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Absolute Freiheit?

In den letzten Monaten habe ich mir immer wieder ein wenig Gedanken gemacht über die Thematik der Freiheit und was sie eigentlich für uns philosophisch bedeutet.

 

Lustigerweise hat dazu das Abenteuer Philosophie Magazin just eine Ausgabe herausgebracht, die sich ebenso damit beschäftigt.

Was ist Freiheit? Wo fängt sie an, wo hört sie auf?

In meiner Jugend las ich eine kleine Anekdote über einen Zen-Mönch und einen Biker. Sie unterhielten sich über die Freiheit.

Der Biker war der Meinung, dass der Mönch doch in seinem Kloster gefangen wäre und damit überhaupt nicht frei sein könnte, er hingegen wäre auf seinem Motorrad frei.

Doch der Mönch fragte den Biker, ob er für das Motorrad nicht arbeiten und Geld verdienen müsste, ebenso für Benzin und Reparaturen benötigte er sicher Geld.

Philosophie der Freiheit

Auch wäre er an die Straße gebunden und könne nicht einfach querfeldein fahren, selbst das Wetter spielte eine Rolle, wie er sich auf dem Motorrad fühlte.

Nicht zu vergessen die anderen Verkehrsteilnehmer, die in ihm Emotionen auslösten durch ihr Verhalten.

 

Der Mönch wollte sich damit nicht aufspielen und zeigen, dass er weitaus freier sein könnte, als der Biker, sondern er stellte die Idee der Freiheit, die dem Biker als Ideal innewohnte in Frage.

 

Wir haben oft das Gefühl frei zu sein, sehen aber gar nicht, dass wir weniger frei sind, als wir denken.

 

Gerade in der heutigen Corona-Zeit, wenn man sie so nennen möchte, stellt sich die Frage nach der Freiheit.

Schnell wurden Rufe nach Diktatur und Zensur laut, als es um die ersten Verordnungen ging, die das alltägliche Leben einschränkten oder Artikel mit Falschinformationen in diversen sozialen Medien gelöscht wurden.

Doch mit Vernunft drauf geschaut, sehen wir schnell, dass es sich dabei um keine Diktatur handelt. Da können wir uns noch so sehr wie Jana aus Kassel fühlen...

 

Als einfacher Bürger vergessen wir schnell, dass wir eben in einer funktionierenden, demokratischen Gesellschaft, eben nicht nur Freiheiten, sondern auch Pflichten und Verantwortungen haben.

Wir haben die Pflicht Steuern zu zahlen, unseren Beitrag zur Krankenkasse leisten, Verbrechen zu melden oder Hilfe zu holen, wenn es jemandem schlecht geht und so weiter.

Unser System gibt uns vor, dass wir auch den Armen und Schwachen helfen, weil diese auf unsere Unterstützung angewiesen sind. Insgesamt haben wir uns, mehr oder weniger, darauf geeinigt, dass wir unser System so leben wollen.

"Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des Anderen beginnt."

Immanuel Kant

Kant hat es damit ziemlich gut ausgedrückt. Ich kann den Baum in meinem Garten so üppig wachsen lassen, wie ich möchte, wächst er jedoch in den Garten des Nachbarn, dann dehne ich meine Freiheit in die des Anderen aus und habe meine Grenze der Freiheit überschritten. Nun kann ich das als Nachbar einfach so hinnehmen oder ich kann dagegen vorgehen.

 

Jean-Paul Sartre hingegen meinte, dass der Mensch zur Freiheit verurteilt wäre, was im existentialistischen Sinne ebenso richtig ist, da es eine andere Art der Freiheit bezeichnet.

 

In diesem Falle ist die Freiheit etwas, was dem Menschen von Natur aus gegeben ist und somit eine Art Fluch des Menschseins darstellt. Begrenzt werden wir nur durch die Freiheiten anderer und Gesetze, könnte man sagen.

 

Das macht es auch so schwierig unsere Freiheit einzuordnen, gerade wenn wir unser Ego (im negativen Sinne) immer stärker pflegen, dann sehen wir nicht nur unsere Freiheit ständig bedroht, sondern wir sehen sie auch noch im Garten des Nachbarn und darüber hinaus.

 

Hannes Weinelt verweist, in seinem Artikel der Abenteuer Philosophie, dabei auf einen sehr bedeutsamen Punkt der Freiheit: den der Opferrolle.

Wo man Sartre schon als sehr extrem wahrnimmt, was den Freiheitsbegriff angeht, kommt gleichzeitig der Opferbegriff auf, denn in diese Rolle begibt man sich, wenn man Sartres Idee folgt.

 

In einer Gesellschaft, die sich dem "Turbo-Egoismus" (nach Weinelt) und der Autonomie immer mehr verschreibt, tritt die Opferrolle immer stärker in den Vordergrund, was fatale Folgen hat.

Es wird gar nicht mehr gesehen, was für Freiheiten man hat, sondern nur noch das, was man als Freiheit einschränkend wahrnimmt.

 

Die Komponente des Informationsüberflusses spielt dabei auch eine tragende Rolle.

Wir können die ganzen Informationen gar nicht mehr filtern, wo etwas herkommt, was die genauen Quellen und Studien sind usw.

Dadurch wird jeder plötzlich Gelehrter der YouTube-Universität und weiß alles besser als der andere, schließlich war es ja im Internet - nicht zu vergessen: Man weiß übrigens alles besser, als es Menschen tun, die in Fachbereichen studiert haben. Das ist besonders extrem bei US-Amerikanern zu sehen, wenn man Diskussionen verfolgt (Ich lese mir deinen Text nicht durch, aber du wirst eh Unrecht haben, weil ich es besser weiß, auch wenn du ein Experte sein solltest, was ich aber eigentlich auch gar nicht wissen will, weil ich weder die Zeit noch die Lust auf das was du zu sagen hast, habe – selbst, wenn du Recht haben solltest...).

 

Aber auch wir haben uns dahingehend schon vor Jahren nicht mit Ruhm bekleckert, sind also nicht wirklich besser was das angeht. Folglich ist das kein „importiertes Problem“, sondern wurde auch an unseren Stammtischen herangezüchtet.

 

Die Opferrolle, lässt die Menschen plötzlich agieren, weil sie eine Verschwörung dahinter vermuten oder dickköpfig ihre Freiheit verteidigen wollen, ohne zu erkennen wie frei sie eigentlich noch immer sind.

Freies Gefängnis?

Man könnte die Geschichte des Zen-Mönches von oben wieder heranziehen und auf das Gefängnis verweisen: Es gibt Menschen im Gefängnis, die sich aber dennoch nicht gefangen fühlen, weil sie eben ihren Geist über die Mauern des Gefängnisses hinaus leben lassen. Sie geben sich nicht der Opferrolle hin, in dem sie sagen, dieser Ort führt dazu, dass ich mich als Gefangener fühle, sondern gehen darüber hinaus. Sie denken weiter, umfangreicher und tiefer, weil eben jene Örtlichkeit nicht für ihr Gemüt zuständig sein muss. Nur ab dem Zeitpunkt, wo wir es zulassen, dass der Ort auf das Gemüt einwirkt, kann er es auch.

 

Dieses Wälzen in der Opferrolle und des der Freiheit beraubten, bringt nicht nur psychotische Verschwörungstheorien zu Tage, sondern dabei wird auch gänzlich der Gedanke des sozialen Miteinanders vergessen.

 

Die, die wir sonst immer über den Staat mit schützten, sind es heute nicht mehr Wert, weil durch den Informationsüberfluss gar nicht mehr erfasst werden kann, wie schwerwiegend bspw. eine Krankheit nun ist oder eben nicht. Wie schwerwiegend eine Handlung nun sein kann oder nicht.

 

Wir wissen so viel und doch wissen wir kaum etwas, weil eben gerade dieser Überfluss an Informationen und Falschinformationen einem schier den Verstand raubt.

 

Und zwar so sehr den Verstand, dass dem Nährboden für Verschwörungstheorien Tür und Tor geöffnet sind.

 

Nehmen wir mal das Beispiel des "Maske-Tragens", was derzeit ja sozusagen Dreh- und Angelpunkt zu sein scheint, wie eben auch das Schließen bestimmter Geschäfte.

 

Der Staat hat laut Grundgesetz die Pflicht den Bürger zu schützen. Dies natürlich bis zu einem gewissen Punkt, aber genauso haben wir als Bürger die Pflicht andere Bürger zu schützen, so es denn möglich ist.

 

Wenn nun bei einer potentiellen Pandemie der Staat agieren muss, weil er um viele Leben der Bürger fürchtet, dann ist er gezwungen zu handeln.

 

Ist aber die Situation auf Grund geringer Datenlage unklar, dann wirkt das Handeln als solches auch fehlerhaft oder teilweise sogar weltfremd.

 

Desto mehr Daten man dann über etwas hat, desto genauer kann man dann zur Thematik auch etwas sagen oder auch handeln.

 

Problematisch wird es, wenn man versucht dem Staat vorzuwerfen, er hätte sich gegen die Bürger verschworen und wolle eine Diktatur installieren; besonders in einem demokratischen Sozialstaat ist dieser Gedankengang wirklich sehr schwierig und kaum nachvollziehbar. Vor allem weil wir so viele verschiedene Instanzen haben, die genau das verhindern.

 

Doch zurück zur Freiheit. Sieht man sich die Opferrolle genauer an, so erkennt man schnell, dass sie sich immer nur auf das bezieht, was sie nicht hat und nicht auf das, was sie an Freiheiten hat. Also nicht das vorhanden Positive, sondern das vorhanden Negative rückt in den Fokus. Hinzu kommt, dass, wenn der Staat obgleich seiner guten Absichten, etwas falsch macht, weil die Datenlage noch nicht völlig Klarheit schafft, wird diesem umgehend versagen vorgeworfen und die Opferrolle verstärkt.

 

Zugegebenermaßen, mir selbst fällt das Maskentragen auch unglaublich schwer und ich verspanne mich deswegen total (viele Grüße an meinen Physiotherapeuten :D ).

 

Dennoch habe ich immer im Hinterkopf, dass es sich dabei nur um eine temporäre Maßnahme handelt und nicht von Dauer ist - oder zumindest nur von temporärer Art sein sollte. In dem Fall ist es meine Pflicht gegenüber dem Staat und den anderen Menschen meinen Teil dazu beizutragen, dass wir schnellstmöglich aus diesem Zustand in einen vorherigen oder anderen (neuen) übergehen können.

 

Mein Ego ist also Teil meiner Freiheit, aber auch der Freiheit anderer, die wir uns über Jahre demokratisch aufgebaut haben.

Nehme ich meinen "Turbo-Egoismus" nicht zurück und poche weiterhin darauf, wie ein bockiges Kind, nicht das zu machen, was der Staat sagt, dass es vorerst die beste Lösung wäre, weil es eben eine völlig neue Situation ist, dann bin ich ein antisozialer Punkt der Demokratie.

Egomanie über alles!

Ich verhalte mich egomanisch in einer Situation, bei der ich das Recht meiner und nur meiner Freiheit gefährdet sehe (auch wenn man in diesem Falle Pseudoargumente hört).

 

"Wem seine Freiheit und sein Recht nicht mehr ist als seine Bequemlichkeit, der ist in jedem Falle ein armseliger Tropf" - Johann Heinrich Pestalozzi

 

Damit hat Pestalozzi gar nicht so Unrecht, denn wenn meine Freiheit in bestimmten Punkten eingeschränkt wird, sie aber größtenteils die Bequemlichkeit betrifft, die bspw. der Umstand der Maske, dann haben wir unsere Freiheit nicht verstanden, weil wir aus Bequemlichkeit nicht aus unserer Rolle wollen.

 

Ganz nach dem Motto "Das haben wir schon immer so gemacht" und diese Art des Denkens, des Stehenbleibens, ist fatal in vielerlei Hinsicht. Sie hindert uns Veränderungen anzunehmen oder überhaupt Änderungen zu erdenken, weil wir so in dem System unseres festgefahrenen Denkens verhaftet sind, dass wir uns nicht einmal vorstellen können, wie eine andere Welt aussehen könnte.

 

Wir können uns nicht vorstellen, wie vielleicht ein Feuerwerk aussehen könnte, das ganz ohne Feinstaub und Explosionen auskommt. Wir können uns nicht vorstellen, wie transhumanistische Ideen umgesetzt werden, bei denen es vielen Menschen vielleicht sogar besser geht, weil wir den Transhumanismus von vornherein verteufeln und dahinter eine Verschwörung sehen.

 

Es gibt so viele Punkte, an denen wir weiterdenken und unsere Freiheit genauso leben könnten, doch so lange dieser Turbo-Egoismus und die unabdingbare Autonomie nicht richtig verarbeitet oder in die richtigen Bahnen gelenkt werden, so lange werden wir immer ein Stückchen länger etwas Freiheit einbüßen müssen.

 

Unsere Bequemlichkeit und unser Ego ist so viel wichtiger, als das Achten anderer.

 

Wir haben uns durch solch eine Denkart über viele Jahrzehnte in eine Position manövriert, die uns nun ein Klotz am Bein geworden ist und wir nicht einmal im Ansatz verstehen, wie denn dieser Klotz dort hingekommen sein könnte.

 

Wir können uns so viele Dinge nicht mehr vorstellen, geschweige denn dass Kreativität und Bildung gefördert werden würde. Silvester ohne Feuerwerk? Das bedeutet doch die Zerstörung deutscher Tradition, eben gleiches mit dem Weihnachtsfest. Ein Mal auf etwas verzichten oder es anders gestalten, als bisher? Wie kann man es nur wagen auf solche Ideen zu kommen?

 

„Es kann doch kein Deutscher einen Schuh zuschnallen, der es nicht von einer fremden Nation gelernt hat.“ - Johann Wolfgang von Goethe

 

Damit trifft es Goethe recht gut, wenn auch im übertragenen Sinne: Wenn es keine Regel oder kein Gesetz ist, dann muss ich es auch nicht machen.

 

Und genau da ist auch ein weiteres Kernproblem: Gesetze regeln und sagen mir, was ich zu tun bzw. zu lassen habe. Ich muss also nur bis zu diesen Gesetzen denken und weiter nicht wirklich. Genau dieses unmündige hemmen-lassen ist etwas, was uns nicht nur spaltet, sondern was uns in unserer Entwicklung hindert.

 

Ein Feuerwerk ohne Knall und Peng? Das muss sich falsch anfühlen. Auch wenn es der Umwelt, den Haustieren usw. vielleicht besser geht. So etwas haben wir noch nie gemacht, damit muss es schlecht sein; es kann gar nicht anders.

 

Wenn man sich viele Firmen anschaut, die plötzlich versuchen auf „home office“ umzustellen, aber einfach kläglich scheitern oder nur die schlechteste Kartoffelkameraqualität hinbekommen, dann weiß man, dass trotz versuchtem Breitbandausbau, einiges im Argen liegt. Bei solchen kleinen Dingen sind sie völlig überfordert, weil sie verlernt haben, um die Ecke zu denken.

 

Über Jahre haben wir uns selbst in unserer Freiheit eingeschränkt, haben uns selbst einen Klotz ans Bein geschmiedet und nun kommen wir daher und pochen auf unsere Freiheit, weil der Staat uns symbolisch einen Maulkorb verpassen möchte (zumindest nach einigen Wirren).

 

Wir haben uns selbst im Denken beschränkt, meinen nun aber den Staat verantwortlich machen zu wollen, obgleich er versucht die Menschen zu schützen. Dort finden wir dann wieder die Opferrolle, in die wir uns haben bringen lassen und die dann auch mit Genuss eingenommen wird.

 

Freiheit bedeutet nicht eine Maske zu tragen, sondern Freiheit bedeutet, dass wir die Möglichkeit haben durch unser Handeln anderen in einer schwierigen Zeit beizustehen und für sie da zu sein, wie für einen guten Freund, der unserer Hilfe bedarf.

 

Freiheit bedeutet natürlich auch, auf diese Art des Handelns zu verzichten, was aber auch bedeutet, dass wir die Pflicht, die wir den anderen (auch dem Staat gegenüber) haben, nicht wahrnehmen und somit keinesfalls gemeinschaftlich agieren.

 

Demokratie besteht jedoch aus dem gemeinsamen Handeln. Die Kräfte, die uns dazu versuchen zu bewegen eben diese Opferrolle einzunehmen und nicht gemeinschaftlich (demokratisch) zu handeln, sind, wenn man es sich genauer betrachtet, nicht unbedingt demokratische Ideen, sondern totalitäre. Also genau jene, vor denen sie selbst derzeit warnen.

 

Wir sollten unbedingt aufpassen, wem wir in diesen Zeiten unsere Stimme und unser Ohr leihen, denn es könnte auf Kosten unserer Freiheit sein...

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Kommentare: 2
  • #1

    Dudenbaum (Montag, 04 Januar 2021 18:14)

    Momentan gleichen die Deutschen einem trotzigen Kind, das nicht tun will, was Mutti sagt. Das trifft oder traf auch gleichermaßen auf die Ministerinnen und Minister der Länder zu, die es auf jeden Fall anders machen wollten als Merkel empfahl.
    So agiert auch ein Teil der Bevölkerung. Sie treten trotzig auf und skandieren merkwürdige Slogans. ICH habe die Freiheit eine Maske zu tragen, mich in Abstand zu üben und übers Händeschütteln in der Zukunft nachzudenken ...
    Freiheit ist doch auch für jeden etwas anderes. Ich habe die Freiheit zu demonstrieren. In einer Diktatur kann ich das nicht. Und gerade Leute die in einer Diktatur lebten, müssten das wissen. Scheinbar ist vieles in Vergessenheit geraten oder verdrängt worden. Verdrängt worden von eben diesem Turbo-Egoismus der sich breit macht, verkleidet als Freiheitskämpfer.
    Es ist tatsächlich traurig, wie sich die Gesellschaft in Teilen ändert. Früher wurde vom Ellenbogenkapitalismus gesprochen, heute haben wir die Ellenbogenfreiheit (und damit ist nicht die Bewegungsfreiheit im Büro gemeint). Ich, Ich, Ich.
    Und ich mag es nicht mehr hören.
    Denn die Freiheit der anderen ist damit eben nicht gemeint. Es setzt sich ein Egalismus fort. Mir doch egal, ob der krank wird. Mir doch egal, ob die stirbt. Ich will shoppen. Ich will in der Kneipe sitzen. Ich will reaven.
    UND ich will Menschlichkeit.

  • #2

    Esther (Freitag, 12 März 2021 18:40)

    Freiheit ist etwas "Weites", sich "Ausdehnendes", deswegen sind die Menschen so gerne am Meer oder auf Bergen, weil sie sich dort frei fühlen. In der Pandemie fühlt sich jeder auf seine Weise in persönlichen Freiheiten eingeschränkt. Das kann einerseits das Tragen einer Maske sein, die Freizeitgestaltung, der Sport, aber natürlich auch ganz existenzielle Einschränkungen, wie z.B. die Ausübung seines Berufs und die damit verbundenen vielschichtigen Probleme. Zum ersten Erschrecken über das Virus, die Krankheit und die Todesfälle kommt nun für viele Menschen die Sorge, alles materiell Erarbeitete zu verlieren. Ich glaube nicht, dass sich hier ein Egalismus durchgesetzt hat, sondern Entscheidungsträger schwankend reagieren. Für viele Menschen sind deshalb Handlungen/Entscheidungen nicht konsequent, nicht gerecht usw. Wenn ich mir dies im ganz kleinen Rahmen vorstelle, beispielsweise bei der Kindererziehung. Spreche Regeln oder Verbote aus, so müssen die komplett nachvollziehbar sein. Kinder müssen sie nicht nur verstehen, sondern sie müssen auch konsequent -ohne jede Ausnahme-befolgt und bei Verstoß mit Maßnahmen belegt sein. Wir erleben in dieser Zeit eine wankelmütige Regierung, die mit immer neuen Erkenntnissen aus der Forschung umgehen muss, die Entscheidungen revidiert usw. Würde ich so einen Hund erziehen, würde er mich beißen. Ganz einfach! Die Menschen sind nicht dumm, sie haben Vertrauen verloren und das lässt sich sehr schwer rückgängig machen. L.G.