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Denkatorium

Denkatorium: Philosophieren Schule Rezensionen Blog Podcast

illusionen dargestellt durch smartphones

Da ich auf Facebook letztens einen guten Artikel von Strenght First geteilt habe, den man auf meinem Blog nicht lesen kann, möchte ich dahingehend weiter auf das, schon letztens angesprochene Thema der Filterblasen und Illusionen eingehen.

Wir bewegen uns in einer Welt der Virtualität. Diese hat zum Nachteil, dass wir viele Vorgaben und Ideen nicht mehr wirklich nachvollziehen oder sie unterscheiden können. Doch fangen wir in den 80er / 90er Jahren an. Damals wurden Stimmen laut, dass Models, sei es auf dem Laufsteg oder auf Fotografien ein Körperbild vermitteln würden, welches gar nicht der Realität bzw. dem Alltag entspricht.

Trotz dieses Aufbegehrens hat sich daran bis heute nichts geändert, ganz im Gegenteil: Durch Programme zur Fotobearbeitung ist bspw. die Darstellung von Körpern noch weiter ins Fantastische abgedriftet.

Hauptsächlich werden diese Methoden von Unternehmen benutzt, die uns etwas verkaufen wollen. Es ist also eine Marketingstrategie, durch die der Kaufreiz gestärkt werden soll.
Doch kann der Otto-Normal-Verbraucher oftmals gar nicht mehr unterscheiden, ob ein Körper der Wirklichkeit entspricht oder nicht.

Inhaltsverzeichnis

Was hat es mit diesen Illusionen auf sich?

Als die so genannten „Reality-Shows“ im Fernsehen eingehalten haben, wurde schnell klar, dass die Zuschauer ab einem gewissen Punkt kaum zwischen Realität und Fiktion unterscheiden konnten. Einige der Sendungen waren (zumindest anfänglich) auf Grund ihrer neuen Erscheinungsart völlig real für die Zuschauer.

Im Dokumentarfilm „Bigger, Stronger, Faster“, wo es um die Nutzung anaboler Steroide, aber auch die verschiedenen Marketingstrategien und die große Geldmaschine geht, die hinter vielen Firmen steckt, erklärt ein Fotograf, wie er die Bilder herrichtet, damit eine vorher/nachher Illusion entsteht. Diese Bilder hat er in wenigen Stunden gemacht und zu den Zeiten war Photoshop noch weniger greifbar.

Heute haben Photoshop und viele Filter für Instagram, TikTok und Co Einzug gehalten.

An sich könnte man sagen, dass das doch gar nicht so wild ist. Da stimme ich zu, ein Filter alleine macht von sich aus nichts. Nur verwenden wir sie nicht nur ständig, wir schaffen uns damit eine Illusion und eine völlig falsche Vorstellung von uns selbst. Wir nehmen unsere Realität immer weniger wahr und entfremden uns von ihr.

Nicht nur, dass wir uns durch Algorithmen von künstlichen Intelligenzen vorgaukeln lassen was real wäre, wir verzerren unsere eigene Realität durch ein falsches Körperbild und Illusionen, wie andere sind. Also nicht nur, dass wir uns etwas vormachen lassen, wir machen uns auch (ungewollt) selbst etwas vor.

Bestes Beispiel sind die vielen Influencer auf diversen Plattformen; nehmen wir mal Instagram. Eine Selbstdarstellungsplattform, wie viele andere auch, doch wie wir wissen, ist der Mensch stark visuell beeinflussbar. Dort gibt es einige männliche Influencer (von engl. „Beeinflussen“), die auf Grund ihrer Reichweite Werbung für diverse Produkte machen. Sie suggerieren, dass sie durch dieses Produkt so geworden sind und das andere es auch schaffen können genau so „toll“zu sein.

Bei „Bigger, Stronger, Faster“ gibt es eine ähnliche Situation, wo ein Profibodybuilder sinngemäß sagte „Sie glauben doch nicht, dass ich alleine durch dieses Produkt so muskulös geworden bin? Natürlich habe ich nachgeholfen“ – er verlor kurz nach dieser Aussage seinen Werbevertrag mit der Firma.

Ähnlich ist es auch bei dem erwähnten Instagrambeispiel: Natürlich wird nicht jeder männliche Fitnessinfluencer mit anabolen Steroiden nachhelfen, doch es werden wahrscheinlich mehr sein, als man so glauben mag. Nur weiß man das als Zuschauer eben nicht.

Das was früher die Werbetafeln gemacht haben, wird in den sozialen Medien ebenso gemacht. Hintergrund von allem ist Geld.

Illusionen in der Philosophie, dargestellt durch viele smartphones und dem eigenen Spiegelbild

Unethisches Sozialexperiment?

Vor kurzer Zeit gab es eine junge Dame auf TikTok, die erzählte, dass sie 16 Jahre alt und schwanger wäre. Die Schwangerschaft wäre Ergebnis eines Seitensprungs. Sie erhielt dafür viel Zuspruch in den sozialen Medien, bis herauskam, dass es gelogen war. Sie ist eigentlich über 20 und nicht schwanger. Laut ihrer eigenen Aussage, war es ein Experiment, um zu sehen wie ihr Umfeld reagiert. In kürzester Zeit hatte sie eine Menge Follower generiert. Doch als die Lüge herauskam, waren ihr die Fans nicht mehr wohlgesonnen und es schlug ihr Anfeindung und Hass entgegen; weswegen sie jetzt auch in psychologischer Behandlung ist (was in mir eine massive Gesellschaftskritik hervorruft…).

Ob dieses kleine Sozialexperiment nun ethisch vertretbar war oder nicht, sei dahingestellt. Doch es zeigt uns, wie diese Illusion funktioniert und was passiert, wenn diese als Lüge entlarvt wird. Man könnte auch sagen: Wenn die Illusion gestört wird, die ach so heile Illusionswelt einen Riss bekommt.

Wir geben uns also ganz dieser Illusion hin und hinterfragen gar nicht erst, ob es sich dabei um die Realität handelt. Als Hobbyfotograf weiß ich wie man aus der schäbigsten Umgebung ein schönes Bild zaubern kann und dafür benötige ich nicht einmal Bildbearbeitungsprogramme.

Aber warum funktionieren diese sozialen Filterblasen und Illusionen so gut? Sie sprechen unser Ego an und das auf unterschiedliche Weise. Die künstliche Intelligenz zeigt uns was wir auf Grund unserer Zeit und unserer Likes gerne sehen und sehen wollen (es sei auf die Dokumentation „Das Problem mit den sozialen Medien“ verwiesen).

Man könnte sagen, sie schafft unser Umfeld über unsere Interessen. Sehen wir dann oft die Dinge, die uns ansprechen, verfestigt sich auch in unserem Kopf ein Abbild der künstlichen Realität, die wir jedoch als wirkliche Realität wahrnehmen.

Endlich jemand sein

Hinzu kommt der Aspekt, dass einem suggeriert wird, man könne auch wie Sportler X oder Model Y sein (selbstverständlich nur mit den zu kaufenden Produkten). Aber wie wir schon von „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Germany´s next Topmodel“ wissen, ist das alles nur Show.

Aber das Ego vieler ist süchtig nach Anerkennung und Bauchpinselei. Dafür kann man sich dann auch öffentlich demütigen lassen, denn wenn man dann doch gewinnen sollte, ist die vollbrachte Heldentat umso größer. Hier könnte man schon fast meinen der Narzissmus und Egoismus der Menschen würde noch gefördert werden, weil durch diese Punkte der Mensch leicht dazu gebracht werden kann zu konsumieren.

Ein weiteres Kriterium wird sein, dass wir in einer Gesellschaft leben, die einen Informationsüberfluss ihr Eigen nennt. Wir haben zu viele Informationen, die wir nicht mehr filtern können und somit an manchen Punkten gar nicht wissen, was wahr oder falsch ist.
Mit diesem Informationsüberfluss geht auch einher, dass wir ständig und alles zu jeder Tageszeit verfügbar haben können oder besser gesagt: wollen.

Wenn wir uns also nicht aktiv aus Filterblasen und Illusionen befreien, werden wir weiterhin ein Spielball der Medien und der jeweiligen Firmen sein, die uns animieren möchten zu konsumieren.

Dafür sollten wir unser Ego hinterfragen und ob das, was uns weis gemacht wird, überhaupt zielführend für das Ego ist.

Als Beispiel sei da der Bereich Fitness genannt. Natürlich kann ich ein Idol haben, an dem ich mich orientiere. Nur sollte mir klar sein, dass ich nicht dieses Idol bin und das Idol nicht ich; und ganz besonders wichtig: Ich kenne nicht das ganze Leben des Idols (das kennen wir von niemandem).

Ich habe also nur eine Idee von einem Vorbild. Es ist also etwas, wessen wir uns nur annähern können, weil es nicht die Realität abbildet, sondern nur kurze Ausschnitte des Lebens einer anderen Person.

Das heißt auch, dass wir uns selbstständig auf die Suche machen müssen, damit wir unser Ziel erreichen. Im Fitnessbereich bedeutet das, wir müssen uns mit Ernährung und Bewegung beschäftigen. Das wird uns kein Idol abnehmen.
Spätestens da werden wir merken: „Hey, das braucht ja Zeit und geht weniger schnell, als gedacht.“ Ab diesem Punkt wird klarer, dass bestimmte Dinge eben nicht von heute auf morgen funktionieren.

Es sei gesagt, dass man sich natürlich unterhalten lassen kann, gar keine Frage, doch sollte man sehen wie viel man von etwas konsumiert und wie sehr man sich in Illusionen verliert.

In meinem philosophischen Buch gehe ich auf diese Thematik noch weitaus tiefer ein, denn das ist etwas, was uns auch die nächsten Jahre immer stärker begleiten wird.

Wie sind eure Erfahrungen dazu?

Schreibt mir in die Kommentare oder gerne auch eine Nachricht!

Veröffentlicht Dezember 2020, aktualisiert

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