- Die Zukunft rückt näher -

Vor einigen Tagen wurde mir ein Artikel zugespielt, der sich mit der Thematik des Bodyhackings beschäftigt. Dieses Thema finde ich philosophische gesehen wirklich sehr interessant und daher habe ich mich entschlossen wieder mal etwas darüber zu schreiben.

 

Bodyhacking hört sich als Wort schon sehr massiv und wie ein extremer Eingriff in den menschlichen Körper an. Aber man sollte sich nicht davon abschrecken lassen, sondern versuchen zu schauen, was dieses Wort eigentlich alles ausmacht. Man kann es verstehen als Optimierung des Körpers, dabei geht es nicht nur um die Ästhetik, sondern vielmehr um die Effizienz, aber auch um den Ausgleich von Defiziten.

 

Dabei ist zu beachten, dass das Bodyhacking immer zwei Seiten hat. Die eine Seite ist der Bereich, der uns positiv unterstützt und mit dem wir unsere Weiterentwicklung vorantreiben können.

 

Die andere Seite hingegen kann gegen uns selbst verwendet oder für die Zwecke Dritter missbraucht werden.

 

Genau darum geht es in dem Artikel von heise.de. Es wird dabei darauf hingewiesen, dass man dem Gehirn seine Geheimnisse entlocken kann, wenn man es richtig anstellt.


Als einfaches Beispiel wurden die sogenannten „Necomimi“ benannt. Dabei handelt es sich um eine Art Haarreif an dem ein paar Tierohren (aus Plüsch) befestigt sind. Gleichzeitig gibt es einen Ohrclip (mit dem wahrscheinlich der Puls gemessen werden soll – so richtig habe ich das noch nicht herausgefunden) und einem Sensor für die Messung von Gehirnwellen, der direkt auf der Stirn aufliegt.

 

Damit werden dann bestimmte Gefühlslagen des Trägers angezeigt in dem sich die Ohren unterschiedlich bewegen. Von der Idee her ein lustiges Gimmick, was man aber nicht unbedingt benötigt.

 

Tamara Bonaci, Forscherin an der Universität Washington äußerte sich dazu kritisch und meint, dass diese Schnittstellen zwischen Gehirn und Technik ausgenutzt werden könnten. Der Nutzer würde zwar wissen, dass er einen solchen Sensor am Kopf trägt, aber darüber welche Daten er damit weitergibt.

 

Mal abgesehen von der oben genannten Spielerei könnte man diese Gehirnwellensensoren gut in der Medizin einsetzen bspw. wenn es um Entspannung geht oder allgemeine medizinische Zwecke. Ebenso könnten damit Roboter gesteuert oder Hörgeräte optimiert werden. Die Liste der damit verfügbaren und vereinfachenden Dinge ist schier endlos.

 

Doch haben Hacker damit auch die Möglichkeit dem jeweiligen Menschen Geheimnisse zu entlocken, die er eigentlich gar nicht preisgeben will, wie z.B. Gefühle auf bestimmte Ereignisse oder Personen.

 

Aber es geht noch weiter: Bonaci hat mit Freiwilligen einen Versuch durchgeführt, bei dem sie solch einen Sensor trugen und ein harmlos anmutendes Computerspiel spielten. Dabei wurden für sieben Millisekunden Logos eingeblendet, die der Proband nicht bewusst wahrnahm, der Körper jedoch drauf reagierte. Dennoch konnte dies auf den Aufzeichnungen der Gehirnwellen wahrgenommen werden. Somit können dem Benutzer entlockt werden, welche politische Ansicht oder Vorurteile hat, sexuelle Vorlieben oder medizinische Probleme vorhanden sind. Alles ohne, dass derjenige dies weiß.

 

Die Auswertungen der Gehirnwellen sind jedoch noch nicht ganz klar, denn bisher ist nur zu erkennen, ob jemand stärker oder schwächer auf ein Bild regiert, aber nicht ob positiv oder negativ. Mit weiteren Sensoren kann man auch minimale Muskelbewegungen wahrnehmen, die zusätzlich zu den Gehirnwellen ausgewertet werden könnten.

 

So wirklich brauchbare Abwehrmaßnahmen haben die Forscher jedoch nicht parat, auch wenn sie dabei das Anonymisieren der Daten empfehlen.

 

Jedoch sind den Forschern in „freier Wildbahn“ solche direkt angewendeten Hacks noch nicht vorgekommen.

 

Dabei stellen sich natürlich philosophisch gesehen (moralisch) schnell viele Fragen.

 

Dass wir irgendwann in Zukunft damit arbeiten werden ist sehr wahrscheinlich, da wir uns immer mehr digitalisieren und immer virtueller werden.

 

Doch wie viel Digitalisierung braucht der Mensch?

 

Wie kann man sich vor Missbrauch dieser Technik schützen (außer man benutzt sie gar nicht erst)?

 

In wie fern müssen unsere Moral und unsere Werte überarbeitet werden, wenn man dem Menschen bestimmte intime Geheimnisse entlocken kann, die er so gar nicht preisgeben würde?

 

Wie sehr sollte diese Technik in unseren Alltag mit eingebunden werden?

 

Dazu gibt es noch viel mehr Fragen oder Ideen die da mit einfließen, da wir uns noch ganz am Anfang, was dieses Medium angeht, befinden.

 

Quelle

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