Stereotyper Satanismus

Die letzten Wochen war es ja recht still um das Denkatorium, da ich privat sehr eingespannt war.

 

Doch gestern entdeckte ich einen Artikel, bei dem sich mir meine wenigen Haare sträubten.

 

In dem Artikel ging es um ein Grab, in der Stadt Obertshausen, welches geschändet wurde. Nun stellten sich die Leute und Journalisten die Frage, wer könnte das nun gewesen sein.

 

Dazu wurde dann ein „Experte“ (Andreas Schipper) befragt.

 

Ja, die Anführungszeichen sind beabsichtigt und berechtigt. Denn besagter „Experte“ meinte, dass „Die Verwüstungen, die dort geschehen sind, insbesondere das Beschmieren des Bildes und des Namens mit Graberde, könnten auf die Tat von Satanisten hindeuten.“ (Quelle: Extratipp)

 

Weiter: „Diese Leute leben in einer Traumwelt. Darin sehen sie böse Dämonen und Satan als real an und wollen diesen mit bestimmten rituellen Handlungen imponieren.“ (Quelle: Extratipp)

 

In meinem derzeit noch zu schneidenden Podcastartikel greife ich den Begriff des Stereotypen auf.

 

Unter Stereotyp versteht man eine „präsente Beschreibung von Personen oder Gruppen, die einprägsam und bildhaft ist und einen als typisch behaupteten Sachverhalt vereinfacht auf diese bezieht. Sie sind gleichzeitig relativ starre überindividuell geltende beziehungsweise weit verbreitende Vorstellungsbilder.“ (Quelle: Wikipedia)


Also in dem Fall des Satanismus-Stereotyps versteht man bspw. darunter, schwarz gekleidete Menschen, die Gräber schänden, Tiere und Menschen töten/opfern, Rituale abhalten, an einen personifizierten Satan glauben und sich im Zwielicht bewegen. (Das führe ich dann in meinem Podcast noch weiter aus)

 

Dieses Stereotyps bedient sich dann auch benannter „Experte“, der dahingehend, soweit ich das gesehen habe, keinerlei religionswissenschaftliche Ausbildung hat.

 

Das Problem dabei ist, dass sich jeder dahergelaufene Wicht Experte nennen kann. Sei es für Aliens, Yoga, Ernährung, Finanzen oder Parapsychologie.

Jener „Experte“ beschäftigt sich mit der Parapsychologie und hat sogar so eine Art Team zusammengestellt. Was gleichzeitig ein weiteres Problem darstellt, denn die Parapsychologie wird eher als eine Art Pseudowissenschaft gesehen.

 

Als Religionswissenschaftler habe ich massive Probleme damit, dass dieser „Experte“ sich so äußert und ich werde mich auch an die Redaktion von Extratipp wenden (Updates werde ich unter diesen Artikel posten). Denn er ist kein Experte.

 

Nicht mal ich selbst würde mich als Experte bezeichnen, weil es Religionswissenschaftler gibt, die sich noch viel intensiver damit beschäftigt haben, als ich selbst. Gleichwohl gelte ich wahrscheinlich schon als Experte, nur weil ich einen meiner Schwerpunkte in diesem Bereich habe.

 

Jetzt hat man jedoch wieder einen Artikel der ein allgemeingültiges Urteil über Satanismus und Satanisten fällt, ohne wirklich Tiefe zu besitzen oder gar den Ansatz von Kenntnissen.

 

Als Religionswissenschaftler spreche ich dem „Experten“ seine wirkliche Expertenrolle ab, weil er eine Pseudowissenschaft betreibt und sich seinen Aussagen nach auch nicht mit dem Thema des Satanismus‘ beschäftigt hat, sondern nur stereotype Äußerungen dazu zu kennen scheint.

 

Der Otto-Normal-Leser (der ich ja in anderen Bereichen auch bin) kann bei Experten oft nur schwerlich zwischen einem echten und einem selbsternannten Experten unterscheiden.

 

Was die Rolle des Experten umso gewichtiger macht und im Vorfeld geprüft werden sollte, damit sich nicht jemand einschleicht, der von der Thematik keine oder nur eine vorgefertigte Meinung hat.

 

Das ist in diesem Fall leider nicht geschehen und ist ein ziemlicher Tiefschlag, sowohl für alle echten Experten, Satanisten und die Wissenschaft als solche.

 

Link zum Ursprungsartikel

 

 

Update 1

Hier meine offizielle Beschwerde über diesen Artikel. im Wortlaut an einigen Stellen ähnlich wie mein Artikel zuvor:

 

"Sehr geehrte Redaktion der Extra Tipp,

 

ich wende mich an Sie, aufgrund Ihres Artikels vom 26.11.2016, in dem es um ein verwüstetes Kindergrab ging und möchte mich hiermit offiziell über den „Experten“ Andreas Schipper beschweren.

 

Als Religionswissenschaftler, mit Schwerpunkt Satanismus, muss ich dem benannten „Experten“ seine Expertenrolle absprechen, da er zum einen nur eine Pseudowissenschaft betreibt und zum anderen seinen Mangel an fundiertem Wissen mit Stereotypen ausgleicht, die so nicht haltbar und wissenschaftlich schon lange widerlegt sind.

 

In dem Fall des Satanismus-Stereotyps versteht man bspw. u.a. darunter, schwarz gekleidete Menschen, die Gräber schänden, Tiere und Menschen töten/opfern, Rituale abhalten, an einen personifizierten Satan glauben und sich im Zwielicht bewegen.

 

Dieses Stereotyps bedient sich dann auch benannter „Experte“, der dahingehend, soweit ich das gesehen habe, keinerlei religionswissenschaftliche Ausbildung hat.

 

Das Problem dabei ist, dass sich jeder dahergelaufene Wicht „Experte“ nennen kann. Sei es für Aliens, Yoga, Ernährung, Finanzen oder Parapsychologie.

Jetzt hat man jedoch wieder einen Artikel der ein allgemeingültiges Urteil über Satanismus und Satanisten fällt, ohne wirklich Tiefe zu besitzen oder gar den Ansatz von Kenntnissen.

 

Der Otto-Normal-Leser (der ich ja in anderen Bereichen auch bin) kann bei Experten oft nur schwerlich zwischen einem echten und einem selbsternannten Experten unterscheiden. Was die Rolle des Experten umso gewichtiger macht und im Vorfeld geprüft werden sollte, damit sich nicht jemand einschleicht, der von der Thematik keine oder nur eine vorgefertigte Meinung hat.

 

Das ist in diesem Fall leider nicht geschehen und ist ein ziemlicher Tiefschlag, sowohl für alle echten Experten, Satanisten und die Wissenschaft als solche.

 

Die Aufgabe von Zeitungen bzw. Journalisten sollte es sein, objektive Berichte zu schaffen, damit sich der Leser ein Bild machen kann von etwas. Hier wurde dem Leser ein Bild vorgegeben und gehegte Vorurteile nur bestätigt.

 

Das sollte zu denken geben, besonders in Bezug auf Experten. Da gibt es weitaus bessere Quellen, die als Experten dienen können.

 

Da ich auf meinem Blog über das Thema Satanismus auch immer wieder etwas schreibe, werde ich auch diesen Artikel thematisieren müssen und die Rolle solcher Experten. Natürlich mit dem Hinweis, dass ich mich an Sie als Redaktion gewandt habe.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Max Rosenbaum M.A.

Philosoph und Religionswissenschaftler"

Update 2

Ich gebe das jetzt etwas frei wieder, da meine Erkältung mich immer noch ziemlich im Griff hat.

Sollte in meinen Ausführungen nicht stimmen, dann dürfen sich gerne die Betroffenen Personen melden und ich nehme Korrekturen vor.

 

Nur noch zuvor eine kurze Anmerkung:

Ich bin kein Mitglied der Brotherhood of Samael, die sich ebenso über diesen Artikel bei der Zeitung beschwert hat (und wodurch ich auf den Artikel aufmerksam wurde). Bei dieser Gruppe handelt es sich um eine religiöse Interessengemeinschaft, die unterschiedliche satanistische/luziferanische Philosophien kultiviert. Jedoch stehe ich mit der Gruppe in Kontakt, da sich mich wissenschaftlich an sich teilhaben lassen. Dazu werde ich zu einem anderen Zeitpunkt mehr in meinem Podcast berichten.

 

Gestern wurde ich gebeten, der einfachheit halber in der Redaktion anzurufen, damit der Journalist des Artikels und ich uns unterhalten können.

 

Es war ein sehr nettes Gespräch, was auch auf einer sachlichen Ebene abliefund ich als positiv empfand.

 

Er bestätigte mir, dass ich es richtig sehe und Journalismus immer versuchen sollte objektiv zu bleiben, so dass sich der Leser ein eigenes Bild schaffen kann. Doch er wies dabei auch darauf hin, dass wenn man bspw. drei Leute befragt, man ein dementsprechendes Bild bekommt.

Nun kommt aber eine vierte Person hinzu und behauptet, dass etwas in diesem Bild nicht stimmen würde und verändert dieses Bild, von dem man eigentlich ausging, dass es stimmen würde.

 

Damit hat er nicht ganz unrecht. Wenn ich als Journalist versuche ein objektives Bild zu schaffen, dann muss ich mich auch auf verschiedene Leute verlassen können und das was sie mir erzählen. Dementsprechend formt sich das Bild.

 

In diesem Fall ist es leider etwas unglücklich gelaufen, wo ich ihm selbst auch kein Vorwurf mache.

 

Der nette Journalist bat mich darum einen kleinen Leserbrief zu schreiben, in dem ich kurz auf die Thematik eingehe, da es in Zukunft einen weiteren Artikel geben wird. Natürlich hätte ich viel weiter ausholen müssen, aber ich denke das Wesentliche ist untergekommen.

 

--------------------------------------------

 

"Mit leichter Irritation las ich den Artikel über die Grabschändung in Obertshausen, wo vermutet wird, dass dort Satanisten am Werk gewesen sein könnten.

 

Da die Thematik des Satanismus‘ weitaus komplexer und vielschichtiger ist, wäre es zu einfach so früh zu sagen, wer oder was für eine Gruppierung sich dort an dem Grab ausgelassen hat.

 

 

Gerade der autarke und achristliche Satanismus distanziert sich von solchen Taten, weil diese auch gar nicht Bestandteil der jeweiligen religiösen Ausrichtung ist.

 

 

Trotz der Kategorisierung der Art des Satanismus, gibt es dabei noch unterschiedliche Gruppierungen. Es handelt sich also dabei nicht nur um einen einzigen Satanismus, sondern unterschiedliche Arten, die aber einem Bereich, obgleich ihrer unterschiedlichen Ansichten zu bestimmten Themen, zugeordnet werden können.

 

 

Im Fall der Grabschändung würde da eher ein unreflektierter, reaktiver Jugendsatanismus, der eigentlich kein Satanismus als solcher ist, sondern sich hauptsächlich auf einzelne okkulte Praktiken bezieht, in Frage kommen – wenn denn überhaupt eine annähernd religiöse Absicht unterstellt werden kann.

 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

M. Rosenbaum M.A.

 

Philosoph & Religionswissenschaftler

 

Hannover"

 

 

---------------------------------------------

 

Ich weiß, hört sich für mich selbst auch sehr wissenschaftlich an, aber genau das ist das Problem dabei: es ist ein wissenschaftliches Thema.

 

Und normalerweise müsste man es auseinanderfummeln, wie ich es derzeit in meinem Podcast versuche; aber sowas dauert eben seine Zeit und benötigt Raum.

Dennoch empfinde ich es als meine Pflicht als Religionswissenschaftler um Aufklärung bemüht zu sein, gerade weil dies mein Schwerpunkt ist.

Diese Aufklärung gilt für den Satanismus, wie für das Christentum, das Judentum, den Islam, den Buddhismus usw. Jeder Religionswissenschaftler hat da seinen eigenen Schwerpunkt und das ist auch gut so, denn somit hat man dann verschiedene Experten.

 

So ist das in allen Wissenschaften.

 

Ich bin gespannt wie der Artikel werden wird. Ich hoffe ich habe nicht zu viel Unsinn in meinem Leserbrief geschrieben :)

Kommentar schreiben

Kommentare: 0