gedanken über meine Rente mache oder über andere Themen, die absolut ungewiss sind, dann kann die Menge an Sorgenfalten durchaus steigen.

 

 

 

Der Satz lässt sich inhaltlich auch noch etwas umdekorieren, was das ganze noch etwas amüsanter macht:

 

 

 

„Wer wagt, gewinnt im Leben nur an Sorgenfalten.“

 

 

 

oder

 

 

 

„Wer keinen Blick in die Zukunft wagt, gewinnt.“

 

 

 

Das kommt davon, wenn man versucht mit so einem Satz Werbung zu betreiben.

 

Natürlich hat die Werbeabteilung ihr eigentliches Ziel erreicht: Es wird, wie in meinem Fall darüber geredet.

 

Doof eben nur, dass man als kritischer Mensch die Intention eines Unternehmens hinterfragt und somit die Werbung ziemlich ins Leere läuft.

 

 

 

Sicher werde ich hier jetzt nicht negativ über das Unternehmen herziehen, das ist auch nicht meine Absicht.

 

Vielmehr finde ich es wichtig, dass man fragt, was eine Werbung will und was die Absicht eines Unternehmens dabei ist bzw. ein Anbieter wird mir nicht einfach so etwas geben, schließlich muss dabei auch etwas für das Unternehmen als solches herausspringen.

 

 

 

Bislang habe ich auch noch keinen Millionär getroffen, der mir einfach so was von seinem Geld abgegeben hat oder mir ein Haus schenkt (auch wenn es solche Fälle gibt).

 

 

 

Wir konsumieren tagtäglich massiv die unterschiedlichsten Werbearten und -formen. Hin und wieder kann es da also nicht schaden, wenn man sich die Werbung genauer anschaut und kritisch hinterfragt.

 

 

 

Manchmal fällt einem dabei sicher auf, wie seltsam oder vielleicht sogar absurd Werbung sein kann. Ob gewollt oder ungewollt sei dahingestellt. Doch wenn wir uns täglich mit solchen Botschaften umgeben, ist es natürlich nicht verkehrt, wenn wir sie einfach mal betrachten.

 

 

 

Besonders weil viele Menschen immer wieder von sich behaupten „Ich lasse mich nicht von Werbung beeinflussen“, selbst wenn Studien da auf ganz andere Ergebnisse kommen.

 

 

Möglicherweise lassen wir uns ja auch einfach mehr von Werbung beeinflussen, weil wir uns damit zu wenig beschäftigen und somit zwar damit umgeben, aber im Eigentlichen gar nicht wissen was da so alles passiert.

 

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