Wie entkomme ich der Filterblase?

Normalerweise treibe ich mich ja nicht wirklich auf anderen Blogs herum, außer ich suche explizit nach einem Thema oder einer Lösung für ein Problem.

 

Doch manchmal passiert es mir, dass ich durch Zufall etwas Entdecke und dort verweile, gerade dann, wenn mich das Thema interessiert, auch wenn ich danach nicht gesucht habe - oder wenn sich plötzlich eine Frage ergibt, die mich nachdenken lässt (mit Letzterem kann man mich gerne einfangen).

Das müssen keine hochkomplizierten oder extrem komplexen Fragen sein, sondern es reicht wenn sie ganz einfach daher kommen und zum richtigen Zeitpunkt gestellt werden.

So, bin ich letztens über einen Blog gestolpert, der regelmäßige Blogparaden macht und dabei versucht immer wieder interessante Gedanken und Ideen aufzugreifen.

 

Im April geht es um das in der Überschrift zu lesende Thema.

Der Gedankengang hat mich wirklich eingenommen und als Philosoph stelle ich mir umgehend die Frage „Kann man einer Filterblase überhaupt entkommen?“


Jeden Tag filtern wir tagein tagaus. Das Filtern als solches hilft uns in der Welt klar zu kommen, weil wir sonst wahrscheinlich nach kürzester Zeit an Reizüberflutung sterben würden. Die Menge der Reize würden uns sogar physisch Schmerzen bereiten.

 

Das heißt also an sich leben wir immer in einer gewissen Filterblase. Was aber wahrscheinlich mit der obigen Frage gemeint sein wird, bezieht sich (hauptsächlich) auf soziale Medien oder ähnliche Medien, die wir täglich nutzen.

 

Ich kann diese Filterblasen in einem Beispiel etwas klarer machen:

 

Auf Facebook sehe ich täglich Beiträge, die sich mit der Thematik rund um die AfD, FPÖ, Philosophie, Religionskritik, Wissenschaft, Fitness und Memes beschäftigen

 

Bin ich dann bei Twitter lese ich von fanatischem Feminismus, sog. „manshaming“, Gaming, Internetsicherheit, Artikel 13 und dem allgemeinen Versagen der Politiker, ganz vorne dabei die CDU - außerdem kann ich bei Twitter oft nicht erkennen, ob es sich bei einigen Beiträgen um Humor handelt oder nicht.

 

Da gibt es natürlich viel mehr Themen, die man lesen könnte. Manchmal stößt man auch auf ein Thema das einen Interessiert, mit dem man sich zuvor aber wenig beschäftigt hat.

 

Gleichzeitig nimmt man sich aber auch zu wenig Zeit alle Artikel in Ruhe und ordentlich zu lesen. Besonders gut kann man das in den Kommentarspalten sehen, wenn sich die Leute über etwas aufregen, den Artikel aber gar nicht gelesen haben; sich also nur eine Meinung bilden auf Grund der Schlagzeile.

 

Durch die eigenen Interessen, die eigene Meinung und den zusätzlichen Algorithmus z.B. bei Facebook, wird die Filterblase immer kleiner. Sie schnürt sich ab einem gewissen Punkt ganz fest um uns und wenn man sich selber beobachtet, merkt man, wie sie einem richtig die Luft zum Atmen und Entfalten nimmt.

 

Die Filterblase die man früher hatte oder die man außerhalb der Internetmedien hat ist wesentlich lockerer. Das hat verschiedene Gründe, zum einen sind die sozialen Kontakte nicht ständig verfügbar, das heißt die Reaktionszeiten sind ganz andere, zum anderen sind auch jene Kontakte, die auf gemeinsamen Interessen beruhen auch nicht ständig verfügbar bzw. der Stammtisch hat nicht rund um die Uhr geöffnet, wenn man das mal so salopp sagen darf.

 

Gleichzeitig ballen sich durch die sozialen Medien Meinungen und Meinungsmache. Das kommt im Alltag eher selten vor, außer man liest nur bestimmte Zeitungen.

 

Was also tun, wenn es eigentlich immer eine Filterblase um uns herum gibt und wir dieser überhaupt nicht entrinnen können?

 

Ein Zitat aus meiner Kindheit könnte da Abhilfe schaffen:

„Abschalten nicht vergessen“

Das sagte damals Peter Lustig immer am Ende der Sendung Löwenzahn.

Ich weiß gar nicht, ob das immer noch so gehandhabt wird, da der Protagonist nun ein anderer ist.

 

Aber mit diesem Gedanken, das Abschalten nicht zu vergessen, sollte man auch die sozialen Medien betrachten und somit seine Filterblase.

 

Es ist nicht dramatisch mal nicht erreichbar zu sein. Es ist nicht dramatisch mal den einen oder anderen Artikel nicht zu lesen oder sich Gedanken zu machen, was man jetzt wohl im Internet verpassen könnte.

 

Damit weicht man die Filterblase wieder etwas auf und beschäftigt sich auch mit anderen Dingen des Lebens und vielleicht dem Leben selbst.

 

Jetzt werden einige sagen „Du bist doch Verfechter des Transhumanismus, wie kann das denn sein?“

 

Zum Transhumanismus gehört nun einmal auch der Humanismus, was bedeutet, ich muss mich auch mit mir beschäftigen (können), denn wenn ich mich immer nur auf die ständig vorgegebenen Themen aus den sozialen Medien konzentriere, verliere ich mich selbst und das sollte man als Transhumanist vermeiden, denn sonst wird die ganze Höher- oder Weiterentwicklung sinnlos.

 

Im Endeffekt können wir uns der Filterblase nicht entziehen, aber wir können sie verlagern und aufweichen. Sei es dass wir uns eine Auszeit nehmen (die wir versuchen einzuhalten), wir uns auf fremde Themen einlassen, unser Verhalten ändern, weil wir z.B. gemerkt haben, dass wir ein Hobby haben, von dem wir nichts wussten usw.

 

Wichtig ist, dass wir einfach mal abschalten und wenn wir das nicht können, aber merken, dass wir es sollten, weil uns diese Filterblase psychisch so belastet und vereinnahmt, geht es daran sich jemanden zu suchen, der einem beim Abschalten helfen kann.

 

Gerade wenn ich Urlaub habe mache ich es gerne, dass ich mein Handy so einstelle, dass ich nur wenig aus dem Internet mitbekomme, das ist sehr praktisch und entspannt ungemein.

 

Was macht ihr, damit ihr der Filterblase zumindest etwas entkommen könnt?

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