- Themenwoche bei der ARD -

Vom 11. – 17. Juni 2017 findet bei der ARD eine Themenwoche statt, die sich mit dem Glauben der Menschen beschäftigt.

 

Als kritischer Religionswissenschaftler sehe ich dann immer mal etwas genauer hin (manchmal sollte ich es einfach bleiben lassen…).

 

Man kann übrigens auch bei einer kurzen Umfrage mitmachen, an was man denn so glaubt. Unter anderem kann man dabei dann verschiedene Ideen anklicken:

 

Esoterik, einen Sportclub, allgemein an eine höhere Macht, einen Gott, ein Idol (also als Fan), an einen Talisman, an das Schicksal, an die Technik, an das Gute, an die Freundschaft/Liebe, Freiheit/Selbstbestimmung, an die Naturgesetze/Wissenschaft oder an Nichts.

 

Dass das Nichts aufgetaucht ist wundert mich sogar etwas, denn wenn man sich auf der Themenwochenseite der ARD umschaut, dann macht es den Eindruck, man müsse an etwas glauben, anders ist es gar nicht möglich.


Falls mein Leben auch mehr als langweilig ist, dann kann ich mir sogar durchlesen, an was irgendwelche, für mich, unglaublich wichtige prominente Menschen glauben.

 

Letzteres wird eher nicht der Fall sein. Natürlich ist es nicht verkehrt den Menschen nahzubringen, was es für Glaubensrichtungen gibt; dabei geht es um einfache Information – nicht mehr und nicht weniger.

 

Aber das Bezieht sich eigentlich nur auf den religiösen Glauben, nicht, ob ich an meinen Sportclub glaube. An den muss ich nicht glauben, der ist schon da; er existiert also.

 

Das Problem was nun bei dieser Themenwoche geschaffen wird, ist, dass man nicht einfach über die verschiedenen Religionen bspw. im historischen, sozialen oder politischem Kontext informiert, sondern es werden unterschiedliche Dinge miteinander vermischt.

 

Also der religiöse Glaube (z.B. an eine Gottheit) wird gleichgestellt mit dem „Glauben“ an die Wissenschaft oder dem „Glauben“ an ein Pop-Idol.

 

Als Philosoph sehe ich das als sehr fragwürdig an, denn es relativiert alle, in der Umfrage vorkommenden, Bereiche und legitimiert somit den religiösen Glauben.

 

Das ich an meinen Gott glaube und meine Religion vertrete ist genauso, als wenn du an das Gute glaubst oder an deinen Sportclub“, könnte jemand sagen, aber genau das ist nicht der Fall.

 

Wenn man sich mal auf die ursprünglichen Worte religio (lat., die Bedeutung ist sehr ungenau und geht von Bedenken, Zweifel, Besorgnis, Gewissensskrupel bis hin zu Heiligkeit) und relegere (lat. nach Cicero: wieder lesen, wieder auflesen, wieder zusammennehmen; im übertragenen Sinn: bedenken oder beachten; Ursprung von religio) anschaut, dann bezieht sich das eher auf moralische Aspekte.

 

Ein weiterer Punkt ist, dass diese Wörter einen religiösen Bezug haben, also sich auf etwas Imaginäres beziehen. Wenn ich an die Wissenschaft glaube, dann geht es dabei um die Beweisführung und die Erkenntnisse die man darüber auf die umgebende Welt anwenden kann.

 

Glaube ich an meinen Sportclub, dann ist das Wort „Glaube“ völlig falsch platziert, sondern „Hoffnung“, „Bangen“ oder „Feiern“ wären eher Wörter die man in dem Fall benutzen würde.

 

Doch wie oben schon angesprochen, liegt das Problem darin, dass der religiöse Glaube als etwas Ähnliches dargestellt wird, wie z.B. der „Glaube an Nichts“ oder „Fan-Sein“.

 

Damit wird, zumindest aus meiner Sicht, so getan, als wäre religiöses Gehabe, genau so, als würde mir eine Band gefallen oder als wäre ich Wissenschaftler. Das, aber genau, ist eben nicht der Fall. Denn damit wird auch legitimiert, dass ja alle Steuerzahler bspw. die Kirchentage mitbezahlen oder (falls es in den letzten Jahren noch nicht geändert wurde, ich lasse mich da gerne korrigieren), wenn man z.B. Hartz IV bezieht, automatisch einen Beitrag an die Kirche zahlt, egal welcher Religion man angehört – oder ob man überhaupt einer angehört.

 

Religion ist etwas Privates und das sollte es auch bleiben, so zu tun, als wären wir ja eigentlich in unserem „Glauben“ alle gleich, egal ob wir religiös glauben oder Fan von etwas sind, ist falsch und legitimiert religiöse Gemeinschaften nur noch mehr in unseren Alltag einzudringen.

 

Besonders, wenn man weiß, dass die ARD mit der Kirche unter einer Decke steckt, dann bekommt diese ganze Themenwoche einen wirklich ekligen Beigeschmack.

 

Denn von Aufklärung, im wissenschaftlichen Sinn, sind wir dann ganz weit weg und es macht den Eindruck von legitimierender Religionspropaganda.

 

Hier wird meiner Meinung nach auf einen rhetorischen Trick zurückgegriffen, der gerne mit Atheisten probiert wird, aber eigentlich nicht funktioniert, wenn man ihn durchschaut hat.

 

Im Video der ARD für die Themenwoche, wird unter anderem gesagt, dass es Menschen gibt, die an Nichts glauben, aber sie würden dann ja (wenigstens) daran glauben. Der rhetorische Trick dabei: Es wird einem ein Glauben unterstellt, selbst wenn man keinen hat.

 

Genau so wird es gerne mit Atheisten gemacht, wenn sie sagen, sie würden nicht an (einen) Gott glauben. Als Gegenargument kommt dann, dass sie ja dann doch an einen Gott glauben würden, jedoch seine Existenz verneinen. Das ist ein klassischer Fehlschluss.

 

Dennoch wird dieser Trick hier auch angewandt und lässt meinen Verdacht der religiösen Propaganda erhärten.

 

Wer sich im kritischen Denken und aufmerksamen Analysieren üben möchte, der kann sich diese Themenwoche gerne antun und mir Bericht erstatten. Da ich alle GEZ-Erzwungenen Sender aus meinem Leben verbannt habe, werde ich mir das natürlich nicht antun und ehrlich gesagt sollte sich das auch kein anderer.

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Kommentare: 4
  • #1

    rationaler-diskurs (Dienstag, 11 Juli 2017 12:52)

    Etwas mehr sprachliche Präzision, etwas weniger Verschwörungstheorie, etwas weniger Meinung und etwas mehr Sachargumentation könnte dem Blog dazu verhelfen, tatsächlich ein philosophischer zu sein.

  • #2

    Denkatorium (Mittwoch, 19 Juli 2017 06:47)

    Das erste was mir zu dem Kommentar einfiel: „Haters gonna hate“.

    Vor allem, da es sich bei dem Hinweis auf die Themenwoche der ARD um einen kritisierenden Beitrag meinerseits handelte.

    Das hat auch nichts mit Verschwörungstheorie zu tun, sondern behandelt einen psychologischen Trick, der angewandt wurde, was sogar Psychologie-Erstsemester durchschaut hätten. Dennoch lohnt es, meiner Meinung nach, darauf hinzuweisen und einen besonders kritischen Blick zu werfen.

    Und da wären wir auch schon bei dem nächsten Punkt: der Meinung.
    Philosophen dürfen eine Meinung haben, man mag es kaum glauben. Als Philosoph muss ich mich nicht hinter der Meinung anderer Philosophen verstecken oder meine Gedankengänge nur auf deren Ansichten begründen, sondern ich kann mir eine eigene Meinung schaffen und diese als Philosoph auch kundtun.

    Das ist ein Punkt der gerne mal vergessen wird. Natürlich steht die sachliche Argumentation im Vordergrund, dennoch kann man als Philosoph ruhig seine Meinung äußern und sich vom Duckmäusertum des Nicht-anecken-wollens trennen. Wenn man keine Meinung hat, sollte man sich fragen, ob man wirklich versucht ein Philosoph zu sein oder ob man nicht doch eher ein zombiartiger Nachplapperer anderer Philosophen ist…

    Zur sprachlichen Präzision: Vielleicht ist es Dir noch nicht aufgefallen, aber ich versuche hier das akademische Gebrabbel zu vermeiden, damit die Philosophie auch denen zugänglich wird, die nicht an der Universität waren. Was aber auch in der Beschreibung meines Blogs steht.
    Hierbei geht es nicht um den absolut akademischen Diskurs, sondern um das Nahebringen philosophischer Gedanken.
    Gerade, weil die Philosophie so akademisch und verstaubt geworden ist, haben viele Menschen gar keine Lust mehr sich mit ihr zu beschäftigen. Man sollte mal darüber nachdenken, ob es sich nicht lohnt den akademischen Diskurs zu verlassen, um denjenigen, die noch etwas Interesse an der Philosophie haben, diese wieder näher zu bringen. ;)

  • #3

    rationaler-diskurs (Mittwoch, 19 Juli 2017 23:05)

    "Besonders, wenn man weiß, dass die ARD mit der Kirche unter einer Decke steckt" ist Verschwörungstheorie.
    Eine bloße Meinung haben kann jeder, sie plausibel zu begründen ist Sache des Philosophen.
    Präzise Worte können einfach sein.
    "Duckmäusertum, zombiartiges Nachplappern, akademisches Gebrabbel" sind unangemessen im Rahmen einer sachlichen Auseinandersetzung.
    Wer sich etwas "nicht antut" kann es auch nicht kritisieren.
    Ich hasse nicht, ich bin kritisch und ecke damit bei Dir an. :-)
    Wenn man "Glauben an etwas" versteht als "Sein Vertrauen setzen in etwas" oder "Sich hingeben an etwas" dann ist es durchaus möglich, an den Fussball-Club zu glauben; im Stadion kann man so etwas recht anschaulich erleben.
    P.S.: Ich bin kein Akademiker, habe nie Philosophie studiert, aber ich diskutiere gerne.

  • #4

    Denkatorium (Sonntag, 20 August 2017)

    Dass die katholische Kirche mit den öffentlich Rechtlichen gemeinsame Sache machen, ist sicher keine Verschwörungstheorie, wie man bspw. anhand folgenden Artikels von Heise erkennen kann: https://www.heise.de/tp/features/ARD-und-ZDF-Kirchliche-Moralwaechter-sind-immer-dabei-3549584.html

    "Haters gonna hate" - damit ist auch nicht gemeint, dass man hasst, sondern es ist ein Sinnbild dafür, wie wir eine Gesellschaft geworden sind, die ständig negativ kritisiert. Anstatt, dass wir sagen, was uns gefällt und was wir toll an einer Sache finden, wie z.B. "Toll, dass du in deiner Freizeit die Mühe machst und versuchst ständig neue Artikel zu schreiben" oder "Schade, dass du schon länger keinen Podcast mehr gemacht hast, ich finde das wirklich interessant", sagen wir immer nur "das passt mir nicht", "könnte besser sein, wenn..." und so weiter bis hin zum zum bashing der jeweiligen Person.
    In unserem Fall: Der Versuch dem Blog bzw. mir den philosophischen Status abzusprechen - was für mich, ehrlich gesagt komplett neben der Spur ist...

    Natürlich kann ich an meinen Fußballclub glauben, jedoch ist das ein anderer Glauben, als wenn ich an eine fiktive Gestalt glaube und dessen Regeln befolge.