– Das Platonische Höhlengleichnis-Paradox –

Letztens bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mich über die Frage nach der Wahrheit nachdenken lies. In diesem Artikel ging es um den Gedanken, dass wir uns in einem Zeitalter befinden, in dem wir uns mit „Fake-News“ beschäftigen (müssen), da es immer einfacher wird Nachrichten oder auch (angebliche) Geschehnisse zu fälschen und so zu manipulieren, dass wir schnell darauf reinfallen können.

 

Was früher noch der Einzelne am PC vollbracht hat und schnell durchschaubar war, wird heute dann auch von künstlichen Intelligenzen übernommen, die durch bestimmte Algorithmen in Nachrichtenströme eingreifen. In Verbindung mit den Unterschiedlichsten Homepages und sozialen Medien sieht es dann plötzlich so aus, als wären die angeblichen Nachrichten Wirklichkeit.


Dadurch kann man den Leser manipulieren und ihm weismachen, dass etwas wirklich geschehen wäre. Ich versuche das an einigen Beispielen zu erläutern: Als es um die Debatte ging, ob Großbritannien aus der Europäischen Union aussteigen soll oder nicht, log die Partei, die für einen Ausstieg war, ganz offensichtlich. Doch viele Anhänger der Partei glaubten ihnen, weil sie ihre Lügen so gut verkauften. Zwar wurden ihre Lügen entlarvt, dennoch war am Ende doch eine Mehrheit für einen Ausstieg.

 

Die AfD stellt immer wieder Behauptungen auf, die sich aber durch Statistiken widerlegen lassen. Doch nicht nur das, immer wieder tauchen manipulierte oder falsch in Zusammenhang gebrachte Bilder auf (z.B. ein Bild von 2013 wird mit einem Geschehnis von 2017 in Verbindung gebracht, hat aber mit der Thematik nichts zu tun oder ist sogar in einem ganz anderen Land passiert), die einem suggerieren sollen, in welcher Gefahr man eigentlich schwebt.

 

Beim derzeitigen Präsidenten der U.S.A. Donald Trump weiß ich gar nicht wo ich anfangen soll. Er nannte die offensichtlichen Lügen, seiner Mitarbeiter (und auch von ihm selbst) eine alternative Wahrheit.

„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten - wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten -, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit." - George Orwell

Wir haben die Möglichkeit uns durch, die zur Verfügung stehenden Medien, die Wahrheit so zu schaffen, wie wir es für richtig halten oder wie wir wollen, dass sie für andere erscheint.

 

Und da kam mir das Höhlengleichnis von Platon in den Sinn, weil es eine Zeitlang so aussah, als würden wir in ein Zeitalter der Vernunft gepaart mit medialer Aufklärung eintreten. Denn durch die Verbreitung des Internets war es plötzlich vielen Menschen möglich an Informationen zu gelangen, die vorher für sie nur schwer zugänglich waren.

 

Das bedeutet in Bezug auf das Höhlengleichnis, dass wir uns langsam immer weiter von den Schatten in der Höhle, die uns eine Realität vorspielen soll, in Richtung Oberfläche bewegt hätten. Man hätte es als erweiterte Aufklärung sehen können und die Befreiung von alten Mustern und Grenzen.

 

Doch das war wohl ein zu utopischer Gedanke, zu romantisiert und hat den menschlichen Faktor außer Acht gelassen; denn auf einmal änderte sich diese gedachte Bewegung und verfiel ins Negative.

 

Verschwörungstheoretiker blühten an jeder Ecke auf, jeder wurde nun zum Mediziner oder hatte Alternativen zur Schulmedizin im Gepäck. Esoterisches Klimbim und Neue germanische Medizin, anstatt jahrelange Ausbildung in einem medizinischen Fachbereich.

 

Politische Parteien sprießen aus dem Boden, als gäbe es keinen Morgen und dabei eine seltsamer oder extremer als die andere, wo man sich tagtäglich als vernunftbegabter Mensch an den Kopf fasst und fragt, was denn eigentlich auf der Welt derzeit eigentlich los ist, dass alle so einen massiv an der Waffel haben?

 

Das irritierende daran: Diese Menschen meinen das völlig ernst (oder verkaufen es so, damit sie an das Geld der Menschen kommen).

 

Der oben genannte, utopische Gedanke, ist abgedriftet in eine Art Gagaismus – man hat das Gefühl, dass einer bekloppter ist als der andere, als wäre es ein Wettbewerb von Verrückten und jeder möchte zeigen, dass er noch mehr einen am Helm hat als der andere.

 

Nach Platons Höhlengleichnis sind wir beim Aufstieg an die Oberfläche gestolpert und wieder ganz unten gelandet. Denken jetzt, dass das was uns da an Neuigkeiten verkauft wird die Wahrheit ist, weil man es ja überall sieht und lesen kann; dazu kommt aber noch, dass wir sogar mitspielen und lassen uns direkt mit einbinden in das Schauspiel, ohne dass uns klar zu sein scheint, dass wir verdammt nochmal vernunftbegabte Wesen sind und diese Begabung auch nutzen sollten.

 

Es sind nicht nur die Philosophen die in der Pflicht sind Dinge kritisch zu hinterfragen, sondern es ist Aufgabe jedes einzelnen Menschen.

„Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß, und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!" - Bertolt Brecht

Als Beispiel möchte ich dazu die Nachrichten im Fernsehen (oder wahlweise Radio) anführen: Aber wenn man genau auf die Worte achtet, die bei der Mitteilung von Ereignissen benutzt werden, dann fällt einem auf, dass es bestimmte Nachrichten gibt, für den es eigentlich kein Beitrag hätte geben müssen, denn genaues weiß man nicht.

 

Darin kommen dann Wörter wie „könnte“, „möglicherweise“, „wäre“, „ungenau“, „ungewiss“, „eventuell“ und viele unbestimmte Wörter vor. Das bedeutet, dass man über das eigentliche Geschehen nichts Genaues weiß, aber schon mal berichten will, dass da was gewesen sein könnte, aber was genau passiert ist, weiß man noch nicht.

 

Aber das ist, zumindest sehe ich das so, ein massives Problem, denn viele der Zuschauer oder Zuhörer denken, dass das eine absolute Nachricht ist und dass das, was dort beschrieben wurde bspw. über mögliche Täter usw. auch dann wirklich so war.

Doch hat sich der Mensch erst einmal eine Meinung oder ein Bild von etwas angeeignet, so neigt er dazu dieses auch nicht mehr so schnell abzulegen, sondern eher sogar noch zu verfestigen.

 

Jedoch um genau diesem Prozess im Zeitalter des Gagaismus entgegenzuwirken, ist es wichtig, dass wir uns unseres Verstandes und unserer Vernunft bemühen.

 

Nicht alles sofort als absolut hinzunehmen und öfter mal kritisch zu hinterfragen, damit wir uns auf der Treppe der Höhle Platons wieder nach oben und vielleicht sogar an die Oberfläche bewegen können.

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