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einsamkeit und alleinsein empfindet jeder anders

Einsamkeit – ein Kommentar

Als ich letztens auf einer kleinen Reise nach Bamberg gewesen bin, hatte ich Zeit zu lesen und auch mal einen Podcast zu hören.

Normalerweise habe ich nicht die Zeit oder die Muße mir Podcasts anzuhören, zumal ich mit sehr vielen Podcasts wirklich nichts anfangen kann. Viele versuchen auf Biegen und Brechen witzig zu sein, sind es für mich aber nicht. Sie wollen also mehr unterhalten, als dass sie wirklich informativ und tiefgehend sind und das auch auf eine gute Art und Weise rüberbringen.

Umso schöner ist es, wenn man einen Podcast (oder Blog) findet, mit dem man sich verbunden fühlt und auf Anhieb sympathisch ist.

In meinem Fall ist es der Podcast von “Auf einen Drink”. Er wird auch weitaus regelmäßiger gepflegt als meiner – aber ich bin immer noch dran. Irgendwann kriege ich das auch richtig hin.

Als ich nun so im Zug saß, hörte ich mir Gedanken zum Thema der Einsamkeit an. Ganz am Ende verwies Niclas (so der Name des Hosts) darauf, dass man ihm gerne in den sozialen Medien ein Kommentar da lassen könne.

Da so etwas bei mir aber immer ausufert und ich oft schon die Zeichengrenze der Kommentarsektion erreicht habe, mache ich es nun so, dass ich darüber einen Beitrag schreibe und wie ich das Alleinsein oder die Einsamkeit wahrnehme.

Inhaltsverzeichnis

Unterschied Alleinsein und Einsamkeit

Einsamkeit und alleinsein empfindet jeder anders

Zu Anfang ist es wichtig, dass wir unterscheiden zwischen dem Alleinsein und der Einsamkeit. Oftmals wird das vermischt und es ist unklar, was im jeweiligen Fall eigentlich ausgedrückt werden soll.

Das Alleinsein bezieht sich vornehmlich auf das “mit sich selbst sein”. Hier ist es auch ein Ausdruck dessen, dass man sich nicht in Gesellschaft mit jemandem befindet. Es hat vielmehr einen physischen Ausdruck.

Ganz gut erkennt man das auch am “alleine-gelassen werden”, als Äußerung, wenn sich jemand zurückgelassen oder im Stich gelassen fühlt. Es hat etwas von einer Absonderung zu tun.

Diese Absonderung kann aktiv oder passiv geschehen, wenn sich z.B. jemand zurückzieht, wie es Philosophen gerne machen, wenn sie wieder als Einsiedler in ihre Höhle zum Denken zurückkehren.

Einsamkeit hingegen hat eher eine psychische Komponente. Nicht nur wenn man alleine ist kann man sich einsam fühlen, sondern auch dann wenn man unter Menschen ist. Mir sind da einige Menschen bekannt, die sich selbst unter ihrer Familie oder auch unter anderen Menschen einsam fühlen.

Sie spüren die Verbindung zu den anderen nicht, sondern in dem Fall nur die Einsamkeit. Sie stehen einsam und verloren in der Welt. Die Gründe dafür können ganz unterschiedlich sein.

Aber auch wenn einem der Partner fehlt, weil dieser vielleicht gerade nicht anwesend ist, dann können sich Menschen einsam fühlen.

Andere Menschen hingegen fühlen sich einsam, wenn sie keine Gesellschaft haben. Bei einigen geht es sogar soweit, dass sie nachts nicht alleine in einem Bett schlafen können, weil sie es schon immer gewohnt waren, dass sie Gesellschaft haben.

Man sieht also, dass Alleinsein und Einsamkeit ihre jeweiligen Schwerpunkte in der Physis und der Psyche haben. Wobei hier angemerkt werden muss, dass es an manchen Punkten schwer zu sagen ist, wo der Schwerpunkt nun lagert. Denn auch jemand der sich alleingelassen fühlt, nimmt dies psychisch wahr.

Wie fühlen wir uns nun?

Das ist ein Punkt den jeder für sich selber herausfinden muss, wenn er oder sie über sich selbst nachsinnt.

Ich selbst bin relativ menschenscheu und bin froh, wenn ich mit mir alleine in meiner “Höhle” (manche nennen es auch Arbeitszimmer) sein kann. Schon in meiner Jugend konnte ich wochenlang mit mir alleine verbringen, ohne dass ich überhaupt rausgegangen bin oder ich jemanden gesehen habe. Selbst meine Familie habe ich in dieser Zeit nicht gesehen, die ab einem gewissen Punkt nach mir schauen kam, damit ich nicht vielleicht in der Wohnung am Vermodern bin und keiner bekommt es mit.

In dieser Zeit habe ich mich aber auch nicht einsam gefühlt. Viele Menschen würden wahrscheinlich nach einer gewissen Zeit ein bedrückendes Gefühl bekommen und wieder die Nähe zu anderen Menschen suchen. Bei mir war das nie der Fall.

Wobei ich mich natürlich schon alleine fühle, wenn meine Frau nicht bei mir ist, aber ich bin eben nicht einsam.

Ein Bekannter von mir hingegen fühlt sich sogar unter Freunden und seiner Familie einsam. In diesem Falle ist er nicht alleine, aber einsam. In sich selbst einsam. Weil er eine Verbindung zu anderen Menschen braucht, diese aber für ihn gefühlsmäßig überhaupt nicht da ist.

Es könnten tausende Menschen um ihn herum sein und sie könnten nur für ihn da sein, trotzdem würde er sich einsam fühlen, weil er mit ihnen nicht verbunden ist.

Ich möchte behaupten, dass es eine psychische Gegebenheit ist, die uns dahingehend unterscheidet. Der eine braucht die Nähe und Verbindung, kann sie aber nicht aufbauen.

Der andere braucht sie nicht, fühlt sich jedoch nicht einsam, wenn er alleine ist.

Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen und behaupten, dass es eine geistige Einstellung ist, die hierbei ausschlaggebend zu sein scheint, denn andere psychologische Punkte werden sicher auch eine Rolle spielen. Dennoch kann man meiner Ansicht nach daran arbeiten sich weniger einsam zu fühlen und vor allem seine eigenen Gefühle dahingehend verstehen zu lernen.

Kung Fu und die Einsamkeit

Lustigerweise habe ich einige Wochen bevor ich den Podcast hörte, einige Folgen der Serie “Kung Fu” mit David Carradine (Cain) gesehen, da ich sie mir derzeit Stück für Stück zu Gemüte führe. Da einige Serien mich in der Kindheit prägten, möchte ich sie mir nun auch noch einmal als “Erwachsener” ansehen.

In einer der Folgen kam genau dieses Thema der Einsamkeit vor. Dort sagte der junge Cain, dass er sich einsam fühle, woraufhin ihm der Meister einige Fragen stellte.

Unter anderem die Frage, warum man sich denn einsam fühlen sollte, wenn doch so viel um einen herum ist, wie die Vögel, Bäume, Schmetterlinge usw.

Aus buddhistischer und daoistischer Sicht ist das sogar logisch, denn alles ist miteinander verbunden, ob man will oder nicht.

In unserem westlichen Denken haben wir jedoch das Problem, dass wir an vielen Ecken stark verkopft und zu sehr kategorisiert wurden. Wir haben es zugelassen alles voneinander getrennt zu sehen und somit uns auch von anderen Dingen und Menschen zu trennen, selbst wenn wir mit ihnen verbunden sind.

Bin mir ehrlich gesagt nicht sicher wem ich da mehr Schuld geben sollte: Aristoteles oder Kant

Aber ist vom Prinzip her auch nicht wichtig, wo oder wann es aufgetaucht ist. Vielmehr sollten wir uns bewusst werden, dass eine geistige Trennung stattgefunden hat und diese uns mitunter einsam fühlen lässt. Wir sind uns nicht im Klaren, dass wir viel mehr Verbindungen zu den Dingen der Welt haben, als wir auf den ersten Blick wahrnehmen.

Werden wir uns dieser Trennung und somit auch der Verbundenheit bewusst, dann wird uns auch verständlich, dass dieses Gefühl einzig und alleine bei uns liegt.

Die Welt ist, was wir aus ihr machen und wie wir in ihr agieren.

Das ist Teil des Existenzialismus.

Gebe ich mir das Gefühl wenig wert zu sein und alle anderen wären besser als ich, verringere also mein Selbstwertgefühl, dann werden die anderen so auch auf mich reagieren.

Fühle ich mich einsam, weil ich mich abgetrennt von allem anderen sehe, dann bin ich einsam und strahle auch das aus.

Viele Dinge die wir in unsere Alltag erleben und zerdenken, liegen bei uns, nicht bei den anderen.

Somit eben auch die Einsamkeit.

Was ist für euch Einsamkeit und wie empfindet ihr sie?

Schreibt mir oder Niclas in die Kommentare und vergesst nicht bei ihm reinzuhören 😉

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Mit seinen 10 Jahren ist das Denkatorium einer der Philosophie Blogs im deutschsprachigen Raum, die am längsten dauerhaft aktiv sind und auch immer wieder aktuelle Themen aufgreifen.

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