- Pokémon GO oder wie man spielend seine Daten verbreitet –

Zurzeit ist ja Pokémon GO ständig in den Medien zu finden. Schon bevor es überhaupt offiziell in Deutschland zu haben war, konnte man bei Facebook beobachten, wie immer mehr Leute darüber berichteten.

 

 

 

Vor einigen Tagen nun, wurde es auch in Deutschland zum Spielen freigegeben und seitdem hat man (nicht nur auf Deutschland bezogen) das Gefühl alle seien außer Rand und Band. Sowohl die privaten als auch die Medienberichte überschlagen sich beinahe und dabei bekommt an leicht das Gefühl, alles würde durcheinanderlaufen.

 

Doch mal ganz zum Anfang, damit auch jeder weiß worum es eigentlich geht: Pokémon GO ist ein Spiel das auf dem Spiel Pokémon (jap. Poketto Monsutā; engl. Pocket Monsters; dt. „Taschenmonster“) basiert, grob gesagt, auf der Idee durch eine Phantasiewelt zu reisen und dort verschiedenste Pokémon einzusammeln, sie zu trainieren und gegeneinander kämpfen zu lassen.

 

In dieser Welt warten die unterschiedlichsten Abenteuer auf den Spieler und somit auch immer neue Herausforderungen. Ziel ist es, der beste Pokémontrainer zu werden und dabei auch gleich noch die Bösewichte in Schach zu halten.

 

Anfänglich war dieses Spiel eigentlich hauptsächlich auf Handheld-Konsolen, wie den Game Boy beschränkt, wenn es auch später auf größeren Spielekonsolen zu finden war.

 

 

Bild: Deviant Art; User: DrZurnPhD; Quelle



Nun entdeckt man das Spiel auf vielen Smartphones wieder und es löst somit eine Hysterie sondergleichen aus. Viele die Pokémon gar nicht kannten, sind ebenso diesem Spiel verfallen, wie auch „Erwachsene“ in den 30ern, die potentiell schon lange dieses Spiel verfolgen bzw. damit aufgewachsen sind.

 

 

 

Neben analogen Spielen, die man draußen ausüben kann (seit hunderten Jahren erprobt) zieht dieses Spiel nun auch die Gamer nach draußen ans Tageslicht (wahlweise auch in den Mondschein). Vom Prinzip her gar nicht so verkehrt, denn sich zu bewegen ist immer was Gutes und dabei ist es egal welche Figur der jeweilige Spieler hat. (Wobei man das Spiel aber auch von Zuhause aus spielen kann und sich nicht nach draußen begeben muss.)

 

 

 

Doch das Ganze nimmt derzeit einige, doch schon seltsam anmutende Züge an. Bei Pokémon GO ist nun noch der Faktor der Bewegung hinzugekommen, weil das GPS mitbenutzt wird und man sich damit sozusagen in der Pokémon-Welt selbst bewegt. Also nicht wie vorher, wo man nur auf den Bildschirm schaute und die Figur von außerhalb bewegte, sondern jetzt ist man selbst die Figur geworden und bewegt sie durch sich selbst (wenn nicht gerade das GPS die Figur von alleine laufen lässt).

 

Wenn nun aber die Spieler geistig zu sehr in diese Welt abtauchen, dann kann es schon einmal passieren, dass jemand nachts durch den Garten irgendwelcher Leute streift. Dabei muss es sich nicht unbedingt um einen Zombie, Perversen oder Einbrecher handeln, sondern ist vielleicht nur jemand der Pokémon GO spielt und sich gerade eins dieser Monster fangen möchte.

 

 

Da nun aber nicht alle Menschen davon so begeistert sind, wenn Fremde auf ihrem Grundstück rumstromern oder auch nicht von Pokémon GO gehört haben, kann es zu den unterschiedlichsten Auseinandersetzungen kommen.

 

 

An einem Treffpunkt wurden die Spieler mit Wasserbomben und Eiern beworfen, weil es durch sie nicht nur zur Lärmbelästigung kam, sondern der Bereich mit vermüllt hinterlassen wurde und dubiose Handyakkuverkäufer auftauchten.

 

 

Bei einem anderen Fall kam es dazu, dass der Hausherr zwei Gestalten in seinem Garten entdeckte und mit einem Baseballschläger attackierte, weil er dachte es handele sich um Einbrecher.

 

 

Wieder ein anderer Spieler viel ins Wasser, da er so konzentriert auf sein Spielen war.

 

 

Auch einen Überfall soll es schon gegeben haben, wo jemand (von Hackern?) an einen bestimmten Punkt gelockt und ausgeraubt wurde.

 

 

 

Hier und da sind solche Nachrichten zwar skurril und manchmal sogar amüsant zu lesen, aber auch nur, weil bislang noch nichts zu Extremes passiert ist (zumindest bis dato, habe ich nichts gelesen, was aber nichts heißt) und auch ohne jetzt verschwörerisch klingen zu wollen: es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit.

 

 

 

Jetzt könnte manch einer meinen, dass ich das zu schwarzsehe, aber überlegen wir doch mal – wer so vertieft ist in ein Spiel und die Umgebung nur noch schemenhaft wahrnimmt, der nimmt auch nicht die Gefahr wahr, die da potentiell auf einen lauern könnte. Kinder können bspw. bestimmte Situationen noch gar nicht richtig kalkulieren oder vorausahnen, weil sie nicht die Erfahrung eines Erwachsenen haben. Wobei sich in das in beiden Fällen nicht viel nehmen wird, da sowohl der Erwachsene, als auch das Kind unkonzentriert die Umgebung erfassen.

 

 

 

Doch nicht nur das, betrachten wir mal das Spiel als solches: Es ist Kurzweil und füllt eher ein Sommerloch, als dass es wirklich viele der derzeitigen Spieler zu echten Pokémonfans machen wird; auch wenn das die Nintendo-Aktien freut.

 

 

 

Doch wie sieht es eigentlich mit dem Drumherum aus?

 

 

Weiß jeder, der dieses Spiel installiert hat, wirklich welche Berechtigungen auf dem Gerät freigegeben werden?

 

Wissen alle Eltern, deren Kinder dieses Spiel spielen, dass es sogenannte „In-App“ Käufe gibt, die Geld kosten und mit denen man im Spiel schneller und einfacher vorankommt?

 

 

Viele machen sich über die GPS-Ortung auch kaum Gedanken, dabei scheint es Pläne zu geben geobasierte Werbung im Spiel zu schalten und zudem auch in Zukunft Treffpunkte vergeben werden sollen. Das heißt, wenn ich mein Unternehmen in der Stadt bekannter machen möchte, dann könnte ich in der Zukunft den Bereich vor meinem Laden als wichtigen Punkt markieren lassen und somit zum Anziehungspunkt werden.

 

 

 

Gut, GPS-Ortung ist das eine, doch auch ist die Kamera für das Spiel freigegeben. Sicher, nicht jeder benutzt sie oder hat sie im freien Sichtfeld, da z.B. die Schutzhülle davor ist.

 

Also man weiß per GPS wo sich die Person befindet und was sie sich gerade anschaut. Vielleicht sitzt sie in der Wohnung und spielt gerade das Spiel oder ist bei einem Freund.

 

Diese Daten werden fleißig gesammelt und man merkt es nicht einmal wirklich.

 

 

 

So kann man spielend leicht seine Daten ungefiltert weitergeben, die dann fleißig gesammelt und verarbeitet werden. Zwar gibt es schon Ideen und Ansätze, wie so eine Sammelwut umgangen werden kann, aber das Gelbe vom Ei ist es bislang nicht.

 

 

 

Viele Spieler machen sich nicht wirklich Gedanken darum, was das eigentlich für eine massive Datenkrake ist, die sie sich dort zugezogen haben.

 

Natürlich versucht der eine oder andere das zu relativieren, schließlich sei Facebook oder WhatsApp auch eine Datenkrake, was auch richtig ist, aber als Argument ist es eben nicht haltbar.

 

 

 

Wenn ich bei Facebook etwas einstelle, dann habe ich das aktiv getan, sei es Text oder Bild, dann war es meine aktive Entscheidung einem Unternehmen Zugang, zu dem was ich da veröffentlicht habe, zu gewähren.

 

Bei WhatsApp kann ich das auch machen, in dem ich bspw. einen anderen Messenger oder die Verschlüsselung benutze (gehen wir einfach mal davon aus, dass die Verschlüsselung auch funktioniert und nicht vom Unternehmen umgangen wird – ich weiß blauäugig). Aber ja, auch bei diesen beiden weiß ich nicht genau, was mit den Daten passiert.

 

 

 

Der Unterschied ist jedoch unter anderem das aktive Benutzen des GPS und der Kamera.

 

Das eigentlich perfide an dem Spiel ist, dass es genau diese Daten (und sicher auch noch andere) sammelt, benutzt und man sie als Spieler noch völlig gedankenlos und spielerisch abgibt. Und dabei weiß ich derzeit gar nicht mal, was noch alles an Daten gesammelt wird, bei diesem Spiel. Vielleicht Gerätenummer, Telefonnummer, Nachrichten, Aktivzeiten, E-Mails usw., man weiß es nicht genau.

 

Wenn man ein Pokémon fängt denkt man eher nicht daran „Oh jetzt ist die Kamera an, vorsichtig sein, damit nicht meine ganze Umgebung aufgenommen wird“, sondern man denkt eher „Oh, cooles Pokémon, das hab‘ ich noch nicht.“

 

 

 

Man wird zum (gedankenlosen) Werkzeug einer Firma, die einem zukünftig dann netterweise noch die passende Werbung einblendet.

 

 

 

„Leere Gehirne dürsten nach Lärm.“

(Hans Kasper, Abel, gib acht)

 

 

 

Natürlich könnte man mir jetzt vorwerfen, dass ich das ganze viel zu schwarzsehe und es eigentlich gar nicht so schlimm ist. Klar, mir macht es auch Spaß zu spielen, wobei ich dann aber eher traditionell den PC oder die Konsole bevorzuge, da habe ich sogar die Möglichkeit die Sammelwut einzuschränken und zu kontrollieren.

 

Auch sind einige Gefahren bspw., dass ich blind in den Verkehr laufe minimiert, weil ich durch PC oder Konsole einfach Ortsgebunden bin.

 

 

 

Spielen als solches ist sogar sehr förderlich und da ist es egal, ob ich das mit Bauklötzen mache oder ein Videospiel spiele. Das hat man auch schon in Studien in Bezug auf ältere Menschen und Videospiele herausfinden können, wo nicht nur Hand-Augen-Koordination verbessert werden konnte, sondern auch das Gesamte Gehirn eine Verbesserung erfährt.

 

Doch wie das Max-Planck-Institut Berlin dazu anmerkte, könnte der Teufel im Detail liegen, da es so unglaublich viele Spiele gibt. Was aber auch Anlass ist, in diesem Gebiet weiter zu forschen.

 

 

 

Aber die Gedanken- und Sorglosigkeit, die im Fall Pokémons GO praktiziert wird, halte ich für sehr gefährlich und fragwürdig. Vor allem weil sich viele der Menschen, die vorher Pokémon nicht einmal kannten, von dieser Hysterie infizieren lassen, ohne nur mal kurz den Verstand einzuschalten und das Produkt, oder was damit bezweckt werden könnte, als solches zu hinterfragen.

 

 

 

Auch das massive fixiert-sein, auf das Handy und weniger von der Umwelt mitzubekommen sehe ich als einen sehr schwierigen Faktor, denn als Philosoph stellt sich mir die Frage:

 

 

Wie sehr ist man selbst oder sich selbst bewusst, wenn man in eine virtuelle Welt abdriftet, in der man kaum Raum für Individualität hat und in der man nur wenig wirklich agieren kann?

 

 

 

Doch bis wir herausfinden was da wohl noch so alles passiert, lasse ich einfach mal folgendes Zitat vom römischen Satiriker Juvenal aus „Satiren“ (X, 81) wirken, vielleicht denkt ja der eine oder andere darüber nach:

 

 

Panem et circenses.“ – „Brot und Spiele.“

 

 

 

 

 

 

(Hinweis: Genutzte Stereotypen sind Absicht und dienen in diesem Fall dem Humor)

 

Besonderen Dank gilt DrZurnPhD für die Erlaubnis, das Bild verwenden zu dürfen.

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Dudenbaum (Montag, 08 August 2016 06:39)

    Sehr schön, habe ich gleich mal verteilt.