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Knietzsche und der Tod

Vor einiger Zeit wurde mir ein Buch empfohlen, welches ich mir als Erwachsener eigentlich nicht geholt hätte, weil es sich um ein Kinderbuch handelt.

 

Doch halt: Nur weil es ein Buch für Kinder ist, heißt das nicht, dass es nicht den eigenen Horizont erweitern kann.

 

Knietzsche, wird auch der kleinste Philosoph der Welt genannt und wurde von Anja von Kampen erfunden. Bei der Namensgebung bin ich mir, bis auf Nietzsche nicht ganz sicher, da ich dazu zwei Versionen gefunden habe. Das K könnte demnach entweder für das Knie stehen, was sich auf seine Körperhöhe bezieht (lt. Wikipedia) oder, was ich für fast nachvollziehbarer halte, dass sein gesamter Name (in Anlehnung an Nietzsche) das Geräusch beschreibt, wenn er mit seinen offenen Turnschuhen durch den Raum läuft.

 

Aber als solches ist der Name auch nicht wirklich relevant. Viel wichtiger ist, was Knietzsche macht. Er bringt nämlich den Kindern die Welt näher und das auf philosophischem Wege. Doch nicht eben die verstaubte, akademische Philosophie, sondern die praktische Philosophie, um die Welt zu verstehen.


Knietzsche gibt es seit 2014 (vorher: Magazin mit Knietzsche und Ben (2012)) als kleine Zeichentrickserie im Fernsehen und wurde unter anderem in der ARD, WDR, SWR, KIKA und vielen anderen Sendern ausgestrahlt.

 

Die Themen sind ganz alltäglicher Natur: Es geht um Angst, Freiheit, Freundschaft, Gefühle, Gerechtigkeit, Gewissen, das Gute und Böse und sogar das Ich wird den Kindern näher gebracht.

 

Natürlich wird das nicht auf die akademische Art gemacht, sondern es geht erst einmal um das einfache Verstehen der Welt und wie die Dinge sind - oder zu sein scheinen. Man darf jetzt nicht erwarten, dass Feuerbach oder Kant zitiert werden, aber darum geht es dabei auch nicht. Als Kind versteht man Dinge der Welt oft ganz anders oder eben auch mal nicht und weiß nicht so recht, was etwas bedeuten kann. Wenn man nun versuchen würde dem Kind die Welt mit Sartres Worten zu erklären, dann wäre die Verständnislosigkeit noch größer, als sie vielleicht ohnehin schon war.

 

Knietzsche schafft dahingehend einen Raum, in dem Kinder die Welt besser verstehen können. Auch der Tod spielt dabei eine Rolle und mal ehrlich: Wer als Erwachsener spricht im Alltag mit (seinen) Kindern über den Tod? Meist spricht man ja nicht einmal untereinander darüber, weil man ihn ausblendet.

 

Der Tod ist für uns meist etwas fernes, etwas nicht greifbares, etwas unfassbares, dementsprechend beschäftigen wir uns auch kaum damit. Dennoch gibt es für uns alle den Moment, in dem wir uns damit beschäftigen müssen. Doch für Kinder ist das oftmals sehr schwer zu verstehen - besonders, wenn wir es als Erwachsene schon nicht begreifen können.

 

Das Buch Knietzsche und der Tod geht nicht nur einfühlsam, sondern auch verständnisvoll auf das Thema ein.

 

Knietzsche erklärt was biologisch mit dem Menschen (und auch dem Tier) passiert und da fängt es schon mit dem Altern an. Es werden Berufe näher gebracht, die sich mit dem Tod beschäftigen, wie dem Bestatter, Friedhofsgärtner oder dem Thanatopraktiker.

 

Auch verschiedene Religionen und deren Jenseitsvorstellungen werden thematisiert. Verständlicherweise kann dabei nicht auf jede Religion oder Ideologie eingegangen und bis auf das Kleinste runter gebrochen werden. Aber darum geht es ja auch nicht, sondern vielmehr um die Darstellung vielfältiger Ideen und den damit verbundenen Jenseitsgedanken.

 

Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob der Atheismus so richtig dargestellt wurde, aber das ist ein anderes Thema.

 

Das Thema der Gefühle wird auch behandelt und dass man diese zulassen darf, wenn man es denn möchte. Den Kindern werden dabei verschiedene Ideen, wie z. B. das Trauertier an die Hand gegeben, um diese Gefühle auszudrücken.

 

Zudem wird aufgezeigt, wie verschiedene Kulturen und Länder mit dem Tod und den damit verbundenen Traditionen umgehen. Gleichzeitig wird das als Inspiration genommen um dem Kind die Möglichkeit zu geben darauf kreativ zu reagieren und sich seine eigenen Gedanken zu machen.

 

Das ist einer der Punkte, der sich übrigens auch durch das ganze Buch bewegt: Dem Leser/Kind werden Fragen gestellt z. B. wie man sich etwas vorstellt, was man wollen würde, was man machen würde usw.

 

Gerade diese Möglichkeit des kreativen Handelns und Überlegens, geht damit über ein einfaches Kinderbuch hinaus und wird dadurch viel mehr zum Teil der praktischen Philosophie.

 

Ein, wie ich finde, sehr großer Vorteil bei diesem Buch (mal abgesehen von der Praxisnähe und Kreativität) ist, dass man es theoretisch an jeder Stelle beginnen kann. Man muss es nicht am Anfang beginnen, damit man den Rest davon versteht. Gerade wenn man ein Thema, bezogen auf den Tod, mit einem Kind bespricht, ist das von großem Vorteil, weil man eben nur auf diesen einen Bereich eingehen kann.

 

In allem finde ich Knietzsche wirklich sehr gelungen und ist meiner Meinung nach eine sehr gute Möglichkeit Kindern verschiedene Themen näher zu bringen - in diesem Falle den Tod.

 

Dennoch denke ich, dass Kinder- und Jugendbücher immer eine Gratwanderung darstellen können. Was mitunter daran liegt, dass wenn man jemandem etwas erklärt, man auch immer die eigene Ansicht zu etwas mit einfließen lässt, was aber auch nicht wirklich vermeidbar ist.

 

Gleichwohl hat es mir sehr Spaß gemacht dieses Buch entdecken zu dürfen - auch wenn ich immer wieder etwas schräg angeschaut wurde, dass ich als Philosoph ein Kinderbuch lesen würde.

 

Doch wie sagte schon Erich Kästner:

 

„Die meisten Menschen legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut.

Sie vergessen sie wie eine Telefonnummer, die nicht mehr gilt.

Früher waren sie Kinder, dann wurden sie Erwachsene, aber was sind sie nun?

Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.“

 

Viel Spaß beim Lesen oder beim schauen der Zeichentrickserie.

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