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Denkatorium

Denkatorium: Philosophieren Schule Rezensionen Blog Podcast

Philosophieren

Gerade wenn man schulisch oder privat das erste Mal etwas von Philosophie oder dem Philosophieren hört, fragt man sich, was das eigentlich ist und was eine Philosophin oder einen Philosophen ausmacht oder was jemand der philosophiert überhaupt macht.

Auf dieser Seite möchte ich zu diesen Fragen etwas Licht ins Dunkel bringen und versuche weitestgehend alle Fragen einfach zu klären.

Was ist Philosophie?

Das Wort Philosophie stammt aus der Antike und bedeutet übersetzt “Liebe zur Weisheit”.

Man spricht es “Fi-lo-so-fi” aus.

Durch sie versucht man alles besser zu verstehen und zu deuten – das Leben, den Menschen, unsere Existenz und viele weitere Aspekte.

Eine der bekanntesten Fragen, die Philosophen (scherzhaft) gerne gestellt wird ist “Was ist der Sinn des Lebens?”.

Insgeheim beinhaltet diese Frage natürlich so viel mehr, denn es stellen sich gleichzeitig weitere Fragen, wie

“Wozu leben wir?”,

“Worin besteht der Sinn unserer Existenz?”,

“Was ist unsere Aufgabe als menschliches Wesen?”.

Ebenso stellen sich dabei dann Fragen nach einer göttlichen Instanz und ob es sie überhaupt gibt.

Dabei kann ein Philosoph ganz unterschiedlich vorgehen, wenn er solche Fragen überdenkt. Jedoch sind die Kernelemente der Philosophie die Logik, die Ethik und die Metaphysik.

Gerade letzteres hört sich schnell abschreckend an, es handelt sich aber dabei um den Zweig der sich mit dem Sein und der Wirklichkeit beschäftigt. Sie behandelt sozusagen die letzten Fragen, die man stellen kann, wie z.B. “Gibt es überhaupt eine unsterbliche Seele?”“Verfügt der Mensch über einen freien Willen?”.

Auch Fragen nach einer jenseitigen Welt stellen sich hier und was wir darüber überhaupt wissen können.

Die Philosophie hat noch weitere Teilbereiche und unterscheidet sich auch in ihrer Art bspw. Zwischen der abendländischen und asiatischen Philosophie.

In Europa wird sich vermehrt auf die abendländische, also in Griechenland entstandenen, Philosophie konzentriert, was daran liegen mag, dass diese hier stärker im Fokus der Ausbildung lag.

Philosophie lässt sich jedoch als solches schwer und nicht allgemeingültig definieren, auch wenn man weiß, dass es dabei um die Liebe zur Weisheit geht.

Durch das ständige Hinterfragen, der Methoden, der Erkenntnisgewinnung oder Prinzipien, wirkt die Philosophie ständig auf andere Wissenschaften ein und hilft so bei einer weiteren Hypothesenbildung.

Bis auf Medizin, Jura und Theologie entstammen alle Wissenschaften der Philosophie, weswegen sie auch gerne die “Mutter der Wissenschaften” genannt wird.

Doch gibt es keine einheitliche Methode, die die Philosophie verfolgt, wie in anderen Wissenschaften, weswegen der eine oder andere sich die Frage stellt, ob es sich dabei überhaupt um eine Wissenschaft handelt.

Allgemein kann man jedoch sagen, dass die Philosophie sich mit den existenziellen Fragen des Menschen und des Seins beschäftigt. Nur, dass es auf diese Fragen keine fertigen und vor allem richtigen Antworten geben kann.

Kann jede/r philosophieren?

Man muss nicht Philosophie studiert, viele Philosophiebücher gelesen (auch wenn das Lesen von Büchern sehr hilfreich sein kann) oder sich mit den großen Philosophen auseinandergesetzt haben, um zu philosophieren.

Philosophieren kann jede und jeder.

Dabei geht es dann auch nicht um bestimmte Techniken oder Methoden, sondern mehr um die Haltung die man der Welt gegenüber einnimmt.

Kinder sind beispielsweise Naturtalente darin ihre Eltern oder ihre Umgebung mit Fragen zu löchern und das zu allen möglichen Themen. Desto älter sie werden, desto mehr verliert sich oft dieses Nachfragen und im Erwachsenenalter ist es kaum mehr vorhanden.

Manchmal wird das eigene Leben dann als Erwachsener hinterfragt, wenn man Schicksalsschlägen ausgeliefert ist.

Die fragende Haltung der Welt gegenüber ist also ausschlaggebend und kann auch als Erwachsener kultiviert werden, selbst ohne Schicksalsschläge.

Es geht also um die Haltung zur Welt und dass man scheinbare Gewissheiten hinterfragt. Man könnte auch von einem Staunen über die Welt sprechen.

Wie den Griechen in der Antike nicht mehr nur ihre Mythen über Götter und die damit begründeten Naturphänomene als Erklärung reichten, so fingen sie an diese Mythologie grundsätzlich zu hinterfragen und suchten nach logischen (rationalen) Erklärungen.

Besonders der Philosoph Sokrates wird oft zitiert mit seiner offenen Aussage “Ich weiß, dass ich nicht weiß”. Er zog viele verschiedene Experten unterschiedlicher Fachgebiete immer in seine Gespräche und verwickelte sie in Diskussionen, wobei er ihr angeblich sicheres Wissen nicht nur erschütterte, sondern zugleich mit ihnen auch nach Antworten suchte.

Man sieht also, jede und jeder kann philosophieren, so er oder sie denn die dazu nötige Haltung gegenüber der Welt einnimmt.

Wo mit dem Philosophieren anfangen?

Das kann man ganz unterschiedlich machen. Zum einen kann man sich den Fragen zuwenden, die ich als Beispiele in Abschnitt 1 anführte und versucht diese zu ergründen.

Oder vielleicht hilft auch dieses Vorgehen:

Man nimmt sich eine eigene Überzeugung, für die man einsteht. Diese stellt man jetzt bewusst in Frage; man nimmt sozusagen eine Gegenansicht ein.

Ist meine Überzeugung überhaupt richtig? Warum ist das so? Was sagen andere dazu?

Gerade eine kritische Haltung zur eigenen Überzeugung einzunehmen ist dabei sehr hilfreich, denn diese offenbart verschiedene Perspektiven. Was spricht gegen diese Überzeugung oder was kann man als Argument dagegen einwenden?

Ebenso kann eine Recherche zu diesem Thema helfen und deren Gegenposition, damit man weitere Gedanken mit einbeziehen kann.

Auch andere zu ihrer Meinung zu dieser Ansicht zu befragen kann sehr hilfreich sein, denn gerade der Dialog wirft schnell weitere Fragen oder Ansichten auf, die zuvor noch gar nicht bedacht wurden.

Der bedeutendste Punkt aber, ist, dass man bereit sein muss seine vorherigen Überzeugungen und Meinungen völlig über den Haufen zu werfen, wenn diese den Argumenten anderer nicht standhält. Es ist elementar offen für andere Meinungen und Gedanken zu sein.

Was macht man als Philosoph beruflich?

Das kann ganz unterschiedlich ausfallen.

Zum einen haben wir Dozenten die benötigt werden, sowohl an den Universitäten, als auch insgesamt in der Erwachsenenbildung.

Gleichzeitig benötigt es Lehrer an Schulen, weswegen es ja auch einige gibt, die dieses Fach auf Lehramt studieren.

Ebenso sind Journalisten in vielen anderen Disziplinen zu finden, wie dem Journalismus, in Verlagshäusern, dem Kulturwesen, verschiedene soziale Verbände und Organisationen, aber auch im Bereich des Marketings und der Werbung sind sie zu finden.

Einige sind aber auch Buchautoren geworden und das muss gar nicht einmal im Bereich der Philosophie sein.

Es kommt eben immer darauf an, welche Fächer vielleicht zusätzlich studiert wurden, welche Weiterbildungen man hatte oder welche zusätzlichen Neigungen man beruflich mitbringt.

Natürlich könnt ihr euch auch als Blogger versuchen, aber beruflich wirft das nicht so viel ab, als dass man davon leben könnte.

Diogenes wäre hier das richtige Stichwort.

Lohnt es sich Philosophie zu studieren?

Eine Bekannte von mir ist Künstlerin und wurde mal nach einer Ausstellung ihrer Werke gefragt:

“Und, hat es(die Ausstellung) sich gelohnt?”

Sie musste daraufhin lächeln, weil es eben immer darauf ankommt welches Ziel man verfolgt und was man unter “lohnen” versteht. Verkauft wurden zwei drei Bilder, was sich finanziell vielleicht weniger gelohnt hat.

Gleichzeitig hat sie viele tolle Menschen gesehen, Gespräche geführt und Kontakte knüpfen können. Daraus ist sicherlich auch etwas Nachhaltiges für die Zukunft entstanden, was jedoch so noch gar nicht ersichtlich ist.

Es stellt sich bei solchen Dingen immer die Frage worin das eigentliche Ziel liegt.

Lohnt sich das Studium der Philosophie für jemanden, der sich für Philosophie interessiert und tiefer in diese Materie eindringen möchte? Auf jeden Fall!

Und wie sieht es mit jemandem aus, der später finanziell ein gutes Einkommen haben will? – Kommt drauf an.

Zwar schwärmen einem viele Internetseiten über das Gehalt von Philosophen immer etwas vor, dass sie nach 10 Jahren bei locker über 50.000 Euro liegen würden, wenn nicht sogar noch viel höher, aber ganz im Ernst: Das ist teilweise nur beschönigtes Wunschdenken.

Die Tatsache ist, wenn man nur Philosophie studiert (damit meine ich nicht auf Lehramt) und keinen Fuß in der Tür irgendeiner Firma hat, durch diverse Praktika, wird man es schwer haben und das nicht zu knapp, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen.

Ist jedoch die Liebe zur Weisheit so tief in euch, dass das Finanzielle zweitrangig ist, dann kann ich nur sagen: Es lohnt sich, mag es noch so steinig sein.

Ganz am Ende müsst ihr euch selbst entscheiden, dass kann euch niemand abnehmen. Jedoch müsst ihr euch im Klaren sein, ob ihr auch mit eurer Entscheidung leben könnt.

Philosophieren in der Schule

Seit einiger Zeit gibt es nun auch Philosophieunterricht an der Schule. Früher war dieses Fach bekannt als “Werte und Normen” oder “Praktische Philosophie” – dies scheint je nach Bundesland unterschiedlich (gewesen) zu sein.

Heute nennt sich dieser meist aber Ethikunterricht und unterscheidet sich nochmal vom Philosophieunterricht am Gymnasium oder der Oberstufe (scheint im Saarland der Fall zu sein).

Zudem kann Philosophie heutzutage sogar als Grund- oder Leistungskurs an der gymnasialen Oberstufe gewählt werden.

In Mecklenburg-Vorpommern wird Philosophie übrigens sogar durchgängig von der ersten Klasse an unterrichtet, hier wird es “Philosophieren mit Kindern” genannt und ist auch hier ein Ersatz für den Religionsunterricht.

Beim Ethikunterricht allgemein geht es weniger um das Lernen von Fakten als solches, sondern vielmehr darum ein Problem wahrzunehmen und dafür ein Verständnis zu entwickeln. Ebenso bedeutsam ist dabei, eine eigene Fragestellung zu formulieren und dahingehend auch Antworten durch die Kraft des eigenen Denkens zu finden.

Dies geschieht dabei mitunter in Diskussionen mit Mitschülern und Mitschülerinnen.

Die größten Unterschiede zwischen den Fächern Philosophie und dem Ethikunterricht sind, dass es bei dem Philosophieunterricht mehr um das analytische und reflexive geht, hingegen beim Ethikunterricht kommt mehr die soziale und affektive (plötzlich auftretende) Komponente zum Einsatz.

Ein besonderes Problem, welches sich beim Ethik- oder Philosophieunterricht auftut ist, dass dieser an vielen Schulen nur teilweise oder gar nicht stattfindet, auf Grund des Lehrermangels.

Hierbei kommt es dann öfter vor, dass fachfremde Lehrer diesen Unterricht gestalten und dem Unterricht und somit der Philosophie dem Beigeschmack eines Ersatzfaches geben; was im Endeffekt eigentlich ja jeder unterrichten könne.

Philosophie ist ein fundamentales Menschenrecht. Ich verstehe nicht, warum das nicht in der Schule gewährt wird. Ich habe Mitleid mit euch!”

Raphaël Enthoven

Damit hat der französische Philosoph nicht ganz Unrecht. Deutschland ist ein Land der Aufklärung und somit sollte die Philosophie an allen Schulen nicht nur unterrichtet, sondern auch ernsthaft verfolgt werden. Dass hier die Philosophie nun oftmals eher als Randerscheinung unterrichtet wird, weil ein so großer Lehrermangel herrscht, ist sehr bedenklich.

Gerade für Schülerinnen und Schüler, die sich tiefer in die Themen der Philosophie begeben wollen, habe ich sowohl hier als auch im Forum extra Rubriken geschaffen und hoffe, dass sie Stück für Stück mit Inhalt gefüllt werden können.

Philosophieren mit Kindern

Wie schon erwähnt, verfolgt Mecklenburg-Vorpommern ein ganz eigenes Modell ab der ersten Klasse für die Schülerinnen und Schüler.

Gerade in den ersten Schuljahren kann man den Kindern gut beibringen, was bestimmte philosophische Methoden ausmacht und wie man an ein Problem herangehen kann.

Durch die unterschiedlichen Methoden werden Schüler und Lehrer eine Art Untersuchungsgemeinschaft.

Schwerpunkt des Unterrichts ist dabei, dass die Schülerinnen und Schüler zum Nachdenken angeregt werden. Gleichzeitig soll aber auch der Erfahrungs- und Verständnishorizont, bezüglich vergangener und aktueller philosophischer Ansätze im Fokus stehen.

Insbesondere Kant steht dabei mit seinen vier Fragen, die er 1765 in seinen Vorlesungen zur Logik aufwarf, im Vordergrund:

  • Was kann ich wissen? (Erkenntnistheorie)
  • Was soll ich tun? (Ethik)
  • Was darf ich hoffen? (Religionsphilosophie)
  • Was ist der Mensch? (Anthropologie)

 

Auch für Kinder (bzw. Deren Eltern) habe ich einen Extrabereich geschaffen, der noch mehr auf das Philosophieren mit Kindern eingehen soll. Gleichzeitig gibt es natürlich auch für Eltern die Möglichkeit, sich im Forum anzumelden und dort Fragen zu stellen oder mitzudiskutieren.

Sollte Dir danach sein, dass Du das Gefühl hast mit mir über das eine oder andere Thema philosophieren zu wollen, kannst Du Dich gerne ganz unverbindlich über Kontakt an mich wenden.

Schau dich sonst auch gerne auf meinem Blog oder dem Podcast um. Vielleicht findest du ja das eine oder andere, von dem du denkst, dass es wert ist mal neu nachgedacht zu werden.

[1] Philosoph Raphaël Enthoven – „Ich habe Mitleid mit euch Deutschen“ | Cicero Online