Wir mit unseren Gedanken

Ursprünglich hatte ich begonnen einen Text zu schreiben, in dem es um die Hysterie um Covid-19 geht.

 

Damit meine ich nicht das Virus selbst, denn das ist als solches noch viel zu unerforscht und die Spätfolgen sind noch gar nicht absehbar, sondern eigentlich ging es mir dabei um das Verhalten der Menschen im Vergleich zur Statistik.

 

Jedoch habe ich diesen Text verworfen, weil es vielleicht den Eindruck gemacht hätte, ich würde diese Pandemie verharmlosen wollen, was jedoch nicht meine Absicht ist.

 

Auch wenn ich mich über die Klopapierhamsterer gerne lustig mache, weil sie gar nicht erfassen zu können scheinen, wie absurd-hysterisch ihr Verhalten ist...

 

Wie gesagt, diese Idee habe ich verworfen und habe von einem viel interessanteren Ansatz gelesen. Darin ging es weniger um die entstandene Panik oder Hysterie, sondern um den Gedanken, wie man diese Zeit für sich nutzen kann.


Wir haben jetzt die Möglichkeit unseren Alltag aufzubrechen. Die Verhaltensweisen, die wir sonst immer an den Tag gelegt haben, können wir jetzt ändern.

 

Nun haben wir Zeit für Hobbys, die wir schon immer mal vorhatten, auszuüben: Malen, Basteln, Heimwerken, Stricken, Nähen, Schreiben, in Ruhe Musik hören, etwas lesen, Spiele spielen, mit dem Partner tiefgründige Gespräche führen, usw.

 

Es gibt so viele Dinge die wir tun können, ohne rauszugehen. Die ganzen introvertierten Menschen, die nach der Arbeit ihr eigenes Ding durchziehen, ohne, dass sie sich täglich in Cafés oder Bars treffen, zeigen doch, dass es auch anders funktionieren kann.

 

Man muss nicht regelmäßig nach der Arbeit in die Läden der Stadt fahren und Kleidung oder ähnliches einkaufen (was anscheinend recht viele zu machen scheinen).

 

Nicht wenigen Menschen scheint innerlich etwas zu fehlen, was sie versuchen durch dauerhaften und regelmäßigen Konsum aufzufüllen. Quantität von etwas, das uns vorgibt heilen zu können, ist nur eine Illusion.

 

Meine Vermutung ist ja, dass viele der Menschen, die jetzt Panik bekommen, dass sie nach der Arbeit alleine mit sich selbst und ihren Gedanken sind. Es ist gar nicht das „abgeschottet sein“, sondern vielmehr das Beschäftigen mit sich selbst.

 

Denn früher konnte man auch telefonieren, mit den Nachbarn über das Hoffenster oder im Treppenhaus reden.

 

Heute haben wir sogar noch mehr Medien zur Verfügung, wie Discord, Skype und und und. Trotz dessen fühlen sich die Menschen plötzlich sozial distanziert?

 

So harsch das klingen mag, aber das halte ich für eine Ausrede. Es ist eine Ausrede, um sich selbst nicht eingestehen zu müssen, dass man mit dem eigenen Ich und den eigenen Gedanken nicht umgehen kann. Nicht grundlos werden plötzlich Bilder geteilt, in denen es um soziale Distanz und Seelsorge geht.

 

Ein anderer Punkt, den ich sehr denkenswert finde, ist, dass man jetzt auch bei sich selbst schauen kann „was brauche ich eigentlich alles?“.

 

Unsere Wohnungen sind vollgestopft mit Klimbim, der oftmals keinen Wert hat. Waren die mit einem Seil umwickelten Dekostöckchen, für fünf Euro wirklich notwendig?

 

Oder die Tannenzapfen für drei Euro, die eh nur einmal benutzt wurden und die restliche Zeit des Jahres in einer Kiste verschwinden?

 

Muss ich mir wirklich so viele Figuren oder Modelle in die Wohnung stellen, die am Ende doch nur einstauben?

 

Wir überfüllen unser Leben mit Dingen, ohne zu merken, dass sie uns immer mehr beherrschen, sie aber kein wirklicher Sinnträger sind. Natürlich sind sie vielleicht schön anzusehen, aber um reine Ästhetik geht es uns kaum, sondern, es geht um das Füllen und Besitzen.

 

Nun haben wir schon zwei Gedanken betrachtet. der eine ist, ob unser Verhalten zum Teil nicht nur Ausrede ist, damit wir uns selbst nicht mit uns oder maßgeblichen Hobbys beschäftigen müssen und der andere ist, dass wir uns kontrollieren lassen von den Dingen, die wir besitzen.

 

Es wird eine Illusion von Kontrolle und Ordnung geschaffen, welche in uns gleichzeitig ein Gefühl der Ruhe und Sicherheit auslöst. Aber es ist eben nur eine Illusion, nicht mehr.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir nun unser gesamtes System überdenken sollten. Damit meine ich das staatliche System; auf einigen verschwörungstheoretischen Seiten kann man schon den Gedanken lesen, dass die NWO (New World Order) vor hat, uns weltweit kommunistisch aufzubauen, weil man den Menschen damit besser kontrollieren könne...

 

Meine Gedanken hingegen gehen eher in die Richtung, dass sich die Frage stellt, ob ein Bedingungsloses Grundeinkommen jetzt möglich wäre, oder ob den Altpolitikern auffällt, wie sehr sie eigentlich über die Jahre das Bildungs- und Gesundheitssystem heruntergewirtschaftet haben, obgleich immer wieder gesagt wurde, dass man genau dort nicht sparen solle.

 

Wenn man sich überlegt, dass das Beschaffungsamt Gesundheitsminister Spahn früh genug gesagt hat, dass es einen Engpass geben wird, aber weder er noch das Ministerium sich daraufhin meldete, ist das schon bezeichnend. Natürlich wird das, wie immer, ohne Konsequenzen bleiben...

 

Wir sollten diese Situation jetzt als Chance sehen uns und unsere Umgebung verändern zu können. Sie befindet sich eh in einem Umbruch, da fällt es einem leichter diese Gewohnheiten und alten Systeme in etwas neues umzuwandeln, wir müssen es eben nur zulassen.

 

Das Leben ist dynamisch, es ist nichts starres, es ist flexibel und passt sich an. So sollten wir nun mal auch denken und nicht „das haben wir schon immer so gemacht“, denn damit haben wir erst Probleme geschaffen, die nicht sein müssten.

 

Es muss ja nicht gleich „zurück zur Natur“ sein, aber ein natürlicheres Leben, was uns weniger durch Dinge und alte Systeme oder Verhaltensweisen beherrscht, wäre nicht unbedingt der schlechteste Weg.

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