Kein Ding an sich

Vor einiger Zeit habe ich das Buch „Kein Ding an sich“, geschrieben von dem Autor Stephan Weiner, erhalten. Ich wollte schon viel früher eine Rezension darüber schreiben, jedoch ist es mir zeitlich anders nicht möglich gewesen. Da ich aber weiß, dass einige meiner Leser immer wieder an philosophischen Büchern interessiert sind, möchte ich soeben auch gerne dieses Werk mit euch teilen.

 

Es handelt sich bei dem Buch um die Kategorie PhiloFiktion, womit ich anfänglich nur bedingt etwas anfangen konnte, aber desto mehr ich in dem Buch las, desto klarer wurde auch diese Einordnung. Es beginnt mit zwei Handwerkern auf einer Baustelle, die sich über die Thematik des emotionalen und des sachlichen Erkennens der Welt unterhalten. Es ist der Maler Morlock und der Elektriker Bartock.

 

Zugegebenermaßen, da ich Probleme mit meinem Namensgedächtnis habe, war es für mich schwierig anfänglich beide richtig einzuordnen, besonders weil sich deren Namen doch sehr ähneln.

 

Sie philosophieren also über das Erkennen der Welt und an einem gewissen Punkt scheint das Argument von Bartock unschlagbar zu sein und zwar so unschlagbar, dass Morlock zuschlägt. Er schlägt ihn nieder und Bartock ist sofort tot.


Morlock konnte nicht zulassen, dass Bartock auch noch andere Menschen mit seinen Gedanken infiziert und sie womöglich Anhänger seiner Theorie werden würden.

 

Doch, er hatte ihn erschlagen; auf der Baustelle hatte es anscheinend niemand mitbekommen, aber was sollte er nun machen? Für ihn war klar: Er musste Bartock aus der Welt schaffen, sowohl seine philosophischen Gedanken, als auch die Überreste des Toten.

 

Er reinigte also den Tatort und baute sogar eine Wanne aus Rigips um Bartock darin aufzulösen.

 

Morlock hat dabei mit verschiedenen Problemen zu kämpfen, vorrangig mit der Tat als solchen, weil er, als Verfechter des sachlichen und emotionslosen Erkennens der Welt und dem Handeln danach komplett emotional und unsachlich gehandelt hat. Durch das Zulassen seiner Emotionen hat er genau gegen das verstoßen, wonach er eigentlich lebt. Natürlich machte er sich auch darüber Gedanken, dass er einen Menschen getötet hat und was für ihn die Konsequenz daraus sein könnte.

 

Er spielte gedanklich so viele Möglichkeiten durch, dass man merkt, wie er mit jedem Gespräch, welches er außerhalb der Baustelle führt oder führen muss, immer mehr den Eindruck eines wahnsinnig werdenden Menschen macht.

 

Er hat Bartock körperlich entfernen können. Nachdem er ihn in Säure aufgelöst und die Reste auf der Baustelle entsorgt hat, versucht er die restlichen Spuren zu entsorgen, wie das mehrfache Säubern seiner Kleidung oder auch die Blutspritzer auf der Baustelle.

 

Ein Interessanter Aspekt der Menschen, mit denen Morlock zu tun hat, ist, dass sie durch die Bank weg philosophieren. Ich habe noch nie Menschen im Alltag so philosophieren gehört, was zuerst etwas befremdlich auf mich wirkte, weil ich es einfach für zu absurd hielt. Doch hatte ich immer das Gefühl, dass diese Dinge, die von den jeweiligen Personen gesagt werden, mich an bestimmte philosophische Richtungen oder Philosophen selbst erinnerten. Dieses Gefühl begleitete mich eine längere Zeit, zumal die Personen dann immer im Namen abgekürzt wurden, wie S. oder K.

 

Wie Schuppen fiel es mir dann bei J.P.S. auf, der etwas über das existentialistische Sein erzählte. Dass sich dahinter der gute Sartre versteckte, war dann auch mir kein Geheimnis mehr.

 

Die Tat Morlocks hatte auch körperliche Auswirkungen auf ihn, was sich in schweren Rückenschmerzen, inklusive einer Verkrümmung des Rückens bemerkbar machte. Selbst der Arzt philosophierte mit Morlock und woher seine Beschwerden denn vielleicht kommen könnten. Morlock behielt sein Geheimnis jedoch für sich.

 

Durch ein Gutachten des Erdbodens in der Nähe der Baustelle, welches gemacht werden musste, weil die Vorschriften dies vorsahen, konnte es nun doch sein, dass Morlocks Tat aufgedeckt werden würde. Die Baustelle wurde plötzlich gesperrt und er als Zeuge vorgeladen. Kurz danach ging es sogar schon vor den Richter.

 

Doch mehr verrate ich zu diesem Zeitpunkt nicht, denn der Ausgang und bestimmte Eckpunkte des Buches sind äußerst interessant und ein wenig spannend lassen möchte es noch.

 

Ehrlich gesagt kann ich die Unterhaltungen, wie sie im Buch vorkommen gar nicht so wiedergeben, gerade weil sie aufgrund der Situationen und der aufkommenden Absurdität, dass solche Gespräche im Alltag eher nicht vorkommen würden.

 

Gleichwohl sind sie genau deswegen interessant und ich habe Lust das Buch ein zweites Mal zu lesen, weil ich es nun mit einem ganz anderen Auge lese, als zuvor. Potentiell erkenne ich den einen oder anderen Philosophen leichter.

 

Ich habe beim Lesen immer etwas Wilhelm Weischedels „Philosophische Hintertreppe“ im Kopf gehabt; weil es bezogen auf eine Tat dennoch viele Sichtweisen auf die Welt und verschiedene Situationen in der Welt gibt, was genau mit den Philosophen gut aufgegriffen wurde. Natürlich ist Weischedel eine ganz andere Kategorie von Buch, aber als Überblick, auch wenn man nicht viel Ahnung von Philosophen hat, finde ich es gut.

 

Was mich jedoch, zugegebenermaßen gestört hat, war der ab und an aufkommende, akademische Wortschatz, der einem das Buch hier und da etwas fern und zu sehr sachlich erscheinen lässt. Dieser Wortschatz ist jedoch den Philosophen als solches geschuldet, weil sie über Jahrhunderte hinweg alles so verkopft haben, dass man als Außenstehender kaum mehr versteht, um was es eigentlich gehen soll.

 

Einen Punkt, den der Richter in seinem Vortrag hält, werde ich zusätzlich noch einmal in einem extra Artikel aufnehmen, da mir seine Analogie sehr gut gefallen und mich unglaublich angesprochen hat.

 

Was ich mir noch gewünscht hätte, ist, eine kleine Aufstellung am Ende des Buches, welche Philosophen genau gemeint waren. Ich weiß zwar, dass es kein Sachbuch ist, aber als Überblick wäre es sicherlich ganz schön gewesen. Aber das ist wahrscheinlich nur meine ganz eigene Meinung, ein anderer sieht es vielleicht nicht so.

 

Alles in Allem hat mir das Buch gut gefallen und es hat Spaß gemacht zu lesen. Wer etwas mehr in der philosophischen Praxis unterwegs ist, dem wird dieses Buch sicherlich gefallen. Aber auch für philosophische Anfänger bzw. Interessierte ist es geeignet, auch wenn der eine oder andere Gedanke anfänglich nicht ganz klar sein sollte.

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