Das Böse, nur eine Frage des Standpunktes?

 Ende des Jahres ist eine Sonderausgabe des Philosophie Magazins herausgekommen, mit dem Titel

 

Das Böse - Können wir es verstehen? Warum fasziniert es uns? Wie lässt es sich überwinden“

 

Das sind ziemlich viele Fragen auf einmal, aber als solches interessiert mich das Thema, auch psychologisch, sehr.

 

Die Ausgabe ist in mehrere Bereiche unterteilt, wie z.B. „Was ist das Böse“ oder „Das Böse lieben“. Doch ganz am Anfang gibt es eine chronologische Auflistung des Bösen; unterteilt in die Ideengeschichte, das Böse in der Kultur und gesellschaftliche und politische Ereignisse.

 

Das gefällt mir persönlich doch sehr, weil es einem, zumindest eine kleine Übersicht verschafft.

 

Natürlich ist es schwierig eine solche Chronologie aufzustellen, wenn man zuvor gar nicht definiert hat, was das Böse als solches überhaupt ist.

 

Susan Neiman (US-amerikanische Philosophin und Direktorin des Einstein Forums in Potsdam) versucht sich dem Thema etwas zu nähern, meint jedoch, dass es keine wirkliche Definition des Bösen geben (oder nur schwerlich geben) kann, weil man entweder dazu neigt, diese Definition extrem schwammig zu formulieren, so dass sie eigentlich nichts aussagt oder sie so spezifisch ist, dass dabei wichtige Eckpunkte (Phänomene) vergessen werden.

 

Als solches gibt es zwei Wege um das Böse zu definieren.

 

Der erste Weg sieht im Bösen etwas essentielles, das als Gegenpol zum guten wirkt. Klassischerweise kennt man es unter dem alten „Gut gegen Böse“ oder Gott gegen Teufel“.

 

Der zweite Weg hingegen sieht das Böse eher als das Fehlen von etwas Gutem verstanden, wie eine Art Mangel.

 

Aber alles in Allem sind solche Definitionen nur bedingt hilfreich, weil sie sich zwar dem Grundgedanken versuchen anzunähern, es aber nicht wirklich schaffen.


 Gerade weil es so schwierig ist, ist es umso interessanter in der Ausgabe an anderen Punkten Gedanken und Äußerungen von Augustinus, Spinoza, Kant, Hanna Arendt und vielen anderen Philosophen, über diese Thematik, zu lesen.

 

Die Rechtspsychologin Julia Shaw stellt an anderer Stelle den Gedanken in den Raum, dass in jedem von uns Sadismus (Marquis De Sade kommt in einem späteren Kapitel auch vor) steckt und erklärt dabei, warum es unsere Gesellschaft nicht weiter bringt, wenn wir wir in Schwarz-Weiß Mustern denken.

 

Ein kurzer Anriss der Gedanken Sigmund Freuds kommt auch zum Tragen, welcher der Meinung ist, dass nichts der menschlichen Natur so zuwider läuft, wie das christliche Gebot, seinen Nächsten zu lieben wie sich selbst.

 

Im Bereich, wo es darum geht das Böse zu überwinden, geht es interessanterweise doch öfter um den Teufel, als man vermuten mag; sogar über die Thematik des Exorzismus wird geschrieben.

 

Und wo über Gott und den Teufel gesprochen wird, ist Nietzsche natürlich nicht fern.

 

Nietzsche hat ja sehr intensiv über das Gute und Böse und die Starken und Schwachen geschrieben, was besonders bezogen auf die Sklavenmoral deutlich wurde.

 

Gerade bei der Umkehrung und der anderen Benutzung von Wörtern, mit denen dann das, was eigentlich natürlich, stark und positiv menschlich ist, als etwas Negatives dargestellt wird, um damit die Menschen (vereinfacht gesagt) besser kontrollieren zu können.

 

Da das Thema so umfangreich ist, möchte ich gerne in einigen der kommenden Artikel mehr auf einzelne Punkte, wie den Sadismus, das Bild des Teufels oder die Natur des Menschen eingehen.

 

Ich denke gerade weil es so schwer ist, eine klare Definition zu schaffen, ist es um so interessanter, sich verschiedene Gedanken intensiver anzuschauen und darüber nachzudenken.

 

Dass es auch dort keinen Punkt geben wird, an dem man sagen kann „Das ist die Essenz des Bösen“, wird den einen oder anderen stören - aber dazu sei gesagt: Das ist Teil der Philosophie.

 

Viel Spaß beim Lesen :)

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Kommentare: 2
  • #1

    Michael (Sonntag, 16 Dezember 2018 02:36)

    Ich frage mal ganz frech, ob der Ausdruck "das Böse" überhaupt sinnvoll ist. Es gibt böse Handlungen, es gibt böse Menschen: was sagt das über "das Böse"?
    Es gibt elektrische Geräte und vielleicht bald elektrische Schafe: was wäre dann "das Elektrische"?
    Mit dem "Guten" ist es genauso: kann man das definieren?
    Die Stärke der Philosophie liegt darin, dass sie immer wieder fragt: "Ist dies wirklich so oder ist es ganz anders?"

  • #2

    Denkatorium (Dienstag, 01 Januar 2019 10:14)

    Da stimme ich dir zu: Das Böse oder das Gute zu definieren ist schier unmöglich, genauso wie die Frage, ob es eigentlich sinnvoll ist, dies zu versuchen.
    Man wird sich immer wieder bestimmten Werten annähern, aber dann plötzlich doch von ihnen entfernen, weil sich etwas im Kontext geändert hat.
    Natürlich kann man sich Fragen diesbezüglich stellen, denn das macht ja auch die Philosophie aus, jedoch wird das eine der Thematiken sein, auf die man keine eindeutige Antwort erhält.
    Aber gerade weil es auch so ein schwammiger Begriff ist, wurde dieser über lange Zeit bis heute immer gerne wieder benutzt, um Emotionen hervorzurufen und die Menschen möglicherweise auch manipulativ auf eine Seite zu ziehen. Bestes Beispiel dafür sind Zeitungen.
    Dennoch ist eine solche Übersicht, über die Thematik äußerst interessant, weil sie so unterschiedliche Ansätze beinhaltet.