Der alltägliche Philosophenwahnsinn
Newtopia
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Inhaltsverzeichnis

Newtopia von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Ehrlich gesagt war ich lange am hin und her überlegen, ob ich einen Text über dieses Format schreiben soll. Da es sich für mich eigentlich nur um eines von vielen handelt und ich hier in meinem Blog nicht auf jede Show eingehen möchte, da das Meiste im Fernsehen dann doch eher uninteressant ist. Zumal es genügend andere Seiten gibt, die die Sendungen kritisieren und analysieren.

Mal abgesehen davon bin ich dabei andere Texte auszuarbeiten von denen ich denke, dass sie gehaltvoller sind, als dieses Format.

Dennoch bin ich der Meinung, dass philosophisch auf einige Punkte eingegangen werden sollte, denn es gibt doch so einige Punkte, die mich schon von Anfang an zum Denken anregten.

Newtopia die verlorene Idee?

Zugegebenermaßen habe ich nicht einen Teil dieser Sendung gesehen, sondern kann mich dabei nur auf Ausschnitte, Interviews und Artikel darauf beziehen. Warum ich es mir nicht angesehen habe hat mehrere Gründe, zum einen ist ein völlig uninteressantes Format; man könnte auch sagen Big Brother auf dem Bauernhof. Man lernt nichts besonderes dabei, sondern wird unterhalten. Doch für mich sollte Fernsehen, so man es dann schaut, nicht nur unterhaltenden Charakter haben, sondern sollte mich auch geistig ansprechen. Das ist bei Newtopia einfach nicht der Fall.

Ein anderer Punkt ist, dass ich wichtigeres zu tun habe, als Leuten dabei zuzusehen, wie sie sich selbst demontieren und darstellen für nichts und wieder nichts. Es hat keinen Mehrwert.

Ich erinnere mich noch genau, wie John de Mol im Frühstücksfernsehen sinngemäß sagte, dass es sich um das größte Fernsehexperiment handeln würde und so phantastisch wäre, dass man einfach nicht darum herum kommen würde. Er selbst war überaus begeistert von der Idee; warum auch nicht? Damit verdient er Geld und kann daher auch gerne von etwas überzeugt sein. Ob es dann aber am Ende wirklich so überragend ist, steht auf einem anderen Blatt.

Dann wurden einem immer wieder die Personen vorgestellt, die in dieser Serie vorkommen sollen. Natürlich handelte es sich um Charaktere, die völlig unterschiedlich und polarisierend waren. Jeder wollte der neue Anführer sein und seine völlig neue Welt erschaffen.

In weiterer Vorstellung des Projektes wurde dann weiter präzisiert. Es sollte ein Startkapital geben… Ab diesem Zeitpunkt war mir klar, dass der Gedanke „Newtopia“ komplett abgeschrieben werden konnte.

Doch nur Entertainment anstatt ein neues System?

Newtopia hätte ich so verstanden, dass aus dem Nichts, also ohne Kapital, ohne Regeln oder ähnliche Hilfsmittel eine potentiell neue Gesellschaftsform entstehen sollte. Durch Vorgaben von Unterkünften, Tieren und im Besonderen Geld, wurde schon eine Struktur vorgegeben.

Bei allen anderen Dingen hätte man ja ein Auge zudrücken können, aber Geld ist eine so massive Struktur, dass von diesem System gar nicht abgewichen wird oder abgewichen werden kann, da wir in einem auf Geld basierenden System aufgewachsen sind (zumindest die Meisten von uns). Aber ab dem Zeitpunkt wo Geld oder die Idee des Geldes in das Format aufgenommen wird, ist Newtopia für mich nur noch reines Entertainment (wenn es das mal wäre…).

Studien mit Affen, denen das Prinzip des Geldes vermittelt wurde, haben herausgefunden, dass sich dabei auch ganz schnell negative Eigenschaften einschleichen, wie Betrug, Diebstahl und Prostitution. Wenn aber klar ist, was für Auswirkungen Geld oder dieses Prinzip hat, dann sollte man bei dem Bau einer neuen Gesellschaftsform auch genau so etwas überdenken. Das geschah jedoch nicht und es wurde einfach das gängige System übernommen.

Das bedeutet für mich, dass das „Experiment“ gescheitert war, bevor es begann, denn mal ehrlich: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus einem auf Geld basierenden System eine Gesellschaftsform entsteht, die sich darüber hinaus entwickelt. Das haben wir bislang, vielleicht aufgrund von bestimmten Einflüssen, bis heute nicht geschafft, weil viele Menschen, der Idee „Geld“ eine zu hohe Bedeutung beimessen.

Natürlich hätte es auch klappen können, dass sich eine neue Gesellschaftsform entwickelt, aber so polarisierend wie die Charaktere waren, so wenig wird das gewollt worden sein.

Viele Philosophen und Politiker der Antike haben sich mehrfach Gedanken gemacht, wie denn so ein perfekter Staat oder allgemein eine Staatsform auszusehen hat. Diese Ideen kann man natürlich auch auf kleinere Gruppen anwenden.

Auch diverse Schriftsteller haben sich fiktive Gesellschaftsformen ausgedacht, mal positiver, mal negativer. Es war die kreative Frage nach dem „Was könnte sein?“. Gerade als Philosoph sind solche Fragen ungeheuer interessant.

Utopie eines neuen Systems?

Die kreative Frage wurde bei Newtopia zwar am Anfang auch gestellt, aber im Endeffekt gleich wieder ad absurdum geführt, durch eingefahrene Ideen und schon vorhandene Systeme.

Doch nicht nur das, gerade aufgrund dieser extremen Polarisierung der Charaktere wurden nicht Menschen zusammengepfercht, die sich darauf vorbereitet haben, sich und ihre Umgebung ändern zu wollen, das heißt auch ständig offen zu sein für neue und kreative Ideen, sondern es wurden Menschen zusammengebracht, die ihre eigene Idee von einem Newtopia durchsetzen wollen. Wenn man dann acht Leute hat, die sich alle etwas anderes unter einem Newtopia vorstellen und dazu noch diese Idee auf biegen und brechen durchsetzen wollen, dann kommt man dabei ganz schnell von dem ursprünglichen Plan ab. Mal abgesehen davon, dass die Idee des Newtopia bei den Darstellern immer weiter in den Hintergrund rückt.

Mir fehlten dabei die Künstler, die Denker, die Tagträumer, die Philosophen, die Erfinder und Tüftler, die Schriftsteller, Musiker und viele andere kreative Bereiche. Ähnlich wie es auf dem Lebensgut Pommritz stattfindet.

Auf diesem Sektor hat für mich die TV-Idee nichts beigetragen.

Moralisch fragwürdig?

Eigentlich wollte ich diesen Text schon vor einigen Enthüllungen schreiben, die da in den letzten Tagen (vor einigen Jahren) aufgekommen sind.

Es kam nämlich heraus, dass potentiell das Sendeformat noch weniger real ist als man vermutete. Das bedeutet, es soll gescripted, also vorherbestimmt oder vorgeschrieben sein. Ähnlich wie andere Fernsehformate, die nur der Unterhaltung dienen und keinen weiteren Zweck erfüllen.

Eigentlich schade, dass eine eigentlich so gute Idee etwas neues zu erschaffen, so dermaßen in die Hose gegangen ist. Nicht nur, dass der Ansatz nicht der beste war, nein, es ist auch noch vorgegeben, wie die Darsteller zu agieren haben, damit die Quote besser aussieht.

Außerdem könnte es auch so sein, dass wenn das „Experiment“ normal bis zum Ende hin durchgezogen werden würde und es keine großartige neue Gesellschaftsform dabei herauskäme, es möglicherweise so hingestellt werden könnte, dass alles so wie es ist, schon so zu sein hat – es also etwas natürliches und normales ist – und man sich gegen dieses „natürliche System“ (des Geldes und der Ökonomie) nicht wehren sollte.

Es gab dementsprechend gar keinen experimentellen Wert, sondern einzig und alleine die Unterhaltung sollte Ziel sein. Spätestens jetzt sollte jedem klar werden, dass das was wir da regelmäßig zu sehen bekommen nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen muss. Wir sollten spätestens jetzt noch viel kritischer hinterfragen ob das was uns gezeigt wird real oder gespielt ist. Ob die Dinge die uns erzählt werden auch wirklich wahr sind oder ob uns nicht das Blaue vom Himmel herunter gelogen wurde.

Gleichzeitig sollten wir uns fragen, was wir vom Fernsehen als solches erwarten, also ob das, was wir in der Zeit des Fernsehens tun einen Mehrwert hat oder ob wir uns unsere Freizeitgestaltung vielleicht noch mal überdenken sollten.

Nachtrag: Doch sollten wir nicht nur unsere Freizeit- und Unterhaltungsgestaltung überdenken, sondern im Allgemeinen, das was uns täglich vorgesetzt wird. Es spricht nichts gegen Unterhaltung, als moderner Mensch lasse auch ich mich gerne unterhalten. Aber es kommt manchmal auf die Menge und auf die Art der Unterhaltung an.

Gleichwohl gibt einem das Format nachträglich noch zu denken, ob es nicht vielleicht an einem selbst vermag, sein eigenes Newtopia zu erschaffen. Im Hier und Jetzt etwas zu tun, was einem seelisch gut tut und nachhaltig ist für die Zukunft.

Quellen: Spiegel, DWDL, DWDL Meinungen, Lebensgut, Sat1, Wikipedia

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