- Das sinnlose Leben -

 

Wie letztens schon erwähnt, bin ich in der neuen Abenteuer Philosophie auf ein Thema gestoßen, welches mich schon länger beschäftigt und darüber schreibe ich heute.

 

 

 

Nihilistische Gedanken können jedem von uns mal aufkommen, die unsere Existenz sinnlos erscheinen lassen, doch oft verzweifeln diese Ideen nur kurz und verschwinden wieder hinter einem Schleier von Aufgaben und Beschäftigungen.

 

 

 

Doch was, wenn man, wie bspw. Viktor Frankl (Existentialist, Neurologe und Psychiater) erkennt, dass man einen Punkt erreichen kann, bei dem uns die Sinnlosigkeit unserer Existenz klar bewusst wird? Wenn man jeden Tag nach einem Sinn im eigenen Sein sucht?

 

 

 

Normalerweise würde man sagen, man hat Ideen oder Ziele, versucht diese zu verfolgen und darauf hin zu arbeiten.

 

Oder man könnte auch sagen, dass man über die Idee von etwas sich so verhält, sodass aus dieser Haltung zu etwas ein Verhalten wird.

 


 

Das Prinzip ist recht einfach und ist ähnlich einer Konditionierung (im weitesten Sinne)

 

 

 

Viktor Frankl hat diese Idee in seinem Buch „Das Leiden am sinnlosen Leben – Psychotherapie für heute“ aufgegriffen, weil er erkannte bzw. sich die Frage stellte, was passiert, wenn die höchste Instanz, also die Idee als solche zerfällt und keinen sinnvollen Platz mehr einnimmt.

 

 

 

Schon der Ursprung auf dem Weg zum Ziel wäre nicht mehr vorhanden, alles wäre sinnlos und leer.

 

 

 

Da ist kein „Ich möchte mal... werden.“

 

Da ist kein „In Zukunft möchte ich...“

 

Da ist kein „Meine Arbeit erfüllt mich, weil...“

 

 

 

Diese Liste könnte man unendlich weiterführen. Viktor Frankl spricht dabei von einer lähmenden Leere und tiefen Sinnlosigkeit als Krankheit unserer Zeit. Während seiner Arbeit in der Suizidprävention und im Bereich der Depression, stellte er die Frage nach der Sinnhaftigkeit in das Zentrum seiner Forschungen.

 

 

 

Sein Ansatz ist ein ganz anderer, als der bei Sigmund Freud, welcher ja auf die sexuelle Frustration und unterdrückten Triebe abzielte. Frankl hingegen bezieht sich eher auf die begriffe des existentiellen Vakuums und der existentiellen Leere und der „abgründigen Sinnlosigkeit ihres Daseins“. (Abenteuer Philosophie, Nr. 150, S. 14)

 

 

Besonders die Generation Y (Why?), auch bekannt als Millenials, hat mit diesem existentialistischen Problem zu tun.

 

 

 

Frankl schreibt dazu: „Wir leben in einer Zeit zunehmender Freizeit. Aber es gibt nicht nur eine Freizeit von etwas, sondern auch eine Freizeit zu etwas; der existentiell frustrierte Mensch kennt nichts, womit er sie ausfüllen könnte.“ (Abenteuer Philosophie, Nr. 150, S. 14)

 

 

 

Doch wo liegt der Ursprung dieses existentiellen Dilemmas? Frankl ist der Ansicht, dass der Mensch, eben anders als das Tier keine Instinkte besitzen würde, die ihm sagen, was er zu tun hat.

 

Traditionen haben diesen fehlenden Instinkt etwas abgefangen, denn damit wurde eine gewisse Sinnhaftigkeit vorgegeben. Nur sind dem Menschen von heute viele Traditionen egal und er verfolgt sie nicht mehr.

 

 

 

Nach Frankl ist der Mensch aufgrund dessen danach bestrebt entweder das zu tun, was andere tun – Konformismus oder er tut nur das, was andere von ihm wollen – Totalitarismus. Doch neben diesen beiden Arten der Sinnsuche, ist jedoch eine dritte Erscheinung aufgetreten und zwar ein spezifischer Neurotizismus (auch als noogene Neurose bekannt). Diese ist nicht auf Komplexe und Konflikte im herkömmlichen Sinne zurückzuführen, sondern bezieht sich auf Gewissenskonflikte und einer Kollision der Werte.

 


 

Eine allgemein gültige, für alle verbindliche Lebensaufgabe muss uns in existenzanalytischem Aspekt eigentlich unmöglich erscheinen. In dieser Sicht ist die Frage nach „der“ Aufgabe im Leben, nach „dem“ Sinn des Lebens – sinnlos. Sie müsste uns vorkommen, wie etwa die Frage eines Reporters, der einen Schach-Weltmeister interviewt: ,Und nun sagen Sie, verehrter Meister – welches ist der beste Schachzug?'“ (Ärztliche Seelsorge. Grundlagen der Logotherapie und Existenzanalyse, Franz Deuticke, Wien 1946- 1997)

 

 

Das bedeutet, der Sinn des Lebens kann nicht gegeben, sondern muss gefunden werden.

 

Für Frankl stellt das Gewissen genau das Sinnorgan dar, mit dem man diesen Sinn herausfinden kann. Je nach Situation reagiert das Gewissen darauf und der verborgene Sinn kann erschlossen werden.

 

 

 

Gerade beim Thema Suizid, bei dem er sich auf eine Studie bezieht, in der die Menschen nach einem Suizidversuch gefragt wurden, welche Motive sie dafür hatten, nannten fast hundert Prozent, von denen, die eigentlich in guten wirtschaftlichen Verhältnissen lebten, keine besonderen physischen oder psychischen Auffälligkeiten aufwiesen, eine gute Bindung zur Familie hatten, die Sinnlosigkeit als Grund.

 

 

 

Wo bei einigen diese Dinge als Sinngebend wirken können, ist bei anderen das nicht unbedingt der Fall.

 

Die Logotherapie spricht in dem Zusammenhang von einem „Willen zum Sinn“ (natürlich fällt da einem sofort Friedrich Nietzsches „Wille zur Macht“ ein). Dieser Wille zum Sinn tritt aber nicht nur dann auf, wenn alle einfachen Bedürfnisse befriedigt sind, wie man denken könnte, sondern auch (oder besonders dann), wenn es uns auf verschiedenen Ebenen schlecht geht.

 

 

 

Frankl hält den Begriff der Selbst-Transzendenz in dem Zusammenhang für sehr wichtig, denn mit diesem versucht er zu erklären, dass das Menschsein über sich selbst hinausweist, in dem Zusammenhang auf etwas oder jemanden.

 

Ein Mensch der ganz in seiner Sache oder Hingabe aufgeht, wird viel mehr er selbst. Sei es in der Liebe zu einer Person oder in einem Dienst an einer Sache.

 

 

 

Damit der Mensch sich selbst verwirklichen kann, muss er sich in der Sache als solches vergessen. Das wird verglichen mit dem Beispiel eines Auges, das nur dann einwandfrei sehen kann, wenn es sich selbst nicht sieht. Ein Auge mit grauem Star, ist in seiner Sehfähigkeit eingeschränkt und genau so sieht Frankl das auch mit der Selbst-Transzendenz.

 

 

Dieser Wille zum Sinn scheint also weitaus tiefer verwurzelt zu sein, als man auf den ersten Blick denken würde.

 

 

 

Ist es also nicht so, dass der Mensch eigentlich und ursprünglich danach strebt, glücklich zu sein?“ - „Ich würde sagen, was der Mensch wirklich will, ist letzten Endes nicht das Glücklichsein an sich, sondern einen Grund zum Glücklichsein.“

 

 

 

Frankl geht sogar soweit, dass er sagt, der Wille zum Sinn läge noch vor dem Willen zur Macht. Der Wille zur Macht stammt für ihn aus einem neurotischen Geltungsstreben. Freud hat seine Theorien bspw. Hauptsächlich auf unbefriedigte Triebe und Minderwertigkeitsgefühle gestützt.

 

 

 

Für Existentialisten hingegen ist der Wille zum Sinn direkt gekoppelt an das menschliche Dasein.

 

 

 

In dieser Art des Daseins jedoch etwas steriles zu sehen, sollte versucht werden diesen Willen zum Sinn zu mobilisieren und oder überhaupt erst einmal zu wecken.

 

 

 

Dahingehend stellt sich für jeden Einzelnen die Frage, was man eigentlich will und worin man das Gefühl hat erfüllt zu werden?

 

 

 

 

 

Wer sich mit dem Thema des Existentialismus noch etwas mehr beschäftigen will, dem sei auch die Sonderausgabe des Philosophie Magazins ans Herz gelegt. Dort ist Frankl zwar nicht mit erwähnt, aber die Ideengeber des Existentialismus als solches.