Zeit

Vor einigen Tagen sah ich (leider ohne den Anfang) eine Dokumentation auf arte, bei der es um Zeit ging.

 

Diese war recht interessant und inspirierte mich derart, dass ich nicht nur für mich darüber nachdenke, sondern auch etwas dazu schreibe.

 

Wie viele wissen, die mich und meine Schandtaten schon länger verfolgen, habe ich immer eine Menge um die Ohren.

 

Ständig arbeite ich an irgendwelchen Projekten und bin nur schlecht zu erreichen - obwohl ich an sich immer irgendwie erreichbar bin.

 

Einige meiner Projekte leiden darunter, weil ich ihnen nicht die volle Aufmerksamkeit, die ihnen zustünde, widmen kann.

 

Nehmen wir mal das Schreiben, dieses Jahr bin ich nicht zu wirklich vielen Artikeln imstande gewesen. Zwischendurch gab es mal ein Schreibtief, dann hatte ich zwar Ideen, aber nicht die nötige Zeit, weil die Priorität auf einem anderen Projekt lag, was meine Aufmerksamkeit abverlangte (Weiterbildung).


Dieses Jahr habe ich nicht ein einziges Buch lesen können (habe aber dank dieses Artikels wieder eins angefangen), weil die nötige Ruhe gar nicht vorhanden war. Genauso mit einigen meiner Buchprojekte. Auch für diese bräuchte ich Ruhe und Muße.

 

Stellt sich die Frage, habe ich ein äußerst schlechtes Zeitmanagement oder gebe ich zu vielen Projekten (vielleicht auch Nebensächlichkeiten) zu viel Raum?

 

Die erwähnte Dokumentation sprach unterschiedliche Punkte an, wie Zeitdiebe, wirtschaftliche und private Aspekte.

 

Als Beispiel wurde Facebook angeführt: Ein Unternehmen, welches durch Datensammlung Geld verdient. Jedes „liken“, das wir ausführen, generiert dem Unternehmen Geld. Wir geben für die „kostenlose Nutzung“ Daten und Zeit, haben jedoch nicht wirklich etwas davon (außer vereinfachte, soziale Interaktion). Das bedeutet, dass diese Zeit uns selbst, wirtschaftlich gesehen, nichts einbringt.

 

Hierbei gehe ich jetzt nur vom privaten Gebrauch aus, nicht von einem wirtschaftlichen, da dies noch einmal anders zu bewerten wäre.

 

Wir geben also Zeit und Daten an Facebook, Twitter und Co. und haben keinen wirklichen Vorteil dadurch - außer man möchte den sozialen Aspekt dahingehend werten.

 

Gleichzeitig wollen wir aber immer und überall erreichbar sein (ja, ich weiß nicht jeder...). Viele gerne auch für die Arbeit. Ich bin glücklicherweise jemand, der ein wenig unsozial ist und somit auch nicht seinen Kollegen seine Telefonnummer mitgeteilt hat, damit man über (das Facebookunternehmen) Whatsapp schreiben kann.

 

Ebenso lasse ich nach Feierabend auch die Arbeit so gut wie immer hinter mir, weil mich meine privaten Projekte viel mehr interessieren und diese gerechtfertigterweise auch dann ihre Aufmerksamkeit bekommen sollen.

 

Jedoch gibt es auch Menschen, die eben dies nicht schaffen, weil sie die Arbeit so in Gedanken mitnimmt, dass sie geistig noch Stunden danach arbeiten. Auch das sind Zeitdiebe; anstrengende noch dazu. Eine Entspannung stellt sich da nur schwer ein und hat sicherlich auch gesundheitliche Folgen.

"Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich hat, ist ein Sklave."

Friedrich Nietzsche in Menschliches, Allzumenschliches

Brechen wir das doch mal herunter: Wir haben 24 Stunden am Tag, von denen haben wir ca. 8 Stunden für die Arbeit. Schlaf wird dabei herausfallen, weil Nietzsche, so denke ich, die aktive, wache Zeit meinte, nicht die unbewusste (bewusstlose).

 

Das bedeutet, wir haben noch 8 Stunden übrig und gehen dabei (mehr oder weniger) von einem 16 Stunden Tag aus.

 

Soll heißen, wir haben nur die Hälfte des Tages für uns - doch halt!

 

Wie definieren wir das „für sich haben“? Ist die Fahrt zur Arbeit hin und von dieser weg, auch schon unsere Zeit?

 

Ist die Zeit, in der wir uns z.B. von anderen Menschen unterhalten lassen, auch unsere Zeit? Oder ist die Zeit, die man für sich hat, die Zeit, in der man sich mit sich und seinem Geist beschäftigen kann? Müssen wir dann unterscheiden zwischen verschiedenen Arten der Zeit, die man für sich nutzt?

 

Diese Fragen und noch viele mehr stellen sich, da das gesamte Konstrukt der Zeit bzw. des eigenen Zeitmanagements immer mehr hinterfragt wird. Dabei kommt es natürlich auch auf die eigenen Ziele an, die man verfolgt.

 

Wenn man nur seine Arbeit kennt, keine Hobbys hat und auch sonst nicht nach Weiterentwicklung strebt, dann werden sich eher weniger dieser Fragen stellen.

 

Sieht man aber seine Leidenschaft in seinen Hobbys, kann (oder will) mit ihnen aber nicht Geld verdienen, dann hat man eine Arbeit, die man machen wird, weil damit Geld in die Kasse kommt. Dahingehend wird man sich aber auch genau überlegen, wie man seine Zeit sinnvoll gestalten kann, damit man so viel wie möglich von seinen Hobbys hat.

 

Viele Zeitdiebe sehen wir oftmals gar nicht, wie das oben angesprochene Facebookproblem. Fernsehen und das Nutzen vom Handy bzw. Tablet sind derzeit die Topreiter in der deutschen Freizeitgestaltung.

 

Das Fernsehen ist übrigens seit 30 Jahren, im Jahr 2018, auf Platz 1 der deutschen Freizeitaktivität.

 

Wenn wir aber bestimmte Ziele verfolgen und uns weiterentwickeln wollen, dann müssen wir uns diese genauer anschauen und überlegen, ob wir dahingehend etwas verändern können (oder wollen).

 

Es ist ähnlich wie beim Training im Fitnessstudio (nebenbei gesagt scheinen, statistisch gesehen, die Deutschen immer noch absolute Fitnessmuffel zu sein): Dort wird einem nicht dauerhaft das Händchen gehalten und die Gewichte von einem anderen, für einen, bewegt, sondern das muss man selber machen. Man muss sich beobachten, was man kann und welche Ziele man hat und dementsprechend seinen Hintern bewegen, denn geschenkt bekommt man einen sportlichen Körper und Gesundheit nicht.

 

Außerdem gibt es Übungen die im Trainingsplan keinen (oder kaum) Mehrwert haben.

 

So ist es auch mit dem eigenen Zeitmanagement und den Zeitdieben.

 

Ab und an sollten wir uns mal hinsetzen und versuchen rational zu betrachten was Zeit für uns selbst bedeutet und wie wir sie - für uns - sinnvoll verbringen möchten; immer bedacht darauf, dass es Zeitdiebe gibt, die uns von einer Weiterentwicklung abbringen können, weil deren Ziele über die eigenen gestellt werden.

 

Habt ihr euch schon einmal Gedanken über die Zeitdiebe in eurem Alltag Gedanken gemacht?

 

Denkt ihr, ihr seht eure täglich verbrachte Zeit rational?

 

Seht ihr euer Zeitmanagement ab und an im wirtschaftlichen Aspekt oder doch eher privat, also was es euch bspw. bezogen auf soziale Kontakte einbringt?

 

Freue mich auf eure Kommentare, so ihr denn Zeit (oder Lust) dazu habt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Sonntag, 16 Dezember 2018 01:54)

    Ich glaube es war Augustinus, der auf die Frage, was Zeit sei, gesagt hat: "Wenn niemand mich fragt, weiß ich es, aber wenn jemand mich fragt, weiß ich es nicht." Zeit ist uns intuitiv vertraut, aber damit umgehen ist irgendwie rätselhaft. Michael Ende hat in seinem Roman "Momo" die Sache anschaulich gemacht: die "grauen Herren" versuchen, Menschen dazu zu bewegen, Zeit zu sparen und auf Bank-Konten anzulegen. Das war damals bittere Ironie und wollte sagen: "Zeit ist kein Ding, Zeit ist nicht wie Geld, Zeit kann man weder sparen, noch aufbewahren, noch vermehren." Und heute: gibt es tatsächlich in vielen Betrieben sogenannt "Zeitkonten".
    Ich denke, ein guter Anfang für den eigenen Umgang mit der Zeit könnte sein, dass man sich am Ende des Tages fragt: "Habe ich heute Zeit verbracht oder nur verbraucht?"
    Ein nächster Schritt wäre vielleicht die Frage: "Habe ich heute etwas mit meiner Zeit oder in meiner Zeit angefangen?"
    Ein weites Feld tut sich auf, wenn man beginnt über Muße nachzudenken...

  • #2

    Denkatorium (Dienstag, 01 Januar 2019 10:03)

    "Habe ich heute Zeit verbracht oder nur verbraucht?" Die Frage finde ich äußerst interessant und halte sie für einen guten Indikator zur Selbstreflexion.
    Oftmals arbeiten wir zu viel und hinzu kommt, dass dem einen oder anderen Menschen die Arbeit dann auch keinen Spaß macht. Wichtig finde ich, dass man dann versucht, dies auf verschiedenen Ebenen zu beobachten und zu bearbeiten.

    Ganz am Anfang steht für mich die Frage "Was macht mir Spaß und erfüllt mich?", wenn ich dann herausgefunden habe, wo meine wirklichen Fähigkeiten liegen (was einem ja eigentlich schon in der Schule abverlangt wird, oftmals aber erst nach Austritt aus dieser zum Vorschein kommt), dann kann ich anfangen zu überlegen, was ich mit dieser Fähigkeit machen kann.

    Kann ich sie in ein Hobby verpacken? Kann ich damit beruflich etwas machen (was mir dann auch immer noch Spaß machen wird) oder möchte ich damit sogar ein Ziel erreichen? usw.

    Dann könnte man schauen, wie man das in seinen Alltag integrieren kann, so dass man versucht einen Ausgleich zu seiner "normalen Arbeit" zu schaffen.

    Dabei sollte man aber nicht aus dem Auge verlieren, wie du so schön sagst, dass man etwas mit seiner Zeit anfängt.
    Also, dass man sie nicht vergeudet, denn das ist glaube ich, ein großes Problem in der heutigen Zeit. Wir werden aus allen Ecken mit irgendwas berieselt, sind uns aber oftmals gar nicht im Klaren, was eigentlich in dem Moment mit unserer Zeit passiert.

    Gleichzeitig darf die Muße oder auch der Müßiggang nicht vernachlässigt werden, denn wir sind nunmal keine Maschinen, sondern Menschen und diese sind nicht für eine dauerhafte, durchgehende Belastung gemacht.

    Aber über Muße und Müßiggang könnte man viel schreiben :)