Die kirchliche Moralvorstellung – ist es vielleicht doch besser Atheist zu sein?
Die kirchliche Moralvorstellung – ist es vielleicht doch besser Atheist zu sein?

Die kirchliche Moralvorstellung – ist es vielleicht doch besser Atheist zu sein?

Schaut man sich die vergangenen Jahre und die Zeit vor Corona an, so wird schnell klar, dass es eigentlich nie still um die kirchlichen Gemeinschaften wurde; ist vielleicht die kirchliche Moralvorstellung ein Auslöser?

Egal ob es dabei um Geldverschwendung, Kindesmissbrauch, Vertuschung, Extrawüste oder Falschbehauptungen ging – die Kirche ist immer ganz vorne mit dabei.

In diesem Beitrag möchte ich einige dieser Punkte, bezogen auf die Moralvorstellung der Kirche, abhandeln und aufzeigen, was die Kirche sagt und wie sie sich gleichzeitig verhält.

Inhaltsverzeichnis

Vorab

Mir ist wohl bewusst, dass es nicht “die Kirche” gibt, sondern diese sich in mehrere Gruppen aufgliedert und somit auch nicht ein einheitliches Bild abgeben kann.

Spreche ich von “der Kirche” meine ich zuallererst die katholische Kirche. Beziehe ich mich jedoch in meinen Äußerungen auf andere Kirchenteile, so werde ich sie extra benennen und versuchen es zu trennen, damit der Bezug klarer wird.

Dennoch ist es aber auch so, dass sich in bestimmten Bereichen die katholische und evangelische Kirche ähnlich verhalten.

Jedoch hat sich besonders die katholische Kirche die Moral auf die konservativen Fahnen geschrieben und als solche hier im Fokus stehen wird.

Verständlicherweise werde ich nicht auf alle Punkte der kirchlichen Moralvorstellung eingehen können, jedoch sollten dahingehend prägende Beispiele, wie Offenheit, Nächstenliebe, Gemeinschaftlichkeit, Demut und Sexualität beleuchtet werden.

Moralkonstrukte

Kirchliche Moralvorstellungen werden den Menschen schon sehr früh beigebracht, damit diese der Kirche gehorchen

“Zur Genealogie der Moral” lautet der Name des Buchs, das Friedrich Nietzsche 1887 hervorbrachte. Es handelt sich dabei um eines der bedeutenderen Werke Nietzsches und ist nicht nur sehr systematisch aufgebaut, sondern stellt darin Thesen aus den Bereichen der Soziologie, Psychologie und Historik auf. Dieses Werk ist so bedeutend, dass es viele andere Denker beeinflusste, wie z.B. Freud und Foucault.

Interessant ist bei dieser Schrift, dass er nicht wie viele andere Moralphilosophen versucht eine Moral herzuleiten und einem weis zu machen, was richtig und was falsch sei. Vielmehr ging es ihm dabei um die geschichtliche Entwicklung und warum bestimmte psychologische Faktoren bestimmte Moralvorstellungen mit sich bringen.

Sein Fokus liegt hierbei also nicht darin zu sagen, wie die Menschen zu handeln haben, sondern warum sie glauben auf eine bestimmte Art handeln zu müssen – gleichzeitig natürlich auch andere dazu drängen wollen wie sie zu handeln.

Das Buch ist in drei Abhandlungen eingeteilt

  1. Erste Abhandlung: “Gut und Böse”, “Gut und Schlecht”
  2. Zweite Abhandlung: “Schuld”, “schlechtes Gewissen” und Verwandtes
  3. Dritte Abhandlung: Was bedeuten asketische Ideale?

Für den Artikel ist es nur bedingt wichtig dieses Werk zu kennen, jedoch lege ich es jedem ans Herz, der sich gerade mit der Entstehung der Moralidee beschäftigen und in diese tiefer eintauchen möchte.

Nietzsche hat darin sehr gut aufzeigen können, wie die Menschen eigentlich auf bestimmte Moralgedanken gekommen sind und warum sie bis heute befolgt werden.

Zudem ist es weitaus interessanter sich zu überlegen, wie die Moral überhaupt entstanden ist, als dass ein Philosoph oder Träger einer religiösen Instanz einem sagt, wie die Moral auszusehen hat.

Gleichzeitig wird einem klar, dass die Moralvorstellung nach der wir handeln, etwas Konstruiertes ist, was sich ständig ändert, wir aber weniger aktiv wahrnehmen. Je nach Zeit, kann sich somit die Moral verändern.

Doch was ist Moral eigentlich als solches?

Moral – ein kurzer Abriss

Bei dem Wort “Moral” handelt es sich eher um ein diffuses Wort, ähnlich dem Wort “Ethik”, was aber eher daran liegt, dass wir mit diesen Ideen oft nur passiv in Verbindung treten und nicht aktiv darüber nachdenken.

Bei Moral handelt es sich um Handlungsweisen, Regeln oder Prinzipien bestimmter Kulturen und Gruppen, aber auch einzelner Personen – wodurch ein Gesamtbild, der zu diesem Zeitpunkt bestehenden Werte, Normen und Tugenden, entsteht.

Daraus kann man ableiten, dass es sich dabei um eine Art Handlungsprinzipien dreht, welche vorgeben wie das gesellschaftliche Leben auszusehen hat. Diese umschreiben, wie der Einzelne, aber auch die Gruppe sich zu verhalten hat.

Dabei geht es aber nicht nur um die Handlungen die öffentlich geschehen, sondern auch privater Natur sind. Besonders der Punkt der Sittlichkeit oder die Sitte betreffend (lat. moralis) ist hierbei ausschlaggebend.

Verstößt man gegen die Moral, so wird meist von einer “Unmoral” gesprochen. Werden Moralvorstellungen gänzlich abgelehnt oder sind nicht vorhanden handelt es sich um “Amoral”.

Mit der Zeit änderte sich die Moralvorstellung auch immer wieder und was heute als etwas Schlechtes gilt, war vor 100 oder 200 Jahren vielleicht etwas Gutes.

Schaut man sich bspw. das Leben der Kyniker an, hatten diese eine völlig andere Moralvorstellung, als die damalige Gesellschaft der Antike. Sie liefen bspw. in Lumpen gekleidet umher (wenn sie denn überhaupt etwas anhatten), masturbierten in der Öffentlichkeit und benutzten eine vulgäre Sprache.

Die Kirche selbst geht von einer Gründung ihrer selbst in den Jahren 30 – 33 n. Z. aus, quasi als Urkirche und sieht darin eine ununterbrochene Linie an Vertretern bis hin zu Jesus von Nazareth.

In den ersten drei Jahrhunderten bildeten sich dann Kirchenprovinzen mit Diözesen aus und somit verbreitete sich auch deren Moralvorstellung und Machtstellung.

Mit der Macht wuchs auch der Einfluss an diversen Positionen der Gesellschaft und diese sollte dann auch verstärkt werden, damit niemand an der Machtposition rütteln konnte.

Zu dieser Zeit (um 300 n. Z.) wurden auch viele philosophische Schulen unter römischen Cäsaren verboten und geschlossen, da die Cäsaren dann schon dem aufkommenden Christentum angehörten und die Philosophie als mögliche Gegeninstanz von vornherein eindämmen wollten.

Kirchliche Moralvorstellung

Nachdem wir ein Bild davon haben, was Moral ist und dass es sich dabei um eine Art gesellschaftliche Sittenregeln handelt, müssen wir uns ansehen, was die Kirche für Moralideen mit sich bringt. Natürlich werde ich hier nicht auf jede einzelne Moralvorstellung eingehen, denn das würde den Rahmen des Artikels sprengen. Jedoch werde ich auf die wesentlicheren und bekannteren Punkte verweisen, damit ein gewisses Verständnis bezüglich der Kirchenmoral entstehen kann.

Man kann jetzt bei den zehn Geboten anfangen und diese als gewissen Moralkodex anführen, jedoch sind diese inhaltlich sehr schwach und somit gehe ich mehr auf die öffentlichen Vertreter und Meinungsäußerungen ein. Gerade medial ist die Kirche da ja sehr präsent.

Leben

Das Leben beginnt für die Kirche ab dem Zeitpunkt, an dem sich der Samen des Mannes und die Eizelle der Frau verbinden. Ab diesem Punkt ist schützenswertes Leben vorhanden und es gibt auch keinerlei Instanzen, die diese Zeit verändern können. Selbst wenn Wissenschaftler darauf hinweisen, dass dahingehend eigentlich noch nicht von einem Lebewesen gesprochen werden kann, sieht die Kirche das sehr strikt und weicht von ihrem Punkt auch nicht ab.

Das bedeutet auch, dass für die Kirche Abtreibung Mord ist und sie froh war, all die Jahre zuvor erzwungen zu haben, dass bevor eine Frau abtreiben konnte, sie erst durch ein Beratungsgespräch gehen musste, was fast immer von einem kirchlichen Vertreter geführt wurde.

Ebenso äußerte sich die Kirche positiv darüber, dass es in Teilen der USA nun für Frauen nicht mehr einfach so möglich ist abzutreiben (Stand 01.09.2022).

Glücklicherweise gibt es Unternehmen, die die Frauen unterstützen und ihnen die Reise in einen anderen Bundesstaat, wo dieses Verbot nicht gilt, bezahlen.

Die Kirche stellt hierbei ihre eigenen Wertvorstellungen über die anderer Menschen. Doch nicht nur das, sie befürwortet sogar, dass andere sich ihren Wertvorstellungen zu unterwerfen haben, egal welche Konsequenzen sich daraus entwickeln.

Ebenso ist der Grund für eine Abtreibung der katholischen Kirche egal. Es interessiert sie nicht, ob ein Kind / Teenager schwanger ist, die Schwangerschaft durch eine Vergewaltigung entstand oder eine Schwangerschaft als solches nicht gewollt wird. Das Leben muss geschützt werden, egal was es kostet und wie sehr die werdende Mutter dabei oder danach leidet.

Aber nicht nur das entstehende Leben soll geschützt werden, sondern auch das schon vorhandene. Egel wie alt jemand ist oder wie sehr jemand leidet, das Leben darf nicht durch die eigene Hand oder die eines anderen beendet werden. Auch hier ist die Kirche sehr glücklich über die strikten Gesetzesvorgaben. Chronisch schwerkranke Menschen, die nicht länger leiden wollen und bei denen auch keine Schmerzmittel mehr helfen, haben in einigen Ländern die Möglichkeit ihr Leben, unter Aufsicht und mit einigen Hürden, zu beenden. Zum Argwohn der Kirche, denn schließlich ist es Gottes Wille das jemand leidet.

Mutter Teresa äußerte sich dahingehend mal:

„Es ist etwas sehr Schönes, wenn man sieht, wie die Armen ihr Kreuz tragen. Wie die Passion Christi, ist ihr Leid ein großes Geschenk für die Welt.“[1]

Mutter Teresa
Mutter Teresa hatte eine sehr menschenverachtende kirchliche Moralvorstellung

Wie zynisch und menschenverachtend dieses Zitat im Ursprung ist, kann man mit einem genaueren Blick darauf nachvollziehen. Mutter Teresa predigte gewisse Moralvorstellungen darüber, welche Ästhetik sie in dem Leiden anderer sieht und dass erst durch dieses Leid klar werden würde, wie sehr Jesus für die Gläubigen gelitten hätte.

Dieser Gedanke ist schon sehr waghalsig. Schaut man dann aber noch genauer hin, was Mutter Teresa gemacht – oder eher nicht gemacht hat – dann entsteht ein ziemlich düsteres Bild.

Nicht nur, dass sie jenen, die schmerzlindernde Medikamente benötigten, diese Spenden nicht hat zukommen lassen und erst nach dem Tod Mutter Teresas in einem Versteck gefunden wurden, sondern sich auch nicht wirklich dafür einsetzte die Ursachen des Leids in der dritten Welt zu beseitigen. Es war ihr schlichtweg egal, denn schließlich hatte das Leiden anderer etwas Positives an sich.

Das brachte ihr auch den Spitznamen “Todesengel von Kalkutta” ein, trotz ihrer schnellen Seligsprechung kurz nachdem sie gestorben war.

Die schmerzlindernden Mittel, die sie anderen im Übrigen verwehrte, weil das Leiden ja so etwas ästhetisches an sich hatte, hat sie übrigens kurz bevor sie starb selbst eingefordert – und erhalten.[2]

Hierbei kann man die gelebte Doppelmoral sehen, wie sie an vielen Stellen der Kirche vorkommt. So tun, als wäre das eine richtig und tugendhaft, wenn es aber um einen selbst geht, dann macht man etwas völlig anderes.

Gleichzeitig ist bis heute unklar, wo Millionen Dollar an Spendengeldern geblieben sind, die sie für die Armen erhalten hatte, wenn sie sie für diese gar nicht einsetzte.

Sexualität

Ein ganz schwieriger Punkt der Moral, was die Kirche angeht, denn schon immer hat die Kirche gerne darauf eingewirkt, was in den Schlafzimmern der Schäfchen so abläuft.

Beischlaf als solches ist natürlich ok – aber dabei sollte man versuchen keine Lust zu verspüren, denn das wäre Gott nicht wohlgefällig. Bei der Beichte wurden und werden dann natürlich auch gerne pikante Details preisgegeben, auf die es dann religiöse Sanktionen gibt. Danach ist man wieder gereinigt und im Schoße der Gemeinschaft willkommen.

Mit Homosexualität hingegen hatte die Kirche schon immer ein Problem. Was in der Antike und in Rom völlig normal war, lehnte die Kirche als “Sodomie” ab und brandmarkte es als etwas Schlechtes. Später änderte sich dieser Begriff mehrmals, jedoch allen Begrifflichkeiten ist der negative Aspekt geblieben.

Über Jahrhunderte hinweg hatten deswegen Homosexuelle einen schlechten Stand, wurden verfolgt und verachtet wen sie liebten.

Heutzutage trennt sich die Kirche ein wenig von diesem Gedanken, wobei es auch hier immer noch extremistische / fundamentalistische Gruppierungen gibt, die an diesem alten Gedanken festhalten. So sehr und so tief hat die Kirche diese Verachtung in den Menschen verwurzelt und das Ganze mit ihren Moralvorstellungen überdeckt.

Das kann man übrigens auch auf die gesamte LGBTQ-Community ausweiten, denn alles was irgendwie “anders” war und nicht der Norm entsprach, war falsch.

Nun scheint es jedoch so zu sein, dass Papst Franziskus darauf verweist, dass Gott jedoch alle Menschen lieben würde und man niemanden ausgrenzen könnte. Ob man dieser Aussage so vertrauen sollte sei dahingestellt, denn sie könnte Kalkül sein.

Gleichwohl wird jedoch auch darauf verwiesen, dass Priester im Zölibat zu leben haben, egal welcher sexuellen Ausrichtung sie angehören. Dass das bisher nicht ganz so gut funktioniert, darauf werde ich später eingehen.

Es ist für die Kirche also elementar zu bestimmen, welche Art der Sexualität man ausleben darf und welche nicht.

Einige Freikirchen bieten auch heute noch Konversionstherapien für Homosexuelle an, damit diese ihre Neigung “ablegen” können. Im Endeffekt ist es nichts anderes als psychische Folter und einige Länder haben nicht grundlos damit begonnen diese Art der “Therapie” zu verbieten.

Paradies und Hölle

Auch der Glaube an eine Nachwelt und was dort mit einem passiert ist der Kirche sehr wichtig, denn es ist eine Stellschraube, die besonders im Mittelalter gut funktionierte und auch bis heute noch benutzt wird.

Angst macht gefügig. Und desto fester die Machtstellung der Kirche wurde, desto einfacher wurde es für sie ihre Position durch Manipulation und Angst zu erhalten.

Den Gläubigen wurde eingeimpft, dass sie nur durch das Befolgen der religiösen Regeln in das Paradies einziehen werden. Sind sie nicht gläubig, nicht getauft oder haben die falsche Religion, dann bleibt nur das ewige Fegefeuer der Hölle.

Bei dieser Idee der Nachwelt gibt es grundlegende Probleme. Zum einen wird davon gesprochen, dass es sich um das ewige Paradies handeln würde, was so nicht funktioniert, macht man sich einmal genauer Gedanken über das was “Ewigkeit” bedeutet.

Es handelt sich dabei um einen immerwährenden Zustand, so als würde man bei einem Videogerät auf Pause drücken und diese Pause würde nie enden. Alles stände für immer still und könnte sich auch nicht einmal verändern.

Gleichzeitig ist es so, dass Nietzsche in “Der Antichrist” schrieb:

„Diese ewige Anklage des Christentums will ich an alle Wände schreiben, wo es nur Wände gibt, – ich habe Buchstaben, um auch Blinde sehend zu machen… Ich heiße das Christentum den einen großen Fluch, die Eine große innerlichste Verdorbenheit, den Einen großen Instinkt der Rache, dem kein Mittel giftig, heimlich, unterirdisch, klein genug ist, – ich heiße es den Einen unsterblichen Schandfleck der Menschheit […].“

Friedrich Nietzsche, Der Antichrist, Kapitel 62

Er verweist darauf, wie heimtückisch diese Art des Denkens ist. Nicht nur, dass einem etwas versprochen wird, was niemals eingehalten werden kann, nein, es ist auch so, dass dieses Denken einen als Geisel nimmt und andere auch dazu verpflichtet so zu denken.

Ganz nach dem Motto “Wirst schon sehen was du davon hast, hab dich ja gewarnt.”

Es ist eine Manipulation, die von klein auf beginnt und die Menschen ihr Leben lang begleitet. Besonders in Fragen Schuld und Sünde werden immer wieder alte, eingeimpfte Muster hervorgerufen, was gut und was schlecht sei. Dahingehend lassen viele Menschen sich weiter manipulieren, selbst wenn sie gar nicht mehr in der Kirche sind und sich davon losgesagt haben.

Was nach unserem Tod passiert, dass kann keine Religion der Welt sagen. Alle, die irgendwelche fantastischen Ideen und Nachwelten vorschwärmen sind allesamt Lügner und Scharlatane!

Sie können es nicht wissen und selbst Bücher von Anno dazumal können das nicht (mal abgesehen, dass es sich dabei um zusammengesetzte Stücke und mit Fehlern behaftete Übersetzungen handelt).

Kirche und Neuzeit

Doch schauen wir uns das aktuelle Geschehen etwas genauer an. Ganz vorne dabei sind die beiden Punkte Kardinal Woelki (früher in Limburg, derzeit in Köln) und das Bistum Münster.

Seit den letzten Jahren überflutet sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche eine Welle von Austritten, wobei die katholische Kirche weitaus stärker betroffen ist.

Die Internetseite katholisch.de verbuchte das zwischenzeitlich als aufgelaufene Fälle durch Corona, welche damals nicht schnell genug abgearbeitet werden konnten und es plötzlich deswegen so viele wären.

Doch so einfach ist das nicht, denn diese Missbrauchsskandale gab es eben weltweit und somit sind auch in anderen Ländern viele Menschen aus der Kirche ausgetreten oder treten noch aus.

Der Fall Woelki

Na das war dann doch nicht ganz so der Fall, denn nachdem die ganzen, flächendeckenden Kindesmissbrauchsfälle öffentlich wurden und sich immer mehr Opfer meldeten, war der Skandal schon recht groß.

Aber die Kirche machte ihn noch größer. Täter wurden jahrelang geschützt und gegen diese nichts unternommen. Es wurde Kirchenrecht angewendet und auch nur hier und da umgesetzt. Man schaute weg und als die Opfer immer mehr wurden und sich Gehör verschaffen wollten, tat man so, als wäre das keine große Sache gewesen.

Die evangelische Kirche hatte im Übrigen auch solche Fälle.

Kardinal Woelki wurde übrigens das erste Mal richtig präsent in den Medien, als ihm seine damals zukünftige Wohnung für 1,45 Millionen Euro renoviert wurde.

Später nahm er dann eine tragende Rolle ein, als das Erzbistum Köln fast drei Millionen Euro ausgab für juristischen Beistand und PR-Beratung, während des bekannt gewordenen Missbrauchsskandals anderer Priester. Doch die drei Millionen waren gar nicht das eigentliche Problem, denn die Opfer der sexualisierten Gewalt erhielten gerade mal die Hälfte.

Gleichzeitig zahlte das Erzbistum aber auch die über eine Million Euro Schulden, die ein Priester beim Glücksspiel gemacht hatte (eigentlich waren es 500.000, darauf kamen dann noch Zinsen).

Die Zahlung stammte übrigens aus dem gleichen Topf, wie die Zahlungen an die Opfer des Missbrauchsskandals. Zwar verteidigte sich das Erzbistum mit einem Verweis darauf, dass sie über dieses Sondervermögen frei verfügen könnten, dem widersprachen jedoch Kirchenrechtler.

Woelki hingegen geriet immer wieder in die Schlagzeilen, besonders in dem Moment, wo er bei einer Kanzlei ein Gutachten über die Missbrauchsvorfälle in Auftrag gab, dieses dann jedoch zurückhielt. Er begründete das Zurückhalten des Gutachtens damit, dass es mängelbehaftet und nicht rechtssicher wäre, weswegen er es nicht veröffentlichen wollte.

Woraufhin ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben wurde, dessen Ergebnis man dann erfuhr.

Der Missbrauchsbeauftragte kritisierte ihn dafür schwer und dass Woelki damit auch das Vertrauen zur Kirche zerstört, was eigentlich wieder aufgebaut werden müsste.

Knapp ein Jahr nachdem das erste Gutachten erstellt wurde und kurz bevor das zweite veröffentlicht werden sollte, gewährte Woelki Einsicht in die Dokumente.

2015 hatte Woelki hingegen schon eine Liste erhalten, die Namen von Priestern beinhaltete, welchen Missbrauch vorgeworfen wurde. Da er aber davon ausging, dass an anderer Stelle damit gearbeitet werden würde, vernichtete er kurzerhand diese Liste; Datenschutz, wie er sagt. Gleichzeitig war der Stand dieser Vorfälle unbekannt und Woelki ging davon aus, dass sich sein Vorgänger damit schon beschäftigt habe und dass sein Zutun nicht nötig wäre. Die Informationsweitergabe schien sein Vorgänger aber dann doch nicht so pflichtbewusst gemacht zu haben.

Glücklicherweise waren die Daten auch noch an einem anderen Ort vorhanden und somit sind sie nicht verloren gegangen. Woelki selbst könne sich ja auch an keinen der Namen auf der Liste erinnern.

Doch auch hier ist das gleichgültige Verhalten bezeichnend. Anstatt sich intensiv um eine Aufklärung zu kümmern, wurde zeitnah eine Liste vernichtet, die potentiell noch Taten hätten aufdecken können, was sie ja potentiell an anderer Stelle auch machten. Doch wurde hierbei in Kauf genommen, dass diese Listen für immer verloren gegangen wären und das unter dem Deckmantel des Datenschutzes.

Das Ganze wirkt schon etwas hanebüchen und fast schon gewollt.

Das Bistum Münster

Die hohe Zahl an Missbrauchsfällen im Bistum Münster sind bezeichnend für die kirchliche Moralvorstellung

Bei dem Bistum Münster handelt es sich um einen ganz speziellen Fall. Schon viele Jahre vorher ritt dieses Bistum auf der sogenannten “Satanic Panic” und veranstaltete jährlich mindestens ein großes Seminar über Rituelle Gewalt. Zu diesem wurden dann auch die unterschiedlichsten Personenkreise eingeladen, wie z.B. die Polizei.

Auf deren Homepage kann man bspw. Noch Artikel aus dem Jahre 2016 nachlesen, bei denen es um düstere Welten voller Gewalt und Stillschweigen – alles im Namen Satans” geht.[3]

Brigitte Hahn, Sekten- und Weltanschauungsbeauftragte des Bistums Münster, erklärt dazu: „Rituelle Gewalt hat immer etwas mit einer Weltanschauung zu tun“.

Dieses Zitat bitte im Hinterkopf behalten, denn darauf werde ich gleich noch eingehen.

Es wird von satanischen Sekten geschrieben, dass sie auf Grund ihrer satanistischen Ideologie Kinder misshandeln, foltern und töten würden. Liest man sich den Text so durch, könnte man meinen sie hätte ihr Wissen aus der einschlägigen und widerlegten Literatur, die man noch erwerben kann, jedoch nicht sollte, weil es eben keine wissenschaftliche Literatur ist.

Aber Brigitte Hahn sagte auch: „Die Politik ist gefordert, Maßnahmen auf den Weg zu bringen“.

Gleichwohl wird eben auch auf ein diffuses Netzwerk von Satanisten verwiesen, welches sich nicht öffentlich zeigen würde, sondern sich nach außen so darstellt, als wären sie ganz normale Bürger; ja sie würden sogar so tun, als wären sie Christen.

Was sich verschwörungstheoretisch anhört, ist es eben auch. Die zahlreichen Untersuchungen und Aufklärungen zeichnen eben ein ganz anderes Bild, als das, welches einem das Bistum Münster glauben machen wollte.

Selbst auf ein Video verweist die Seite des Bistum Münsters, welches aber nur unhaltbare Satanic Panic verbreitet.

Nachdem sich mehrfach verschiedene Gruppierungen und Einzelpersonen auf diversen Kanälen beim Bistum beschwerten, war deren Reaktion ablehnend und rechthaberisch. Sie hätten sozusagen da einen wunden Punkt getroffen und somit hätten sie recht. Das Bistum nahm sofort die Opferrolle ein und versuchte somit einer echten Diskussion aus dem Weg zu gehen. Denn dann hätten sie ihre schnell widerlegbaren Quellen offenlegen müssen und das hätte dem Glaubenskonstrukt und den Seminareinnahmen geschadet.

Doch dann kam nicht nur Corona, sondern weltweit eröffneten sich schon zuvor Missbrauchsfälle von Kindern. Allesamt geschehen in kirchlichen Einrichtungen.

Auch im Bistum Münster.

Das Ergebnis einer neuen Studie (Stand 13.06.2022) eröffnet, dass allein im Bistum Münster, zwischen 1945 und 2020, mindestens 196 Priester sexuellen Missbrauch begangen haben. Die Zahl der Betroffenen liegt der Studie zufolge bei etwa 610 Opfern, wobei vermutet wird, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher liegen kann.

In dieser Studie wurde weniger, wie sonst juristisch, nach der Schuld gesucht, sondern es sollte das Umfeld verstanden werden, in dem sich eine so hohe Zahl an Tätern ausbreiten konnte.

Was schnell klar wurde, war, dass die Machtposition der Priester ein ausschlaggebender Faktor gewesen ist. Als Priester hat man eine gewisse Autorität in seinem Bereich und somit konnte diese auch genutzt werden und dafür Sorge tragen, dass die Opfer schwiegen oder wenn sie mit jemandem redeten, ihnen niemand glaubte.

Zeitgleich war es aber auch so, dass die Bischöfe ebenso die Macht hatten die Täter zu schützen und die Öffentlichkeit konnte ferngehalten werden.

Gleichzeitig war die katholische Kirche eine moralische Instanz und musste somit auch keine Fragen aus der Politik oder Justiz fürchten. Zumal ja, wenn überhaupt das Kirchenrecht eingesetzt wurde. Darüber musste die Öffentlichkeit auch nicht informiert werden.

Das Bild, welches die Kirche von sich selbst hatte, führte dann auch dazu, dass sie sich als heilige Institution und den Priester als heiligen Mann sah und somit auch ihre Position halten wollte. Genau durch diese Art des Selbstbildes funktionierte die Vertuschung, denn das motivierte viele dahingehend auch, die Kirche vor Rufschaden zu schützen.

Hervorragend auch an der oben erwähnten Art Woelkis zu sehen, wie leichtfertig er mit Listen umging, auf denen Täter gelistet waren, ohne zu wissen, ob sein Vorgänger etwas weitergeleitet hatte oder nicht. Zwar handelt es sich bei ihm um ein anderes Bistum, aber das Verhalten ist dahingehend gleich.

Nun bietet das Bistum Münster derzeit keine Seminare mehr über rituellen Missbrauch durch satanistische Sekten an.

Dafür finden sich plötzlich Unmengen an Schulungen zur Prävention sexualisierter Gewalt, ebenso Seminare über geistlichen Missbrauch.

Bei über 610 Opfern im eigenen Bistum ist das auch dringend notwendig.

Brigitte Hahn hat übrigens 2017 noch ein Interview der Seite “Kirche und Leben” gegeben, bei dem es eben um jene Tagungen ging und einen Facebook-Post, der später von der Redaktion gelöscht wurde, weil sie massiven Gegenwind ernteten und sich mit “wüsten Beschimpfungen gegen die katholische Kirche” [4] konfrontiert sahen.

Dabei handelte es sich vielmehr um die Aufforderung nach Belegen ihrer Behauptungen.

Am Ende des Interviews sagte Hahn: Wir wollen auf Gruppen aufmerksam machen, die extreme Gewalt im Rahmen ihrer Weltanschauung rechtfertigen und ausüben. Viele der Opfer sind Kinder, deren weiteres Leben zerstört wird. Das ist kriminell. Darauf muss man aufmerksam machen.” [5]

Schaut man sich nun die Zitate von Frau Hahn in dem Kontext an, dass genau in jenem Bistum so viele Opfer und Täter zu verzeichnen sind, aber auf eine andere Gruppe gezeigt wurde, weil sich diese ja nicht öffentlich zeigen würden und schwierig zu greifen sind, dann macht das schon einen merkwürdigen Eindruck.

Damit soll ihr keinesfalls unterstellt werden, dass dies Vorsatz gewesen wäre, bezogen auf die Missbrauchsfälle im Bistum Münster.

Doch spricht sie davon, dass rituelle Gewalt immer etwas mit einer Weltanschauung zu tun hat, dass die Politik endlich handeln solle und dass sie auf Gruppen aufmerksam machen wollten, die Gewalt im Rahmen ihrer Weltanschauung rechtfertigen und ausüben.

Sie bezog das im Endeffekt nur auf satanistische Gruppen, weil es in ihr Weltbild passte, gleichzeitig hat sie aber die eigene kirchliche Institution unbewusst demontiert, bevor die ganzen Missbrauchsfälle herauskamen.

In der Tat ist es nun so, dass eben jene Kirche Gewalt auf Kinder und Jugendliche ausübte und das unter dem Deckmantel ihrer Religion. Genau so, wie sie es ständig Satanisten vorwarfen.

Deckmantel bedeutet hierbei aber auch, dass ständig mit dem Finger auf andere gezeigt wurde, anstatt bei sich selber anzufangen und den Problemen in den eigenen Reihen nachzugehen – die ja schon viele Jahre vorher offensichtlich gewesen sind.

Angesprochen werden sollte auch noch das Video, welches das Bistum Münster über Satanismus und rituelle Gewalt veröffentlichte und bis heute nicht gelöscht hat! In diesem kommt die “Therapeutin” Michaela Huber zu Wort, die 2017 für den “Aluhut des Jahres” nominiert wurde und nicht wirklich eine kompetente Instanz darstellt, was die Thematik angeht. In diesem Fall ein weiteres Indiz, wie sehr sich das kirchliche Umfeld mit der Thematik beschäftigte bzw. eben nicht beschäftigte.

In Bezug auf die rituelle Gewalt durch Satanisten, wie sie vom Bistum Münster dargestellt wurde, äußerte sich hingegen die evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen zu dieser Ansicht völlig anders: Damit wird das Grundproblem auf den Punkt gebracht: Alle Hinweise beruhen auf nicht geprüften Selbstaussagen. Wo doch kriminalpolizeilich und staatsanwaltlich ermittelt wurde – teilweise mit enormem Personalaufwand und außerordentlich akribisch –, blieben die Untersuchungen ohne Ergebnis oder widersprachen sogar explizit den Berichten.” [6]

Die evangelische Kirche steht dieser Thematik also ganz anders gegenüber, als die katholische Kirche und ist somit viel weniger von der Satanic Panic beeinflusst, als es die katholische Kirche ist.

Moralisches Desaster

„Kein Glaubensbekenntnis muss aufgrund seiner “göttlichen” Beschaffenheit akzeptiert werden. Religionen sollten angezweifelt werden. Kein moralisches Dogma darf als selbstverständlich hingenommen, kein Maßstab als göttlich angesehen werden. Keine Moralvorstellungen sind von Natur aus heilig.“

Anton Szandor LaVey

In vielerlei Hinsicht ist die Kirche keine moralische Instanz mehr, auch wenn sie das gerne hätte. Auf Grund ihrer Machtposition war sie es in der Vergangenheit, aber in der heutigen Zeit keinesfalls mehr.

Auch ihre Moralvorstellungen sind völlig überholt und finden allenfalls nur noch in einer kleinen Gruppierung, die sich ihrer Glaubenswelt unterwirft, ihre Anwendung.

Vor allem liegt das hauptsächlich daran, dass die Kirche ihre Glaubwürdigkeit verloren hat.

Predige ich Wasser, trinke aber Wein und alle sehen es, dann ist es eine logische Konsequenz, dass mich die Menschen in meinen Handlungen hinterfragen. Dafür muss man nicht einmal Philosoph sein.

Die damalige Residenz in Limburg von Bischof Tebartz-van Elst sollte über 30 Millionen Euro kosten, wo sich sicherlich der eine oder andere Kirchengänger fragt, wo das ganze Geld herkommt und warum es so viel Geld kosten muss, wenn doch ständig von Zurückhaltung und einer gewissen Armut gesprochen wird, wie sie angeblich Jesus auch lebte.

Tebartz-van Elst wurde dann vom Papst beurlaubt und später nach Regensburg versetzt.

Wenn ich als Institution nicht nur einen Glauben an etwas vermittle, sondern ihnen auch Regeln vorgebe, wie sie ihr Leben zu gestalten haben, dann ist es nun einmal unabdinglich, dass ich eben jene moralischen Regeln auch einhalte.

Verweise ich auf das Leid in der Welt und stehe dafür ein, dass die eigene Kirche die Pflicht hat dieses Leid zu verringern, dann muss ich aber auch aktiv etwas dafür tun.

Stelle ich jedoch jemanden hin, der wie Mutter Teresa, sich am Leid der armen Menschen ergötzt und es ihr eine innere Befriedigung verschafft, weil sie darin eine gewisse Ästhetik vernimmt, dann muss auch diese Person hinterfragt werden.

Durch eine ständige Kultur der Vertuschung und des Wegsehens konnte es überhaupt so weit kommen, dass Kranken ihre Schmerzmittel vorenthalten wurden, dass Gelder plötzlich verschwinden, dass Missbrauch nicht nur gedeckt, sondern sogar geduldet wurde. Hier sei auch erwähnt, dass bspw. der ehemalige Papst Benedikt XVI. ebenso von Missbrauchsfällen wusste, sie aber scheinbar, wie viele andere auch, deckte bzw. einfach wegsah. Heute erinnert er sich an nichts mehr…

Das soll ein “Stellvertreter Gottes” sein?

Die Moralvorstellungen der Kirche sind weder göttlich, noch sind sie absolut, sondern sie sind ein Konstrukt. Ein Konstrukt wider die menschliche Natur; das zeigen solche Handlungen.

Gleichzeitig sollte damit aber auch klar werden, dass sich die Gesellschaft von der Institution Kirche emanzipiert hat und weder auf sie, noch auf ihre Moralvorstellungen angewiesen ist.

Alice Miller meinte zum Thema der Moral: „Leider werden junge Leute ständig dabei entmutigt, ehrlich zu sein, und mit dem bedroht, was wir Moral nennen. Zuerst durch die Familien, dann die Religionen und schließlich auch durch die Psychiatrie.“

Genau das ist einer der schwerwiegendsten Punkte in dieser Thematik. Die Moral wurde und wird instrumentalisiert, damit Macht ausgeübt werden kann. Es geht um ein Gefügig machen und Schweigen. Die ganzen Missbrauchsfälle und anderen Schandtaten der Kirche sind eben nicht erst ein Konstrukt des 20. Und 21. Jahrhunderts, sondern wird schon viele Jahrhunderte so vorher funktioniert haben; jedoch ist das heute nicht mehr nachvollziehbar.

Doch durch diese Emanzipation, die sich derzeit gegenüber der Kirche vollzieht, weiß diese nicht so recht damit umzugehen, denn schließlich hat man seine Moralvorstellungen über Jahrhunderte nicht nur vertreten, sondern auch verteidigt.

Wie kann man plötzlich sagen, dass es kein Problem ist, wenn Homosexuelle in der Kirche sind, obwohl man ihnen doch vorher ständig vorhielt, wie sehr sie immer wieder sündigen und sich mit ihrer Art des Seins, von Gott abwenden würden?

Die gleiche Frage stellt sich im Endeffekt für die ganze LGBTQ-Community.

Ebenso stellt sich die Frage, warum Opfern von Missbrauch durch die Kirche so wenig Aufmerksamkeit und “Wiedergutmachung” entgegengebracht wird. Es mutet viel mehr an, als wären sie lästig und ein Störfaktor für die Kirche als solches.

Wer Nächstenliebe und Fürsorge predigt, der muss sich eben auch so verhalten. Doch genau dieses Verhalten ist überhaupt nicht erkennbar. Man könnte sagen, die Kirche verhält sich moralisch verwerflich gegenüber ihren eignen Opfern.

Hier lässt sich sogar von einer doppelten Doppelmoral sprechen:

Zuerst bestimmt die Kirche, wie ihre Schäfchen zu leben haben, lebt aber selbst nicht danach, dann missbraucht sie dieses Vertrauen und verlangt durch Machtmissbrauch Schweigen.

Als dann die Opfer ihre Stimme gemeinsam erheben, sind sie der Kirche lästig und anstatt ihre Schuld in der Struktur und Taten einzugestehen, versucht man die Fälle schnell und mit wenig finanziellem Ausgleich abzuarbeiten, damit niemand mehr darüber redet.

Denn weiter darüber zu sprechen würde auch bedeuten, dass offensichtlich werden würde, wie sehr diese Institution und mit ihr ihre Moral versagt hat und eventuell noch mehr Opfer die sich melden. Das bedeutet auch, dass es ein Eingeständnis des Machtverlustes wäre.

Moral überhaupt notwendig?

Wer sagt euch, daß es Gesetze giebt, denen unser Handeln sich unterwerfen soll?“

Arthur Schopenhauer

Auch Schopenhauer stellt die Moral in Frage, gleichzeitig wird damit auch in Frage gestellt, welche Instanz uns denn die moralischen Verpflichtungen vorgeben will.

Die Kirche als moralische Instanz hat auf ganzer Linie versagt. Sie hat die Moral als Machtinstrument missbraucht um ihre eigene Macht zu stärken und ihre Position zu verfestigen.

Physische und psychische Gewalt durch Kirchenmitglieder geschehen weltweit und stellen die Frage danach, ob es nicht besser ist Atheist zu sein

Es lag ihr nicht im Sinne dem Menschen ein gutes und natürliches Leben zu ermöglichen, sondern sie sollten sich unterwerfen. Nicht nur einem göttlichen Wesen, sondern der Kirche selbst, die ja als göttliche Vertretung agiert und sich somit als unfehlbar ansieht.

Dass die Menschen aber für diese Art der moralischen Vorstellung gar nicht ausgelegt sind, hat die Kirche und mit ihr viele andere Religionen nicht eingesehen, aber bewiesen.

Das angesprochene Zölibat für Geistliche ist überhaupt nicht Natur des Menschen und führt automatisch zum “sündigen”, so sie denn nicht asexuell sind. Sündigt also der Priester, muss er sich seinem höhergestellten offenbaren und liegt somit als Sünder auch regelmäßig an der Leine, was psychisch auf ihn einwirkt.

Eine Moral die auf den Menschen ausgelegt ist, also eine humanistische Moral, wäre da viel sinnvoller, so es denn eine geben sollte. Denn wer soll entscheiden, was moralisch gut oder schlecht ist? Wo werden die Grenzen gesetzt oder können überhaupt Grenzen gesetzt werden, wenn der Mensch so vielschichtig und wenig greifbar in seiner Natur ist?

Einer religiösen Instanz sollte man es keinesfalls mehr überlassen und ihr dahingehend auch keine Autorität mehr zugestehen. Viel zu lange schon, haben diese viel zu viele Leben physisch als auch psychisch zerstört.

In diesem Zuge stellt sich ebenso, die anfängliche Frage, ob es nicht vielleicht doch besser ist Atheist zu sein.

Schaut man sich an welches Machtspiel die Kirche über die Jahrhunderte abgeliefert hat und wie viele Werkzeuge sie dafür nutzte, so wird schnell klar, dass besonders die Angst eins der größten Instrumente war.

Angst vor der Hölle, vor Bestrafung, vor einem zornigen Vater / Gott, der einen so abscheulich findet, dass er nichts mehr mit einem zu tun haben will.

Das Gefühl ausgestoßen zu sein, kein Teil der Gesellschaft, keine Verbindung mehr zu haben, zu einem überirdischen, allmächtigen Wesen, sondern nur Qual und Finsternis.

Diese Angst wurde den Menschen über Jahrhunderte von klein auf eingetrichtert, weil es das perfekte Werkzeug ist Menschen gefügig zu machen und an der Leine zu halten.

Will man sich nun aber emanzipieren, sich also lossagen von der Kirche, so ist es unabdingbar, dass man sich auch von ihrem Glauben loslöst. Denn so lange eine Instanz noch geistig Kontrolle über einen Menschen ausübt, so lange wird er sich nicht von ihr befreit haben.

Zitate:

Arthur Schopenhauer, Über die Grundlage der Moral, 1840

Anton Szandor LaVey, Die Satanische Bibel, Second Sight Books

Alice Miller, Abbruch der Schweigemauer

Quellen

[1] Mutter Teresas „Nächstenliebe“ | hpd

[2] Studie kratzt an Mythos Mutter Teresa: „Keine Heilige“ – Panorama – SZ.de (sueddeutsche.de)

[3] Rituelle Gewalt geht uns alle an – Bistum Münster (bistum-muenster.de)

[4] [5] Soll man über Satanismus und rituelle Gewalt berichten?- Kirche+Leben (kirche-und-leben.de)

[6] Artikel – EZW (ezw-berlin.de)

Missbrauch im Bistum Münster – Systematisches Versagen der Bistumsleitung und Mitwisser unter den Laien in den Gemeinden | deutschlandfunk.de

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