Umweltaktivismus

Lange war ich am überlegen, ob ich das folgende Thema ansprechen soll oder nicht. Zum einen geht es um etwas politisches und zum anderen hängt das Thema mit verschiedenen philosophischen Bereichen zusammen; was es umso komplexer macht und man sich ganz schnell in verschwörungstheoretischen Ideen wieder findet.

 

Das Thema wird auch in der aktuellen Abenteuer Philosophie aufgegriffen und das sowohl im Editorial, als auch im Teil der „Goodnews“, welche ja das Magazin immer ganz am Anfang mitteilt.

 

Es geht dabei um die „Fridays for Future“ die durch Greta Thunberg inspiriert wurden und nun jeden Freitag einen Schulstreik mit sich ziehen.

 

Anfänglich hat Greta Thunberg nur alleine einen Sitzstreik, drei Wochen täglich, vor dem schwedischen Parlament, ausgesessen. Das war ihr Protest bezüglich der mangelnden Reaktion auf die Klimakrise.

Ich hab in den sozialen Medien wirklich eine Menge darüber gelesen und auch lesen müssen, da aus allen Richtungen etwas dazu gesagt werden wollte. Das war und ist anstrengend. Da liest man vom positiven bis hin zum negativen wirklich alles.

 

Es verlief fast wie bei dem Spruch „Im Krieg und der Liebe ist alles erlaubt“.


Wir haben auf der einen Seite die Jugend, die sagt:

„Leute, ihr hattet all die Jahre Zeit und habt´s bis heute nicht gebacken gekriegt - wir haben jetzt ein riesiges Problem und es wird nicht besser, wenn wir nicht umgehend handeln.“

 

Auf der anderen Seite stehen die Leugner und Profiteure, die sagen „Der Klimawandel ist nicht real, weil das Klima nicht linear verläuft und somit nicht vorhergesehen werden kann.“

 

Letztere Personengruppe schreibt dann auch gerne etwas über ihr diagnostiziertes Asperger-Syndrom, welches dann mit Autismus verwechselt wird.

Ebenso wird versucht, sie lächerlich zu machen; was auch mit den restlichen Schülern insgesamt, gerne gemacht wird, aber Greta Thunberg steht dabei natürlich im Fokus.

 

Dass das Klima einem ständigen Wandel unterliegt steht außer Frage, dass es auch nur bedingt vorhergesagt werden kann, ist auch klar.

Wobei gerade Leugner des Klimawandels gerne die Definition von Wetter und Klima durcheinander bringen.

 

Aber schauen wir uns doch mal einige Gedanken dazu an.

 

Als ich Kind war, weiß ich noch, wie die Erwachsenen immer darüber gesprochen haben, dass man etwas für die Zukunft der Kinder tun muss. Dass es in Jahr xy kein Erdöl mehr gibt und wir deswegen handeln müssen. Auch wurde uns immer gesagt, dass das FCKW aus den Kühlschränken und Co verbannt wurde, weil das ein Loch in unsere Ozonschicht bringt und somit sehr gefährlich ist.

 

Uns wurde also gezeigt, dass nicht alles was wir als Menschen so treiben, auch unbedingt so super für uns alle ist und wir dann und wann hinterfragen und agieren sollten, wenn wir merken, dass etwas falsch läuft.

Dann passierte gefühlt über viele Jahre dahingehend kaum mehr etwas. Ich hörte immer nur davon, dass die U.S.A. das Klimaabkommen nicht unterschreiben wollten und dass alle Jubeljahre Treffen stattfanden.

 

Irgendwann kam dann der Klimagedanke wieder in den gesellschaftlichen Fokus und es wurden Fragen lauter, warum wir eigentlich so viele Papp- und Plastikbecher für unseren Kaffee nutzen; denn die Menge an produziertem Müll wäre ja schon erheblich.

 

Bevor dieser Gedanke aufkam, hatte ich mir bezüglich des Plastiks schon andere Gedanken gemacht: Ich habe zu meiner Schulzeit mal ein Praktikum als Bestatter gemacht, wo ich dann auch Särge herrichten durfte. Die Särge werden mit einer Plastikfolie ausgeschlagen, die die Körperflüssigkeiten während des Zerfalls auffangen sollen. Sieht auch nicht ganz so schön aus, wenn bei einer Trauerfeier, da was aus dem Sarg tropft - mal abgesehen von der Hygiene.

 

Diese Folie, so wurde mir gesagt, ist damals schon biologisch abbaubar gewesen und zerfällt einfach mit dem Zersetzungsprozess in der Erde.

Meine ersten Gedanken dazu waren „Warum nimmt man das nicht für all die eingepackten Lebens- und Nahrungsmittel in den Supermärkten?“

Wie die Folie jetzt genau aufgebaut ist und ob man diese dafür überhaupt verwenden kann, weiß ich nicht, dazu findet man auch schwer etwas.

Dennoch ist es heute so, dass viel mehr Plastik wieder neu verwendet wird, weil sich die Verfahren geändert haben und wir einen Schritt weiter sind, was die Forschung angeht. Aber das ist eben nur eine der vielen Baustellen, die es zu bearbeiten gilt.

 

Aber Kinderaugen sehen viele Dinge nun mal anders, deshalb war mein damaliger Gedanke nicht unbedingt falsch oder etwas, mit dem ich mich nicht hätte beschäftigen sollen.

 

Jetzt haben wir da Schüler, die sich aktiver, als vielleicht meine Generation, mit dem Thema der Umwelt befasst und dann kommen sofort Gegenstimmen „Die sollten lieber mal zu Schule gehen und lernen, als zu streiken.“

 

Oder auch schön, sind Äußerungen wie von Christian Lindner (FDP), der meinte, dass man von Kindern- und Jugendlichen nicht verlangen könnte, dass sie alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und ökonomisch Machbare sehen; das wäre eine Sache für Profis.

 

Ja und Nein, würde ich sagen.

 

Natürlich bedarf es Profis bestimmte Dinge zu durchdenken und auszuführen, gar keine Frage.

 

Gleichzeitig macht eine solche Aussage aber auch den Eindruck, als verstünden die Schüler gar nicht was Sache ist und nur Erwachsene und Politiker würden die Zusammenhänge verstehen. Lindner hat später dann zurückgerudert und definiert, wen er mit Profis gemeint hat - eben Wissenschaftler und Ingenieure. Gleichzeitig wären auch mit dem Pariser Klimaschutzabkommen Ziele definiert worden.

 

Das Pariser Übereinkommen wurde Ende 2015 verabschiedet. Es sind alle Länder der Welt vertreten, die U.S.A. hat 2017 ihren Austritt für 2020 erklärt.

Bei Wikipedia kann man sich unter „Übereinkommen von Paris“ das mal anschauen, wenn man Zeit hat - ehrlich gesagt, mir ist das Übereinkommen viel zu schwammig formuliert, aber ich bin dahingehend auch nur Laie.

 

Jetzt kommen wir zum „Nein“, dass es eben keiner Profis (bzw. nicht ausschließlich) bedarf, die sich mit dem Klimaschutz oder mit unserer Umwelt beschäftigen.

Gerade Kinder und Jugendliche haben eine ganz andere Sicht auf die Welt als wir sie haben. Sie denken in manchen Dingen einfacher und in anderen wiederum größer, als Erwachsene.

Das heißt aus, dass sie manchmal Gedanken haben, die so simpel sind, dass man als Erwachsener gar nicht drauf kommen würde. Auf der anderen Seite ist es gerade das Simple, was an einer größeren Umsetzung scheitert, weil erst noch eine andere Vorausstzung geschaffen werden muss

 

Aber sei‘s drum. Kindern und Jugendlichen sollte man zuhören und ihre Kritik nicht einfach als unwissende Äußerung abtun.

 

Wir leben in einer Welt, in der jeder ständig seine trivialen Gedanken ins Internet rotzt (wenn ich das mal so bildlich sagen darf) und wo jeder ständig eine Meinung und vor allem hochintellektuelle Ahnung von Allem hat.

Dementsprechend fallen dann auch die Reaktionen aus, wenn sich mal Jugendliche ein Herz fassen und aktiv etwas voranbringen wollen, weil wir einfach noch immer zu wenig unternehmen; sondern, gefühlt vieles einfach etwas länger aussitzen, als wären wir Helmut Kohl. Irgendwann wird dann alles gut und man muss sich keinen Kopf mehr drüber machen.

 

Doof nur, wenn andere das irgendwann nicht mehr aussitzen wollen.

 

Sicher ist: Wir müssen etwas machen, vor allem müssen wir endlich anfangen, nachhaltiger zu denken.

 

Nicht sofort alles wegzuwerfen, weil es kaputt ist.

 

Vielleicht öfter zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren.

 

Uns Gedanken über unsere Ernährung machen, anstatt nach der Arbeit vor die Glotze zu hauen und da zu versauern, bis man ins Bett geht.

 

Im Leben aktiver sein und mehr vom Leben wollen, als nur das was einem vorgelegt wird.

 

Viele von uns haben verlernt über das Leben als solches zu staunen und es somit mit Kinderaugen zu sehen.

 

Gerade die Philosophie ist dabei in der Pflicht, vermittelnd und aufklärend zu wirken, so dass wir gemeinsam die Zukunft gestalten können.

 

Dabei geht es nicht um das ewige Lamentieren Diskutieren, sondern auch um die Möglichkeit der Umsetzung der Ideen.

 

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