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Philosophischer Minimalismus

In der derzeitigen Ausgabe der Abenteuer Philosophie ist eines der Hauptthemen der Minimalismus und der Gedanke etwas griechischer zu denken.

 

Möglicherweise ist das auch der Grund, warum ich in den letzten Wochen weniger Artikel geschrieben habe, als bis vor kurzem. Nicht aufgrund des Artikels, sondern, weil ich mich persönlich mit dem Ausmisten und dem Minimalismus als solches beschäftige. Damit meine ich nicht die Kunstform, sondern bezogen auf den Alltag.


In einem meiner letzten Artikel habe ich schon anklingen lassen, in welcher Informationsflut oder auch in welchem Informationsüberfluss wir uns täglich bewegen. Besonders in diesem Falle bringt die Abenteuer Philosophie da interessante Ansätze mit.

Zen oder nicht Zen, das ist hier die Frage

Der Begriff des Minimalismus ist gar nicht so alt wie man denken mag, weil diese künstlerische Strömung sich erst spät entwickelte und dabei auf Reduktion von Farben und Formen aus war.

 

Doch ein reduziertes oder minimalistisches Leben wurde auch schon vorher immer mal wieder ins Gespräch gebracht. Schnell fallen einem da bspw. der Philosoph Diogenes, die Stoiker, Yogis, Mönche, Einsiedler, Zen usw. ein.

 

Gerade wenn alles zu viel wird, dann hilft manchmal eine Rückbesinnung auf das Wesentliche. Schaut man sich die jetzige Corona-Zeit an und die ständigen Debatten aus allen Ecken und Enden, jeder weiß es besser und noch besser und sowieso machen alle alles falsch nur man selbst hat den völligen Durchblick. Man wird immer lauter, kann gar nicht mehr aufhören zu brüllen, weil die anderen einen doch endlich verstehen sollen!

 

Warum sind sie nur nicht wie ich?

 

Warum verstehen die anderen die einfachsten Zusammenhänge nicht?

 

Warum können nicht alle so klug wie ich sein und das System als solches durchblicken?

 

Ich sollte sie alle wachrütteln, noch mehr schreien, noch lauter sein, noch mehr in allen Medien Präsenz zeigen!

 

Von Morgens bis abends muss ich verfügbar sein, um den anderen zu signalisieren, dass sie nicht alleine sind und dass ich sie, als Sehender, durch diesen Morast führen kann!

 

...

 

Der geneigte Leser weiß, dass ich Übungsleiter für Qi Gong bin und mein Lehrer sagte letztens, als wir über das Qi (Chi) sprachen, dass in unserer heutigen Zeit, es noch mehr darauf ankommt, uns darauf zu besinnen, was mit unserer Energie passiert. Wenn wir uns ständig mit negativen Informationen beschäftigen und keinen Ausgleich schaffen, dann häuft sich das Negative auch in uns an.

 

Als ich einige Wochen Urlaub gemacht habe, war ich kaum in den sozialen Medien und habe keine Nachrichten gesehen. Das war nicht nur entspannend, sondern auch positiv erbauend, weil einem nicht ständig schlechte Gedanken und Diskussionen entgegenschlugen, sondern ich mich komplett auf die wesentlichen Dinge konzentrieren konnte.

Knorkatorphilosophie

Knorkator haben 2007 einen Song mit dem Titel „Still“ veröffentlicht.

 

Der Anfang lautet:

 

„Jeder Dödel hat was zu melden.

Und jeder will, dass die Welt es erfährt.

Alle brüllen durcheinander

Am Ende bleibt niemand, der zuhört. […]“

 

Seither hat sich das nicht geändert, ist sogar noch schlimmer geworden, ohne, dass wir es merken. Ein schleichender Prozess von Egomanie, Narzissmus und Darstellungssucht.

Fast Fashion vs. Weltrettung

Von einem Begriff habe ich erst durch die Abenteuer Philosophie erfahren: „Fast Fashion“. Abgeleitet vom Fast Food, handelt es sich hierbei um Kleidung minderwertiger Ware, welche für wenig Geld in Massen zu erwerben ist.

 

Schon seltsam: Einerseits reden wir ständig davon, dass wir das Klima und den Planeten retten wollen, aber die Kinderarbeit oder Menschen die für uns Dinge herstellen und dafür einen Hungerlohn und wie Sklaven behandelt werden blenden wir einfach aus. Wie wollen wir denn etwas großes Retten, wenn wir es schon nicht im Kleinen schaffen?

 

Im Kleinen bedeutet auch, bei uns anzufangen. Natürlich ist es richtig und gut, etwas außerhalb ändern zu wollen, aber dazu muss ich auch etwas in mir ändern wollen.

 

Dazu muss ich mich aber von Illusionen lösen. Illusionen, die mir täglich durch Medien vorgegaukelt werden. Dass es notwendig ist, sich ständig in die neuste Kleidung zu hüllen, den neusten Trends hinterherzujagen, konsumieren zu müssen, als gäbe es keinen Morgen.

„Höher, schneller, weiter“

So könnte man das Prinzip des dauerhaften Konsumierens betiteln. Aber eigentlich geht es uns nicht darum zu konsumieren, denn im Ursprung sind wir nur verwirrt und fehlgeleitet; finden womöglich nicht mehr den Anschluss, der uns zur Ruhe kommen und in uns verweilen lässt.

 

Dieses Loch in unserer Seele, unserem Inneren soll gestopft werden, mit möglichst vielen Dingen, Geräuschen, Visuellem.

Doch all das wird die Leere, dieses Gefühl des Verloren-Seins nicht ausgleichen.

Ganz im Gegenteil, es verstärkt unsere Sucht und unsere inneren Abstürze noch viel mehr, weil sich einfach nichts dabei bessert.

Oft können wir dabei gar nicht erkennen, dass wir bei einer Ausgleichshandlung die Sache vielleicht sogar noch verschlimmern, als dass wir sie verbessern oder vermindern.

„Halte nie einen für glücklich, der von äußeren Dingen abhängig ist.“

- Seneca -

Jetzt könnte man sagen, dass ja jeder von äußeren Dingen abhängig wäre, wie dem Wetter, dem Essen, den anderen Menschen. Aber so sollte man das nicht sehen, sondern vielmehr im Sinne von abhängig-sein, also süchtig nach etwas zu sein, worunter nicht die Grundbedürfnisse fallen.

 

Der eine oder andere hat in der jetzigen Corona-Zeit angefangen auszumisten, weil er gemerkt hat, dass einfach zu viele Dinge das Leben bestimmen. Überall steht oder hängt etwas herum, staubt ein, hat vielleicht nicht mehr als einen dekorativen Aspekt. Oft kommt auch Kleidung ins Gespräch, die vor Jahren gekauft, jedoch noch nie angezogen wurde.

 

Doch vieles davon, hat nur die Funktion Raum einzunehmen und mehr oder weniger ästhetisch auszusehen. Natürlich gibt es auch Dinge mit sentimentalem Wert und diesen kann man sich auch bewahren, zumindest bis zu einem gewissen Grad.

10.000 Dinge

Laut der Abenteuer Philosophie, hat jeder Europäer im Durchschnitt 10.000 Dinge, das ist ziemlich viel, vor allem wenn man sich vorstellt, dass einige weitaus weniger haben, als andere.

 

Vielleicht haben wir auch einfach verlernt los- und Dinge gehen zu lassen, weil wir mit diesen Dingen versuchen uns mehr im Hier und Jetzt zu fühlen, was aber eben eine Illusion ist. Ich bin ja nicht mehr im Hier, nur weil ich mir eine neue Hose kaufe. Diese Illusion vermittelt mir der erworbene Gegenstand möglicherweise für ein paar Tage, aber oftmals nicht von langer Dauer.

 

Dementsprechend ist es nicht verkehrt, seine sozialen Medien, seinen Kleiderschrank, gewisse Bücher usw. auszumisten.

Mehr aus der Virtualität in die Realität zurückzukehren.

Mehr Schweigen, als versuchen zu wollen alles aufs Kleinste auszudiskutieren oder darauf zu pochen recht zu haben.

Anstatt Fast Food zu kaufen, in Ruhe kochen – oder das Kochen lernen.

 

Derlei gibt es viele Möglichkeiten seine Struktur des Denkens und Handelns zu ändern, wir müssen nur verstehen, wie sehr uns unsere Umwelt beeinflusst und anhand dessen reagieren wir.

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