Wie die Engel zur Physik kamen oder kann man als intellektueller Mensch an Engel glauben?

Wenn es nach dem österreichischen Gynäkologen und Theologen Univ. Prof. DDr. Johannes Huber geht, dann: Ja.

 

Er vertritt die Meinung, dass man intellektuell gesehen und auf ehrliche Art, an Engel glauben kann, auch wenn man die Naturwissenschaften vertritt.

 

Dies publiziert er in einem seinem neu erschienenen Buch mit dem Titel „Es existiert – Die Wissenschaft entdeckt das Unsichtbare“. Darin versucht er zu begründen, warum der Mensch an Engel glauben könne, trotz seines Intellekts.

 

Eines seiner Hauptargumente ist dabei die Physik, wobei er darauf hinweist, dass man Engel nicht mit Photonen verwechseln dürfe, auch wenn er sie auf einer ähnlichen Ebene zu sehen scheint. Photonen werden auch Lichtteilchen genannt, da sie aufgrund ihrer Eigenschaft Licht bilden. Gleichzeitig kann sich ein Photon in einem Vakuum mit Lichtgeschwindigkeit bewegen, sofern der Impuls stimmt.

 

In diesen Eigenschaften sieht Huber eine Verbindung und geht dabei sogar noch weiter: Auch die Tatsache, dass man Photonen nicht sehen oder anfassen kann hätten, trotzdem aber niemand an ihrer Existenz zweifelt, hätten sie mit Engeln gemein.


Das ist für Huber auch der Grund, warum es intellektuell redlich sein muss an die Existenz von Engeln zu glauben.

 

Für ihn ist die angebliche Toleranz, die man gegenüber Engelsgläubigen hat, eine scheinheilige. Überall würde einem vermittelt werden, dass es berechtigt ist an Engel zu glauben, gleichzeitig werden aber jene, die sich offen mit der Thematik beschäftigen für dumm erklärt. Dagegen möchte sich Huber wehren.

 

Aber nicht nur Huber versucht mit Hilfe der Sprache wissenschaftliche Begriffe für sein eigenes Weltbild zu benutzen. Ähnliches kommt auch oft in Kreisen der Esoteriker und Pseudowissenschaften vor, wo man auf Begriffe wie Quantenenergie, Wahrheit, Therapie, Bioenergetik, Erdstrahlung, Tachyonen-Energie, Energie, Schwingung, Energie-Therapie und vieles mehr trifft.

 

Damit wird ein Bild erzeugt, dass einem suggeriert, man würde sich auf wirklich wissenschaftlicher Basis mit einer Thematik beschäftigen. Was jedoch nicht der Fall ist und mitunter sogar gefährlich werden kann.

 

Gerade derjenige, der für seine Situation keinen Ausweg sieht bspw. bei schwerer Krankheit, hält sich wohlmöglich an diesen Strohhalmen fest, gerade weil sie so wissenschaftlich daherkommen. Dass viele der Therapien gar keine wissenschaftliche Grundlage haben oder wirklich bewiesen wurden hinterfragt die nach einer Alternative suchende Person dann eher seltener, da die Wortwahl ja schon wissenschaftlich ist; und wenn es wissenschaftlich klingt, dann muss es ja auch wissenschaftlich fundiert sein.

 

Das ist jedoch ein Fehlschluss, den sich gerade der esoterische Bereich zu Nutze macht und somit einen ziemlich lukrativen Geschäftszweig darstellt.

 

Natürlich gibt es Menschen, die sagen, dass ihnen diese und jene alternative Therapie geholfen hat. Wirklich wissenschaftliche Nachweise, dafür gibt es dann jedoch nicht, sondern nur die Verknüpfung von wissenschaftlicher Sprache und einer plötzlichen Verbesserung der Lebensumstände.

 

Der Placebo-Effekt hat sich hingegen wissenschaftlich nachweisen lassen und auch dessen Wirksamkeit. Aber dieser ist gerade für den esoterischen Bereich nicht sonderlich lukrativ und man bleibt lieber bei wissenschaftlichen Begriffen gepaart mit spirituellen Konstrukten.

 

1990 wurde in Deutschland ein Test an einem pseudowissenschaftlichen Gebiet durchgeführt: dem Wünschelrutengang. Die Probanden waren von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) eingeladen worden, um mit ihrer Wünschelrutentechnik künstliche Wasseradern aufzuspüren. Woran jedoch alle gescheitert sind.

 

Der Pharmakologe Bernd Mayer vom Institut für Pharmazeutische Wissenschaften an der Universität Graz, wollte in einem seiner Vorträge auch auf die eher geringe Wirksamkeit von Globuli (diese beruhen auf dem Prinzip, dass ein Wirkstoff umso effektiver, desto mehr er verdünnt ist), die in der Homöopathie ihren Platz haben, hinweisen, und unternahm einen „Suizidversuch“, in dem er 2013 vor den Augen der Zuschauer ein ganzes Fläschchen voller Globuli zu sich nahm.

 

Obgleich ihm von einer Apothekerin davon dringend abgeraten wurde, passierte: Nichts.

 

Mayer überstand den Versuch unbeschadet.

 

Die Wissenschaft als solche, ist ein Prozess der sich stetig verändert. Es handelt sich dabei um Hypothesen, die prinzipiell widerlegt werden und auch von unabhängigen Wissenschaftlern überprüft werden können.

 

Hingegen Pseudowissenschaften und Bereiche, die sich der wissenschaftlichen Sprache bedienen, berufen sich dabei immer wieder auf gleichbleibende Dogmen und die Unveränderlichkeit von bestimmten Konstrukten. Hinzu kommt, dass auch immer wieder die Naturgesetze missachtet werden.

 

Als Laie ist es natürlich nicht ganz einfach diesen Dschungel zu durchschauen, jedoch kann man sich an einigen Punkten orientieren, um herauszufinden, ob es sich dabei um wirkliche Wissenschaft handelt oder ob es sich dabei nur um einen Bereich handelt, der sich wissenschaftlicher Sprache bedient.

 

Zum einen sollte man darauf achten, ob die Hypothese verständlich formuliert und die Behauptung potentiell widerlegbar ist.

 

Ebenso ausschlaggebend ist, ob es sich dabei um eine angebliche Geheimlehre handelt, auf einen Guru verwiesen wird oder aus irgendwelchen Schutzgründen nicht mehr dazu gesagt werden kann.

 

- Dieser Artikel erschien im "freidenker" ein Magazin des Freidenkerbundes Österreichs, Ausgabe 1/2017 -

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Kommentare: 4
  • #1

    juergen bellers, prof dr (Freitag, 28 April 2017 13:11)

    da sollte man doch lieber bei Platon und plotin bleiben. nach denen kann man die Notwendigkeit eines gottes (das gute, das eine) durchaus rational beweisen, und dieser Gott durchflutet nach plotin in verschiegenen stufen die welt, das sind die Emanationen, vom toten stein fast ohne bezug zu Gott über den menschen mit seinem göttlichen gesit bis zu den engeln als geistige seelen-Körper, die die geschicke von menschen beeinflussen können. wenn man zum allmächtigen Gott betet, dass er real helfe, so können auch engel helfen.

  • #2

    Denkatorium (Freitag, 28 April 2017 14:11)

    "Rational beweisen" kann man damit eine Gottesidee auch nicht.

    Es ist zwar eine Möglichkeit, jedoch hat die Existenz eines Gottes keine Notwendigkeit.

    Der Gedanke von einem Gott ist eben nur eine fixe Idee, ebenso die von Engeln.

  • #3

    juergen bellers, prof dr (Samstag, 29 April 2017 12:58)

    rationaler Gottesbeweis ist der von Aristoteles als dem ersten beweger, er argumentiert. die Notwendigkeit kann man damit nicht beweisen, aber die möglichkeit und Wahrscheinlichkeit. Gott ist damit rationaler als manche extreme unwahrscheinlichkeiten der evolutionisten

  • #4

    Denkatorium (Samstag, 29 April 2017)

    Das sog. unbewegt Bewegende ist eine philosophische Idee, die darauf beruht eine Erklärung zu finden, warum alles in Bewegung ist und wo alles seinen Ursprung haben könnte.

    Damit ist eine Gottheit nicht rationaler als die Theorie eines Evolutionisten, sondern es wird versucht eine logische Erklärung für den Ursprung allen Seins zu finden, anstatt sich einfach auf der Idee eines Gottes auszuruhen.