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Denkatorium

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Zeit und Ruhe für Philosophie am see

Philosophie benötigt Zeit und Ruhe

Zeit und Ruhe am See zum Philosophieren

Einige Menschen denken, dass man sich einfach so Gedanken und Ideen aus dem Ärmel schüttelt, als wäre es nichts.

Natürlich gibt es viele Themen über die man schreiben und als solches philosophieren kann. Dennoch muss man sich auf diese philosophischen Gedanken einlassen können. Dafür benötigt man Zeit und Ruhe.

Man liest ja auch nicht Kant oder Hegel mal eben schnell neben der Arbeit oder für fünf Minuten in der Bahn (auch wenn es Bücher gibt, die genau so etwas suggerieren), sondern man nimmt sich Zeit und Ruhe für die Gedanken eines anderen Menschen.

Unsere Gesellschaft ist extrem schnelllebig geworden. Gerade in meinen verschiedenen Funktionen, in denen ich tätig bin, sehe ich das immer wieder. Egal, ob ich als Social Media Manager, Webdesigner, Philosoph oder Trainer unterwegs bin: immer wieder wollen die Menschen alles schnell und sofort verfügbar haben.

In den sozialen Medien wollen sie umgehend Reichweite, Ruhm und Erfolg haben.

Menschen, die eine Homepage haben wollen, denken, dass das innerhalb von ein paar Tagen gemacht sein sollte, sehen aber gar nicht welche Arbeit dahinter steckt und wie viele Feinheiten bedacht werden müssen.

Welche Schriftart verwendet man? Welche Abstände muss man einhalten? Welches Design verfolgt man und passt das auch zur Marke des Kunden? De Liste an Fragen ist fast endlos.

Natürlich gibt es jetzt auch schon „künstliche Intelligenzen“ die einem eine Homepage bauen, jedoch fehlt hierbei gänzlich das Auge des Designers. Diese Plattformen sind nur dafür gemacht Homepages aus der Tube zu generieren, weil der Mensch es immer noch einfacher und bequemer haben möchte. Sozusagen „Fast Fashion“ als Internetauftritt – hier könnte man von „Fast Content“ sprechen.

Auch im Fitnessbereich steigt der Missbrauch von anabolen Steroiden weiter an und in den sozialen Medien tun diese Menschen dann so, als wäre das alles „ganz natürlich gewachsen“. Würden sie die Wahrheit sagen, hätten sie oftmals viel weniger Anerkennung, als sie zu diesem Zeitpunkt erhalten. Aber natürlich spielen auch die wirtschaftlichen Einnahmen eine große Rolle.

Außerdem geht es ihnen natürlich auch viel zu langsam, denn bspw. das Training im Fitnessstudio bedeutet lange Jahre voller harter Arbeit und irgendwann kommt man sogar an sein genetisches Limit des Muskelwachstums.

Das heißt Mutter Natur schiebt dem Ganzen einen Riegel vor und man muss damit auskommen. Oder eben nicht, wenn man nachhilft.

Dadurch verzerrt sich unsere Sicht auf die Realität. Auf das reale Erleben und auch auf die Wahrnehmung der Dinge. Aber natürlich auch auf uns selbst.

Durch diese Schnelllebigkeit haben wir verlernt uns in Ruhe hinzusetzen und Gedanken zu machen. Viele der jungen Menschen leben in einer völligen Reizüberflutung. Ständig sind irgendwelche Medien oder Geräusche am Werk, damit die tägliche Zerstreuung auch dauerhaft aufrecht erhalten wird.

Dementsprechend sinkt aber auch unsere Aufmerksamkeitsspanne, weil das Konzentrieren gar nicht mehr wirklich geübt wird. Damit meine ich jetzt nicht, dass man sich wie damals in der Schule stundenlang hinsetzen muss, um eine Aufgabe zu lösen, sondern vielmehr die Fähigkeit sich zu konzentrieren wenn es wirklich notwendig ist und das dann auch gegebenenfalls über einen längeren Zeitraum.

Man könnte ja was in den sozialen Medien verpassen und dann ist man nicht auf dem neusten Stand oder ein Freund / eine Freundin könnte geschrieben haben und jetzt hat man vielleicht schon 10 Minuten nicht geantwortet.

Was denken die bloß von einem?

Eventuell haben wir uns nicht nur selbst darauf konditioniert, sondern wurden eben über Jahre darauf konditioniert. Weil wir es zugelassen haben und weil wir uns immer und immer wieder von anderen das Leben bestimmen lassen.

Viele Menschen die gerade in sozialen Medien hängen bleiben, bemerken gar nicht wie sehr sie beeinflusst werden. Sie konsumieren größtenteils nur noch, ohne wirklich aktiv dabei zu sein.

Dabei gerät dann schnell in Vergessenheit, dass sehr viele dieser Dinge überhaupt nicht relevant für uns sind und auch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeschaut werden können.

Freunde halten einen für lahm oder langweilig, weil man ein Video nicht gesehen oder erst drei Stunden später geantwortet hat? Dann würde ich diese Freundschaft in Frage stellen, weil sich in meinem Fall diese anders definiert.

Der amerikanische Film „Bigger, Stronger, Faster“ zeigt diese Illusion der Dinge meiner Meinung nach sehr gut auf. Zwar geht es dabei hauptsächlich um das Tabuthema anabole Steroide, jedoch wird dabei auch deutlich, wie sehr einige Menschen gefangen sind in dem was sie machen und welches Ideal sie für sich selbst anstreben – egal was es kostet.

Zeit und Ruhe „old school“?

Ich weiß, ich äußere mich oft kritisch und es sieht immer so aus, als würde ich den sozialen Medien die Schuld zuschieben wollen, doch das ist nicht so. Trotzdem möchte ich hierbei einen Denkanstoß geben, was die sozialen Medien eigentlich mit unserem Selbstbild machen.

Wir reden immer davon, dass der Mensch so vernunftbegabt wäre und er nach Freiheit und Glück strebt, gleichzeitig sieht man ihn dann aber, wie er sich freiwillig in Gefangenschaft begibt. Egal ob es sich hierbei um soziale Medien oder Meinungen anderer handelt.

Wir sollten wirklich anfangen uns klarer zu werden, was wir eigentlich in unserem Leben wollen, was unsere Wünsche sind und wie man vielleicht auf sie hinarbeiten kann. Auch hier benötigt man wieder Zeit und Ruhe und denkt über so etwas nicht im Vorbeigehen nach.

Damit meine ich jetzt nicht das nächste Supertalent oder solche Dinge, denn das sind nur weitere Illusionen die uns vorgegaukelt werden, ohne wirklichen Inhalt. Die ganzen Talente und Superstars kennt eh niemand mehr und hatten auch größtenteils nicht den Erfolg, den sie sich erhofft hatten.

Was ich meine ist, dass man versucht herauszufinden, was man liebt, was man gerne macht und wie man es schaffen kann darin Erfüllung zu finden.

Nicht der Konsum, nicht die sozialen Medien oder die Anerkennung anderer stehen hier im Vordergrund, sondern das, was ganz tief in uns verborgen ist und den Wunsch nach Erfüllung sucht.

Dafür benötigt man Muße, Zeit und Ruhe.

Hierbei kann dann auch die Philosophie wieder wachsen und sich richtig entfalten.

Genau aus diesem Grund kann es manchmal sein, dass es sehr still wird in meinem Blog. Nicht, weil ich keine Themen habe (meine Themenliste ist gut gefüllt und wartet abgearbeitet zu werden), sondern mir ist es viel wichtiger, dass diese Seite inspiriert und nicht einfach 08/15 Themen aus dem Ärmel schüttelt, damit die Seite gut gefüllt ist.

Philosophie gedeiht in der Stille, in der Besinnung um sich dann im Dialog entfalten zu können.

Somit wird es auch hier Stück für Stück weitergehen.

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Mit seinen 10 Jahren ist das Denkatorium einer der Philosophie Blogs im deutschsprachigen Raum, die am längsten dauerhaft aktiv sind und auch immer wieder aktuelle Themen aufgreifen.

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2 Antworten

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