Frei nach Schopenhauer

Heute habe ich das große Vergnügen, ein wenig etwas über ein Buch zu schreiben, dass mir zur Rezension von den Bookbakers zugesandt wurde.

 

Wer die Bookbakers noch nicht kennt: Es handelt sich dabei um eine Gruppe, die versucht, auch eher kleineren Autoren eine Plattform zu bieten und das auf verschiedenste Weise, so dass man als Autor auch eine (wie ich finde, jugendliche und frische) Chance auf dem Büchermarkt erhält, was in der heutigen Zeit gar nicht mal so einfach ist.

 

In unserem Fall geht es um den Roman „Frei nach Schopenhauer“ von Otto A. Böhmer, einem Philosophen und Schriftsteller, der auch schon zuvor viele andere Bücher verfasst hat.

 

Zugegebenermaßen bin ich normalerweise kein Fan von Romanen, sondern eher von Sachbüchern, doch ich muss sagen, dass Böhmer hier eine sehr gute Mischung aus Roman und Sachbuch geschaffen hat.

 

Hauptfigur ist dabei der Philosoph und philosophische Berater Professor Dr. Egidius Fitzroy, welcher doch etwas unter dem eigenen Gewicht, als auch dem Gewicht seiner Umwelt leidet.

 

Als Mitglied der internationalen Schopenhauer Gesellschaft, hat er das Vergnügen, sich als philosophischer Berater zu betätigen, worin er von der Gesellschaft unterstützt wird. Dennoch hegt Professor Fitzroy eine gewisse Paranoia dieser gegenüber und vermutet sogar, dass sie ihn in seiner Praxis abhören.

 

Bei seiner philosophischen Beratung tauchen immer wieder doch recht skurrile Persönlichkeiten auf, bei denen der Leser anfänglich denken kann, dass diese Figuren doch sehr überspitzt dargestellt werden und gar nicht der Realität entsprechen.

 

Doch durch meine Erfahrungen, die ich vor einigen Jahren selber als philosophischer Berater gemacht habe, kann ich sagen: So fern der Realität sind diese Personen nicht.


Manchmal hegte ich sogar den Gedanken, dass Philosophen etwas ungewöhnlichere Menschen oder Situationen, potentiell anzuziehen scheinen.

 

Natürlich waren nicht alle Gespräche, die man geführt hat seltsam, aber das eine oder andere habe ich bei Professor Fitzroy amüsanterweise wiedergefunden.

 

Professor Fitzroy schreibt auch eine Kolumne, in der er Leserfragen beantwortet. Oftmals wirken sie so harsch, wie Schopenhauer selbst, manchmal hingegen, scheint die Last oder das innere Leiden von Professor Fitzroy in seinen Texten durch und zeigt nicht nur den harten Philosophen, sondern eben auch das Menschliche seiner Person.

 

Ich denke gerade das ist ein Punkt, der gerne vergessen wird, wenn man an Philosophen denkt: Auch wenn Philosophen oftmals gedanklich in Weiten oder anderen Sphären befinden, so sind sie immer noch Mensch. Ein Mensch, wie jeder andere Freude und Leid empfindet und irgendwie durch seinen Alltag kommen muss.

 

Nach einem kleinen (oder doch etwas größeren Eklat) wird Professor Fitzroy, der zu jener Zeit in Frankfurt ansässig ist, zur Bewährung, auf eine Reise auf einem Kreuzfahrtschiff geschickt. Das gefällt ihm natürlich überhaupt nicht. Er soll auf dem Schiff als philosophischer Berater tätig sein und die anderen Reisenden damit „unterhalten“.

 

Doch die Reise verläuft anders als er erwartet hatte. Sogar an Gewicht verliert er und passt später sogar viel leichter in die anfänglich fast schon beklemmende Duschkabine. Ihn überkommt ein Gefühl, als würde er über das Wasser gehen; man könnte sagen richtig erleichtert.

 

Bei dieser Reise lernt er auch andere Mitstreiter kennen, die einen nicht ganz so erfolgreichen Eindruck machen und einem schon etwas in den Sinn kommt, dass es sich um eine Kreuzfahrt handelt, bei der als Unterhalter eher der Bodensatz der Unterhaltungsbranche eingesetzt wurde und von denen man als Reisender lieber nicht unterhalten werden will.


Doch Professor Fitzroy und seine Kollegen unterstützen sich gegenseitig, gerade Fitzroy als solcher, ist oftmals die moralische Unterstützung der Gruppe.

 

Professor Fitzroy hat natürlich auch den einen oder anderen Klienten bei sich in der Beratung, gerade bei einem, bei dem es um seine verstorbene Frau geht, muss ich sagen, wird das Buch etwas düster. Nicht im Sinne morbide, sondern die tiefe Beschäftigung mit dem Tod und wie Menschen damit unterschiedlich umgehen.

 

Im Alltag beschäftigen wir uns mit dem Thema nicht wirklich oft (außer man ist Bestatter), daher ist es oftmals noch immer ein Tabuthema.

 

Der Roman ist also weniger fiktiv, als man am Anfang denken mag, weil er auf philosophische Weise an die Themen herangeht, um sie zu beleuchten. Es ist kein philosophisches Buch bei dem man die Hälfte nicht versteht, weil der Autor in Sphären unterwegs ist, die man nicht oder nur unzulänglich versteht. Gepaart mit den Gedankengängen von Schopenhauer, die immer wieder einfließen, ist es wirklich ein außerordentlich gutes Buch geworden.

 

Das Abenteuer von Professor Fitzroy geht noch weiter, doch bevor ich zu viel im Voraus erzähle, komme ich noch einmal auf den Anfang zurück, denn die Bookbakers ermöglichen dem Autor Lesungen abzuhalten, wobei ihr diesen unterstützen und nach der Lesung sogar „Löcher in den Bauch“ fragen könnt.

 

Das nächste Event findet am 15.02.2019 in Freiburg statt.

 

Über folgenden Link könnt ihr euch schlau machen, ob Otto A. Böhmer auch in eurer Nähe eine Lesung hält. Er würde sich sicherlich freuen euch zu sehen.

 

Frei nach Schopenhauer

 

Zu dem Buch wird es zu einem späteren Zeitpunkt dieses Jahr auch noch einen Podcast geben. Wann genau kann ich noch nicht sagen, hoffe aber, dass ich euch auf Grund meines knappen Zeitkontingents nicht zu lange warten lassen muss.

 

Derweil wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.

 

Solltet ihr das Buch schon kennen, würde ich mich freuen, wenn ihr euren Eindruck in den Kommentaren mitteilt.

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