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Stärke eines Gewichthebers

Stärke – was ist das eigentlich?

In der aktuellen (damaligen) Abenteuer Philosophie geht es dieses Mal um gefühlt zwei Hauptthemen. Das eine ist Corona und das andere ist Stärke. Heute soll es dabei um die Thematik der Stärke gehen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Stärke?

Stärke eines Gewichthebers

Mit Stärke werden oft große Kraft oder Muskelmasse assoziiert, wenn man nicht gerade das Rezept von Oma für eine Soße vor sich liegen hat; aber auch eine gewisse emotionale Härte.
Oder wenn es um eine Mannschaft oder Armee geht, die breit aufgestellt auftreten, ist das auch eine Art der Stärke.
Zumindest ist das der primäre Faktor, den wir schnell erkennen können.

Ein anderer, viel wesentlicherer Punkt ist jedoch die mentale Stärke. Ein tolles Beispiel ist das Bodybuilding oder die Kampfkunst. Wie oft hört man, wenn es um Profibodybuilding geht, wo also leistungssteigernde Mittel eingenommen werden, dass diejenigen doch nur aufgrund der Mittel so aussehen würden und dass damit das ja jeder schaffen würde so auszusehen. Das ist, ehrlich gesagt, ein ziemlich einfaches Vorurteil.

Wenn Menschen zu Arnold Schwarzenegger sagten

„Wir würden niemals so aussehen wollen wie du“

, antwortete er,

„Keine Sorge, werdet ihr auch nicht“.

Wie viele haben die mentale Stärke, sich fünf oder sechs Mal in der Woche ins Fitnessstudio zu schleppen und dort Gewichte zu stemmen? Jedes Mal die eigene Leistung zu verbessern, immer und immer wieder die gleichen Übungen zu machen und das über Jahre hinweg? Da ist es egal, ob jemand anabole Steroide zur Regenerationsförderung nimmt oder nicht, denn die Passion bringen nur die Wenigsten auf.

Kampfkunst nur der Gewalt wegen?

Ähnlich ist es mit der Kampfkunst. Ich erinnere mich noch an einen Kollegen, den ich während des Studiums, bei meinem Studentenjob hatte. Dieser meinte, dass Kampfkunst nichts weiter wäre, als eine verblümte Umschreibung sich gegenseitig schlagen zu wollen. Das ist natürlich stark vereinfacht und mit einem Stereotypen festgesetzt. Dass da vielleicht mehr hinter steckt, dass es sich dabei um eine Kultivierung des Geistes handelt, bei der die Psyche und das Selbstbewusstsein gestärkt wird und wo ein ganz neues Verständnis der Bewegung usw. aufgebaut wird, das sah er nicht.

Oft vereinfachen wir uns die Welt, weil es eben simpler ist für unser Verständnis von dieser.

Vor kurzem habe mal jemandem beschrieben, wie das Krafttraining auf mich wirkt, dass das Training für mich wie eine Art der Meditation ist. Das sind ein bis zwei Stunden täglich, die der ständig denkende Kopf seine Auszeit bekommt. Natürlich ist man voll bei der Sache und stellt nicht seinen Verstand ab, sondern man ist stärker im Hier und Jetzt, weil man sich auf das konzentriert, was man gerade tut. Nichts anderes macht ein Zen Mönch, wenn er irgendwo meditativ Gehmeditation macht oder im Zazen meditiert. Auch jemand der eine Kampfkunst übt und voll bei der Sache ist, macht genau das gleiche.

„I’m a big believer and thankful for all the negativity I’ve dealt with in my life. All the people who made it hard. All the people who fucking made shit much harder than it had to be. I love those people, I should write them a fucking thank you card. Because if it wasn’t for those motherfuckers I wouldn’t be who the fuck I am. When you get to that point of frustration, of anger, of being pissed off. That is tremendous fucking fuel for you to go out and do the shit that you wanna do.“

Unbekannt

Dinge die wir zulassen

Wir wachsen an den Dingen, die uns zum Straucheln bringen, wenn wir sie denn richtig nutzen und verstehen. Es können also auch Scheidewege in unserem Leben sein, an dem wir die Wahl haben weiter daran zu wachsen oder zuzulassen, dass uns diese Erfahrung zerbricht und unser weiteres Leben zu einem Höllenritt macht.

„Die Hölle, das sind die anderen“ postulierte Sartre im Buch „Geschlossene Gesellschaft“.

Wo ich sonst immer ein Fürsprecher Sartres war und sonst klar „Ja“ gesagt hätte, bin ich bei einem „Jein“ angekommen.

Natürlich können die anderen die Hölle sein, aber nur so lange ich es zulasse (geht man jetzt mal von einer völlig „normalen“ Umgebung aus und nicht von Extremen). Ich kann die Negativität anderer in positive Stärke umwandeln, wenn ich mich nicht von der Negativität vereinnahmen lasse.

In der Abenteuer Philosophie findet sich dazu auch eine kleine, afrikanische Geschichte über eine kleine Palme und einen missmutigen Mann, welcher der Palme einen Stein in die Krone legt, damit sie nicht weiterwachsen kann und in Zukunft dann verwachsen und hässlich aussehen sollte. Die Palme hatte nun zwei Möglichkeiten, die eine war, sich der Negativität und der Macht eines anderen, über einen selbst, mit diesen negativen Emotionen hinzugeben oder aus diesem Negativen etwas Positives zu machen und daran zu wachsen.

Daran kann man erkennen, dass Stärke nicht nur das ist, was wir äußerlich sehen, sondern auch das, was unsere Psyche bereithält und was wir bereit sind zu investieren, um diese Stärke zu erlangen. Oftmals können wir mehr, als wir glauben, zu können, weil wir uns von eben jener Negativität beeinflussen und unten halten lassen.

Soziale Medien und andere Techniken

Ein weiterer, wesentlicher Faktor ist die Zerstreuung. Ständig werden wir berieselt mit Informationen, die unser Leben nicht unbedingt bereichern, noch hilfreich für unsere Weiterentwicklung sind.

Zudem zerstreuen wir uns selbst, in dem wir uns mit unnötigen Themen abgeben, die keinen Mehrwert für unser Leben haben. Ist es wirklich wichtig, welcher Nachbar wann seinen Müll rausgetragen hat oder welches Sofa wann wer bekommen hat? Nicht, wenn man nicht unmittelbar involviert ist.
Auch welcher Promi was gemacht und über wen er geredet hat – vollkommen irrelevant, wenn es einen nicht selbst betrifft und selbst wenn „who cares?“.

Wir müllen unseren Geist mit Dingen zu, die wir nicht benötigen und lassen so zu, dass wir nicht stärker, sondern schwächer werden, weil eben jene negativen Gedanken ständig in uns präsent sind. Das wiederum führt dazu, dass wir uns ständig auf der Stelle und nur minimal weiterbewegen; sowohl persönlich als auch gesellschaftlich.

„Was kann ich schon machen?“, diese Frage hört man immer wieder mal, wenn es darum geht große Ideen oder Veränderungen geistig durchzuspielen. Problem dabei: Diese Fragen stellen sich viel zu viele. Anstatt zu machen, resignieren sie, ohne zu verstehen, dass sie selbst daran wachsen oder andere inspirieren können. Stärke ist, seine Ideen trotzdem umzusetzen. Selbst wenn man daran scheitert, aber nicht zerbricht, sondern weitermacht, dann hat man die Stärke, die man braucht, um etwas zu verändern.

Stärker werden durch Lebensveränderung

„People say, „I hate diet food, I can’t diet because the diet food tastes so fucking bad.“ Motherfucker, you ain’t eating this shit for it to taste good, you’re eating because you want the results that it’s gonna give on the way that you look. That is the main purpose of dieting.“

C. T. Fletcher

Eine Diät ist eine Lebensart, also nicht etwas, was man ein paar Wochen macht, damit der Hintern wieder in den Bürostuhl passt.

Eine starke Haltung ist ebenso eine Lebensart.

Das bedeutet nicht, dass man immer hart und verkrampft (wird gerne verwechselt) sein muss, sondern, dass man sich von Zerstreuung und Negativität befreit und somit sich selber und damit auch andere kultivieren kann.

Es ist also sehr spannend über dieses Thema zu philosophieren und ich kann die verschiedenen Aspekte, die in der Abenteuer Philosophie angeschnitten werden, nur empfehlen.

Was ist für euch Stärke?

Wo hat sie für euch ihren Ursprung?

Veröffentlicht August 2020, aktualisiert

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Mit seinen 10 Jahren ist das Denkatorium einer der Philosophie Blogs im deutschsprachigen Raum, die am längsten dauerhaft aktiv sind und auch immer wieder aktuelle Themen aufgreifen.

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