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Wahre Stärke Symbolbild

Wahre Stärke

Vor einigen Tagen, bin ich bei Facebook über das nebenstehende Bild gestolpert*, welches doch einige Fragen bei mir aufwarf. Darauf zu sehen der Spruch


„Wahre Stärke findest du nicht zwischen zwei Hanteln. – Mach was wirklich zählt.de -“.

Die Werbung wurde, wie nicht anders zu erwarten, direkt vor einem Fitnessstudio platziert, damit sie auch jeder, der trainieren geht, sehen kann. Dabei wird ziemlich unreflektiert der Kraftsport kritisiert und gleichzeitig das eigene Unternehmen als ethisch besseres dargestellt.

So viele Fragen türmen sich in solchen Momenten bei mir auf und da ist es egal, ob man für oder gegen die Bundeswehr ist; selbst wenn es ein anderes Unternehmen wäre, würden sich diese Fragen in den Raum stellen und bedürfen der Äußerung.

Inhaltsverzeichnis

Fragen die sich stellen

Wahre Stärke Plakat, Symbolbild mit Bodybuilder

Erst einmal gibt der Spruch ja zu verstehen, dass das Krafttraining nicht zu wahrer Stärke führen könne.
Also das Training, dass man mit sich selbst ausmachen muss.

Ständig den inneren Schweinehund besiegen und sich bei jeder Trainingseinheit ein Stück mehr verbessern will/muss, um seine angestrebten Ziele zu erreichen. Nachweislich steigt auch das Selbstbewusstsein durch Krafttraining, ähnlich wie im Kampfsport. Im übertragenen Sinne, kann man sagen, dass sich die eigene Haltung zu etwas ändert bzw. verbessert.

Luca Groß, der Urheber dieses Bildes, merkte dabei an:
„Ich glaube, wahre Stärke findet man statt bei der Bundeswehr GERADE EBEN beim Sport! Das Ziel des Sports ist es, SICH SELBST zu besiegen. Das ist eine intellektuell viel anspruchsvollere Leistung, als die Probleme in Konflikten auszutragen!“

Gleichzeitig stellt er die Frage
„Findet man denn bei euch wahre Stärke?“

Diese Frage muss sich, ehrlich gesagt, auch stellen, denn wer behauptet, dass die wahre Stärke sich nicht zwischen Hanteln findet, der müsste dann ja eine passende Antwort darauf haben, wo sie sich findet. Wenn ich bspw. A kritisiere, sollte es dann auch schon mit den passenden Argumenten sein.

Was ist wahre Stärke?

Zudem: Was ist wahre Stärke eigentlich?

Mut jemandem gegenüberzutreten?

Mut zu haben, sich nicht in einen Konflikt einzulassen.

Die Stärke, jeden Morgen früh aufzustehen und sein Trainingspensum zu absolvieren?

Die Kraft 20 km zu marschieren oder zu joggen?

Ist wahre Stärke seinen Geist zu kultivieren oder sich trotz widriger Umstände um seine Weiterentwicklung zu bemühen?

Ich gehe bei solchen Fragen extra weniger auf den gewalttätigen Aspekt der Armee ein, denn das ist für mich schon fast ein Totschlagargument, welches immer wieder in dieser Diskussion aufkommt. Doch leider unterbindet es auch schnell eine vernünftige Auseinandersetzung mit dem Thema, denn das Argument des Schützens wird dabei schnell mal vergessen.

Dennoch muss sich die Bundeswehr in dem Zusammenhang Kritik gefallen lassen, da durch die Werbung nun mal behauptet wird, dass sich wahre Stärke woanders befindet.

Doch wo findet sie sich?

Wahre Stärke ist etwas sehr Subjektives, daher ist es meiner Meinung nach auch schwierig, jemandem zu sagen, er besäße keine wahre Stärke bzw. würde sie nicht an einem bestimmten Ort oder in einer bestimmten Übung finden.

Gleichzeitig aber jemanden versuchen zu überreden, die wahre Stärke bei der eigenen Organisation zu finden, obgleich diese Person vielleicht nicht mal annähernd Interesse an dieser hat, ist ehrlich gesagt schon ziemlich gewagt.

Und gerade weil es so gewagt ist, gingen kurz darauf die „Werbekünstler“ (auch: Adbuster; engl. „ad(vertisement)“= Werbung und dem Verb „to bust“= zerschlagen) ans Werk und formten die Werbungen um.
Dazu bekannte sich die „Abteilung zur sichtbaren und inhaltlichen Verschlimmbesserung unhaltbarer Truppenwerbung (AbtVerschlTruWer)“, dies im Dezember in Berlin direkt im Bereich der Bundeswehr.

Die Kritik, die also in der Werbung der Bundeswehr mitschwang, schlug also ins Gegenteil um und wurde kurzerhand selbst kritisiert. Dies geschah dann aber auf der oben erwähnten Kritikebene der Gewalttätigkeit.

Der hier nur kurz erwähnte Fall einer Werbung, die so vielleicht doch überdacht werden sollte, bevor man sie öffentlich überall hinhängt, passiert öfter als man so denkt.
Gleichzeitig wurde der Werbekampagne Naivität und Realitätsferne vorgeworfen, weil sie sich besser darstellt, als es den Tatsachen entspricht.

Ehrlich gesagt, war ich sogar kurz davor bei den dafür Zuständigen mal anzurufen und zu fragen, ob sie sich für ein Interview bereitstellen würden, denn eine Diskussion auf solch einer Werbekampagne wäre sicherlich interessant.

Gleichzeitig ist es aber auch ein guter Anstoß für uns selbst, einfach mal wieder die eigenen Stärken zu hinterfragen. Hat sich etwas in den letzten Jahren geändert oder ist eine frühere Aktivität in den Hintergrund gerückt, dafür aber eine neue entstanden?

Selbstreflexion kann Teil der wahren Stärke sein, ebenso das Erkennen von Veränderung und das Eingestehen von Fehlern.
Zeit mal wieder darüber nachzudenken.

*Mit freundlicher Genehmigung des darauf abgebildeten Users

Veröffentlicht Dezember 2015, aktualisiert

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