Der aufrecht gebückte Mensch

   Vor einiger Zeit hatte ich das Glück, oben genanntes Buch, von Wolfgang Paul, lesen zu dürfen. Dabei handelt es sich um eine philosophische Betrachtung des Menschen und seine Position im Leben.

 

Zugegebenermaßen war ich anfänglich etwas irritiert, da der Autor öfter Bilder aus der Bibel nahm und anhand dieser etwas versuchte zu erklären. Daher las ich mit einer gewissen Skepsis weiter.

 

Das liegt mitunter daran, dass ich oft schon (philosophische Bücher) gelesen habe, die solche Metaphern benutzten, um später ihre philosophische Idee auf einem Gottesgedanken zu begründen. Das ist hier aber glücklicherweise nicht der Fall, sondern es wird als reine Metapher für unser Verhalten verwendet, die einfach einen Gedanken verdeutlichen soll.

 

Unter dem aufrecht gebückten Menschen kann man sich zuerst nicht wirklich viel vorstellen, nur kommt die Idee auf, dass es sich vielleicht um eine weitere Evolutionsstufe handeln könnte, die der Mensch erreicht hat, nachdem er einige Zeit aufrecht gegangen ist.

 

Denn eigentlich gehen wir doch davon aus, dass wir auch heute noch aufrecht und selbstbestimmt durch das Leben gehen oder ist das etwas doch nicht so?

 

So fern ist dieser Gedanke nicht. Paul weist in seinem Werk auf den Zwiespalt hin, in dem sich der Mensch sich befindet. Auf der einen Seite finden wir den Minderwertigkeitskomplex und auf der anderen die Überheblichkeit.

Ebenso stellt sich die Frage, ob unsere Werte die wir hatten oder denken zu haben, wertlos geworden sind, weil wir sie eben nicht mehr leben.


Gleichzeitig, angeregt durch die Thematik, stellt sich mir die Frage, ob die Werte, die wir gelebt haben, heute noch wert sind gelebt zu werden oder ob sie in sich nicht wertlos geworden sind und wir sie deswegen nicht mehr leben?

 

Besonders interessant finde ich den Punkt, an dem Paul, im übertragenen Sinne unsere Egomanie hinterfragt.

 

Der Mensch ist, zu einem großen Teil, zu einem Egomanen oder Individualisten (im negativen Sinne) mutiert, lässt sich dabei aber gleichzeitig sehr von diversen Punkten des Lebens manipulieren und steuern, obgleich er der Meinung ist völlig souverän zu sein.

 

Der buddhistische Gedanke, dass alles miteinander verbunden ist und wir eigentlich in einer Illusion von „Ich“ leben, spiegelt sich amüsanterweise genau dort wider.

 

Daher ist die Frage nach einem mehr nach „wir“ absolut berechtigt. Möglicherweise wäre das vielleicht sogar die potentielle Heilung von unserer gebückten Haltung.

 

Es hat mir viel Spaß gemacht dieses Buch lesen zu dürfen, weil es einfach bestimmte Verhaltensweisen der Menschen hinterfragt, ohne verurteilend zu sein; gleichzeitig regt es zu weiteren Gedankengängen an

 

Ich bin gespannt, welche Gedanken Wolfgang Paul in Zukunft noch für uns parat hat.

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